Drei Jahre Horror-Knast sind genug

Otti-Erpresser jetzt wieder auf freiem Fuß

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Ferdinando S. hat Ottfried Fischer erpresst. Jetzt wurde er verurteilt und freigesprochen.

München - Er hatte versucht, von Ottfried Fischer mit einem Sex-Video 150.000 Euro zu erpressen. Drei Jahre saß der 40-Jährige dafür in einem türkischen Knast. Das Gericht in München urteilte nun: Das war Strafe genug.

Für seinen Versuch, Ottfried Fischer (60) mit einem Sex-Video um 150.000 Euro zu erpressen, hat Ferdinando S. (40) schon bitter büßen müssen. Drei Jahre saß der Italiener mit Augsburger Akzent in einem türkischen Knast. „Die Sieben-Mann-Zelle war mit 28 Leuten belegt“, sagte er am Mittwoch vor dem Landgericht. „13 Monate habe ich auf dem Boden schlafen müssen.“ Das von ihm und seiner damaligen Freundin Jasmin H. inszenierte Ganovenstück endete für ihn am Mittwoch mit der ersehnten Freiheit.

Die unappetitliche Geschichte sorgte schon 2010 für Schlagzeilen. Der Schauspieler und Kabarettist hatte sich in seiner Wohnung in der Leopodstraße mit den beiden Prostituierten Maria K. (35) und Jasmin H. vergnügt. Jasmin machte beim Sex mit Fischer heimlich Filmaufnahmen im Auftrag ihres Zuhälters, einer damaligen Größe in der Augsburger Rotlicht-Szene. Aus dem Ganoven-Milieu heraus wurde das Schmuddel-Video seinerzeit der Bild-Zeitung angeboten, was nicht nur vier Täter, sondern auch einen Reporter (freigesprochen in zweiter Instanz) vor Gericht brachte.

Erpresser über Freundin: "Jasmin war die treibende Kraft"

Nur Jasmin H. konnte damals rechtzeitig in ihrer türkischen Heimat untertauchen. Von dort aus trieb sie ihren Augsburger Freund Ferdinando S. an, den gewichtigen Publikums-Liebling zu erpressen. Aus Italien meldete sich der Täter auf Otti Fischers Handy-Nummer. Er drohte, das Video zu veröffentlichen, falls Fischer nicht 150.000 Euro zahlt. Otti wollte sich aber nicht einschüchtern lassen und schaltete die Polizei ein, die rasch den Anrufer ermitteln konnte. „Auffallend war der italienisch-Augsburger Dialekt“, so ein Kripo-Mann als Zeuge.

Ferdinando S. wurde im April 2010 in Italien verhaftet, kam aber bald wieder frei. Er flüchtete zu Jasmin in die Türkei. Sein Pech: Am 18. Dezember wurde er in Istanbul verhaftet und landete in einem völlig überfüllten Knast. Jasmin meldete sich nicht mehr bei ihm. Und aufgrund eines behördlichen Hickhacks erfolgte die Auslieferung nach Deutschland erst drei Jahre später.

Bei einem Ruckzuck-Prozess vor der 8. Strafkammer gab sich der Erpresser reumütig und gab alles zu. Der Zeuge von der Kripo bestätigte: „Jasmin war die treibende Kraft.“

Oberstaatsanwalt Kai Gräber forderte vier Jahre Haft. Das Gericht beließ es bei drei Jahren und acht Monaten. Da das Gericht den Türken-Knast eineinhalbfach rechnete, ist damit die Strafe verbüßt.

Fernando S. zieht vorerst zu seinem Bruder nach Augsburg. Er will wieder als Kellner arbeiten.

Eberhard Unfried

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