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Oide Wiesn: Stadt prüft Spezlwirtschaft-Vorwürfe

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Gemütlich, traditionell, münchnerisch: Die „Oide Wiesn“ gilt als Erfolgsgeschichte. Jetzt gibt es allerdings Ungereimtheiten.

München - Gemütlich, traditionell, münchnerisch: Die „Oide Wiesn“ gilt als Erfolgsgeschichte. Doch jetzt berichtet der Münchner Merkur, dass der zuständigen Stiftung   Spezlwirtschaft vorgeworfen wird.  Pachten sollen auffällig niedrig sein, Standorte nicht regulär ausgeschrieben werden.

Man hört Blasmusik, sieht alte Schiffschaukeln, riecht gebrannte Mandeln. Von einem bitteren Beigeschmack war bislang nicht die Rede, wenn von der Oidn Wiesn erzählt wurde. Das hat sich Rathaus-intern in den vergangenen Monaten geändert. Die städtische Schausteller-Stiftung ist immer mehr in Verruf geraten – und die hat auf der Oidn Wiesn viel zu bestimmen.

Unter anderem betreibt sie das Museumszelt. Doch offenbar ging in den Jahren 2013 und 2014 sehr viel schief. Im Revisionsamt der Stadt ist man alarmiert. Es geht um nicht schlüssige Rechnungsbeträge, seltsam niedrige Pachten – und um den Vorwurf einer lukrativen Spezlwirtschaft.

Schlussabrechnung nicht korrekt?

Besonders im Fokus: Florian Dering, der Geschäftsführer der Stiftung. „Die vom Geschäftsführer vorgelegte Schlussabrechnung ist unvollständig und nicht in jedem Fall korrekt“, heißt es etwa in einem Papier des Revisionsamtes, das unserer Zeitung vorliegt. Die Kostenpauschalen für den Betreiber des Velodroms und den Pächter der Gastronomie im Museumszelt „erscheinen im Vergleich zu den Kostenpauschalen für die übrigen Pächter äußerst niedrig“. Wiesn-Chef Josef Schmid sagt allerdings, sie seien schon für die Wiesn 2014 angehoben worden.

Wie Recherchen des Münchner Merkur ergaben, wurden die Kosten in der Vergangenheit tatsächlich erstaunlich niedrig angesetzt. Für die Gastronomie im Museumszelt etwa wurde im Jahr 2013 lediglich ein Betrag von 8000 Euro verlangt – 500 Euro pro Wiesn-Tag. Für das Velodrom mit Wurstbraterei und dem Verkauf von alkoholfreien Getränken wurden nur 1000 Euro genommen, der gleiche Betrag wurde für die Schiffschaukel fällig. Laut Revisionsamt konnte Dering nicht darstellen, auf welcher Basis die Preise berechnet wurden. Eine Preiskalkulation sei überhaupt nicht vorhanden gewesen.

Revisionsamt: Mögliche Mauschelei?

Besonders skurril: Die Schiffsschaukel gehört der Stiftung. Sie wurde dem Pächter nur für die Dauer der Wiesn zum Betrieb überlassen. Für die 1000 Euro, die der Pächter zahlen musste, übernahm die Stiftung wiederum die Kosten für TÜV und Brandschutz. Einnahmen habe die Stiftung für die Überlassung des Standortes unterm Strich überhaupt keine erzielt, heißt es aus dem Rathaus. Das Revisionsamt empfiehlt den Zuständigen in der Verwaltung explizit, auch einer möglichen Mauschelei nachzugehen. „Die Verletzung des Wettbewerbsgebots ist insbesondere problematisch“, heißt es in einem Papier, „da der Geschäftsführer einer Firma, die eine Vielzahl von Aufträgen von der Stiftung erhalten hat, Mitglied im Kuratorium ist.“ An einer anderen Stelle heißt es, es könne „der Eindruck entstehen, dass Mitglieder des Kuratoriums bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugt werden“.

Diverse nicht nachvollziehbare Vorgänge

Das sind nur einzelne Beispiele. Dem Revisionsamt sind diverse nicht nachvollziehbare Vorgänge aufgefallen – etwa auch, dass das Stiftungsvermögen geschrumpft ist, was eigentlich verboten ist. Eine besondere Brisanz bekommen die Vorgänge auch deshalb, weil die Stadt für 2013 und 2014 Defizite ausgleichen musste. Für 2013 wurde ein Fehlbetrag von 240.122 Euro übernommen, für 2014 insgesamt 247.540 Euro. In der städtischen Stiftung selbst fühlt man sich zu unrecht kritisiert. Geschäftsführer Florian Dering wollte sich am Freitag nicht zu der Kritik äußern. Nur soviel: „Die Vorwürfe, die im Raum stehen, entsprechen nicht der Realität.“ Kuratoriums-Chef Hermann Memmel sagte: „Es ist definitiv nicht der Fall, dass Kuratoriums-Mitglieder bevorzugt wurden.“ Auch bei Abrechnungen habe es keine größeren Versäumnisse gegeben. „Da ist vielleicht mal der eine oder andere Spiegelstrich falsch gemacht worden.“ Manches Mitglied aus seinem Kuratorium sieht das hinter vorgehaltener Hand anders. Es gebe „schon ein sehr krasses Defizit“, heißt es. Gelder seien nicht korrekt verwaltet worden. Das findet offenbar auch Wiesn-Chef Josef Schmid. Die Stiftung sei von ihm darauf hingewiesen worden, „dass alle Regularien strikt einzuhalten sind“, sagte er dem Münchner Merkur. „Ich gehe davon aus, dass dies auch erfolgen wird.“ Einen Fehlbedarfszuschuss könne er sich in Zukunft nur noch vorstellen, wenn die Regeln eingehalten werden.

Unregelmäßigkeiten schon länger bekannt

Mindestens seit 2008 sind der Stadtverwaltung Unregelmäßigkeiten bei der Stiftung bekannt. Schmid betonte auf Nachfrage, er habe davon bis zu seinem Amtsantritt im Juli 2014 keine Kenntnis gehabt. Das Vertrauen in die Stiftung ist bei den Verantwortlichen der Stadt dahingeschmolzen. Offenbar wird im Rathaus konkret geprüft, der Stiftung die Verantwortung für das Museumszelt, das Velodrom und das Marionettentheater zu entziehen. Die Verantwortung für den Betrieb könne an einen Dritten ausgelagert werden, heißt es – und die Stiftung, der das historische Gerät gehört, in einer Kooperation weiterbeteiligt.

Offiziell bestätigen will Schmid das nicht. Für 2015 sind die Planungen abgeschlossen. „Nachdem 2016 wegen des Zentralen Landwirtschaftsfests keine Oide Wiesn stattfindet, stehen wir erst am Anfang von Überlegungen über eine künftige Organisation“, sagt Schmid.

Kuratoriums-Chef Memmel auf jeden Fall hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Wir machen jetzt unsere Hausaufgaben“, sagt er. Florian Dering geht im Herbst in den Ruhestand. Für seinen Nachfolger wird es zuallererst  um Schadensbegrenzung gehen.

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