Oktoberfestschmankerl

Münchner Gastro-Imperium hat nach Wiesn-Aus große Pläne - „Echte Schmankerl“

Corona nützt ihnen nichts: Gutsverwalter Stephan Lieberth mit einigen der Wiesn-Ochsen am Karlshof
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Corona nützt ihnen nichts: Gutsverwalter Stephan Lieberth mit einigen der Wiesn-Ochsen am Karlshof.

Über 100 Ochsen werden jedes Jahr auf dem Gut Karlshof für die Ochsenbraterei gemästet. Wegen Corona fällt die Wiesn heuer aus. Um den Schlachter kommen die Tiere nicht herum.

München - Er ist eine der Attraktionen der Wiesn: der Ox in der Ochsenbraterei der Wirtsfamilie Haberl. Es gibt ihn als Klassiker mit Kartoffelsalat, Tellerfleisch mit Wurzelgemüse, als Bratwurst oder Pflanzerl. Und viele Wiesn-Besucher gönnen sich irgendwann im Vorbeigehen eine Ochsensemmel. Zwischen 120 und 125 Ochsen landen so Jahr für Jahr an den gewaltigen Drehspießen des Bierzelts. Heuer ist das anders. Das schönste Volksfest der Welt ist abgesagt, die Spieße bleiben leer.

Wiesn-Aus wegen Coronavirus: Ochsen kommen aus Ismaning

Aufgezogen werden die Ochsen auf dem Gut Karlshof in Ismaning. Tatsächlich hat die Stadt München zehn eigene Güter, die ökologisch verträgliche Landwirtschaft betreiben und als Grundstücksreserve dienen. Am Karlshof mästet man seit 1986 Ochsen, seit den 1990er-Jahren ist einer der großen Kunden das Gastro-Imperium Haberl mit Haberl-Tochter Antje Schneider an der Spitze. Schneider ist im Tandem mit ihrer Mutter auch Wirtin der Ochsenbraterei auf dem Oktoberfest.

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Die Rinder kauft das Gut von bayerischen Züchtern. Sechs Monate sind sie da alt. Auf dem Karlshof werden sie durch Kastration zu Ochsen und am Ende zu Wiesn-Schmankerln. „Ihr besonderes Fleisch bekommen die Tiere durch die lange Mast, wodurch mehr intramuskuläres Fett einlagert wird und ein feinfaseriges marmoriertes Fleisch entsteht“, erklärt Alfons Bauschmid, zweiter Werksleiter der Stadtgüter. Ein gutes Jahr dürfen sie so ein glückliches Leben im luftigen Offenstall führen. Mit 20 bis 22 Monaten haben sie dann Wiesn-Gewicht erreicht – bis zu 780 Kilogramm.

Ochsenimbiss am „Chinesen“: Hier war am Freitag schon offen, das Angebot muss sich aber noch rumsprechen.

Kein Oktoberfest 2020: Tiere für die Ochsenbraterei werden im August geschlachtet

Immer Ende August wartet der Schlachter, denn die Ochsen müssen noch ein bisserl abhängen, ehe sie bei Bier und Musik auf Tellern landen. Namen wie „Xaver“ oder „August“ stehen auf Kreidetafeln, damit jeder weiß, wen er gerade verspeist. „Die Namen bekommen die Tiere erst im Festzelt“, erläutert Bauschmid. „Das hat Tradition.“

Auch heuer wäre wieder angerichtet. Die Xavers und Augusts sind jetzt um die eineinhalb Jahre alt und werden jeden Tag schwerer. Hoffnung auf ein längeres Leben gibt es für sie aber nicht. „Selbstverständlich werden die Ochsen, die für die Ochsenbraterei vorgesehen waren, von der Haberl Gastronomie zu qualitativ hochwertigen Speisen verarbeitet“, erklärt Chefin Antje Schneider. Das Problem: Wegen des Coronavirus sind auch die Restaurants und Biergärten der Haberls derzeit geschlossen.

Ochs-to-go: Nach dem Wiesn-Aus liefen die Planungen an

Aber Not macht erfinderisch. Ab Samstag soll es Ochsenschmankerl an mehreren Standorten zum Mitnehmen geben – am Chinesischen Turm und am Schinderstadl am Flaucher die ganze Woche über von 10 bis 17 Uhr, am Michaeligarten im Ostpark, am Hopfengarten im Westpark und auf der Kugler Alm in Oberhaching immer freitags bis sonntags – je nach Wetter. Die Planungen für den Ochs-to-go hätten mit der Absage des Oktoberfests begonnen, erklärt Haberl-Sprecherin Maria Pinzger, Anfangs werden noch Ochsen verarbeitet, die die Haberls das ganze Jahr über vom Gut beziehen. Und dann wird es die Wiesn-Ochsen treffen.

7,50 Euro kostet die Ochsensemmel, die es jetzt zum Mitnehmen gibt.

Am Freitag liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Buden mussten fertig umgebaut, Personal aus der Kurzarbeit geholt – und wegen des Virus natürlich Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Denn sonst könnte es mit dem Verkauf schnell vorbei sein. Biergartenatmosphäre werde es nicht geben, betont Pinzger. Die Ochsenschmankerl und Getränke, die man ebenfalls kaufen kann, seien rein zum Mitnehmen gedacht. Pinzger hofft, dass sich die Kunden an die Regeln halten. „Wir ziehen das durch, solange wir können. Aber man muss natürlich sehen, was die Behörden machen.“

Oktoberfest 2020 wegen Coronavirus abgesagt: Ochsensemmel wie auf der Wiesn

7,50 Euro wird eine Ochsensemmel, die so schmecken soll wie auf der Wiesn, kosten. Alternativ gibt es Ochsenfleischpflanzerl für vier Euro das Stück oder eine Ochsenbratwurst in der Semmel für 4,60 Euro. Und wer im Wiesn-Outfit kommen will, kann das natürlich tun.

Auch das Gut Karlshof an der Freisinger Straße 64 in Ismaning verkauft bald wieder Ochsenfleisch – allerdings im Rohzustand. Der Hofladen hat ab 6. Mai wie gewohnt mittwochs von 13 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr geöffnet. „Für die Grillsaison können wir unsere Ochsensteaks empfehlen. Das sind echte Schmankerl“, sagt Bauschmid. Größere Mengen müsse man vorbestellen.

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