Es geht um Millionen

Wahnsinn für die Wirte: Schlamm-Schlacht um ausgefallenes Oktoberfest 2020 - Wiesn nie richtig abgesagt worden?

Das Aus für die Wiesn 2020 in München war ein Schlag ins Gesicht - für Oktoberfest-Fans und auch für die Wirte. Für eine Versicherung gab es wohl keine Absage. Wiesn-Wirte sind fassungslos.

München - Koa Wiesn – auch deshalb wird das Jahr 2020 in Erinnerung bleiben. Für die Besucher, die zuhause bleiben mussten. Aber vor allem für die Wirte, denen die Einnahmen fehlen. Sie müssen sich nun auch noch mit ihrer Versicherung streiten. Denn der Ausfall des Oktoberfestes war abgesichert. Trotzdem will die Versicherung nicht zahlen. Deshalb werden fünf Wirte jetzt Klage einreichen.

Darunter sind Eduard Reinbold (Schützenfestzelt), Hans Stadtmüller (Fischer Vroni), Ricky Steinberg (Hofbräu Festzelt), Stephan und Sebastian Kuffler (Weinzelt) sowie Arabella Schörghuber (Paulaner Festzelt). Sie alle sind bei der Deutschen Sport & Entertainment Versicherungsgemeinschaft (DSE) versichert. Genau wie Peter Inselkammer (Armbrustschützenzelt) sowie Michael F. und Christian Schottenhamel, die ebenfalls klagen wollen.

«Koa Wiesn 2020»: In München fiel das 187. Oktoberfest wegen Corona aus.

So dreist schmettert Versicherung Forderung von Wiesn-Wirten ab

Abgeschlossen hatten die Wirte eine Ausfallversicherung, die speziell auf das Oktoberfest zugeschnitten ist – damit wirbt die Versicherung auch im Internet. „In der Police ist eine Epidemie ganz allgemein mit aufgeführt – das aktuell geltende Infektionsschutzgesetz spielt dabei keine Rolle“, sagt Sebastian Kuffler. Seine Klagesumme liege „im mittleren bis oberen sechsstelligen Bereich“.

Addiert man die anderen Wirte, geht es um mehrere Millionen Euro. Als sie sich nach dem Wiesn-Aus an die Versicherung wendeten, hieß es von der DSE nur, dass „ein Anspruch auf Versicherungsschutz nicht besteht“. Der Wiesn-Ausfall sei zwar versichert, aber es sei nicht klar, ob die Veranstaltung stattgefunden hätte und ob die Wirte eine Zulassung bekommen hätten. Zudem sei die Wiesn nie richtig abgesagt worden. Tatsächlich hatten Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und OB Dieter Reiter (SPD) das Wiesn-Aus* am 21. April gemeinsam verkündet.

„Die Begründung der Versicherung ist völlig abstrus“ - Wiesnwirt Kuffler

„Die Begründung der Versicherung ist völlig abstrus“, sagt Kuffler. Die Versicherungsbedingungen seien eindeutig: Sie schützen „die Absage oder Unterbrechung der versicherten Veranstaltung durch Verfügung oder Eingriffe von hoher Hand wegen drohender Gefahr oder tatsächlichem Eintritt von Epidemien oder Seuchen durch die zuständige Behörde“.

Ein Wahnsinn für die Wirte. Trotz Wiesn-Aus hatten sie bereits Kosten für Miete, Personal, Büro- und Lager. Dazu kommt jetzt der zweite Lockdown. Seit Monaten zahlt die Versicherung nicht. „Auch wir mussten deshalb ein Darlehen aufnehmen“, sagt Kuffler. Er fordert nun Gerechtigkeit: „Wir werden diese Sache ausfechten bis zum Ende.“

Auch für das Oktoberfest 2021 sehen die Wiesn-Wirte „schwarz“*. Selbst Spekulationen, dass nur Corona-geimpfte auf das Oktoberfest gehen dürften, sind vom Tisch. *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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