Wiesn-Attentat: Neue Ermittlungen gefordert

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Das Attentat 1980 forderte 13 Todesopfer.(Archivfoto)

München - Im Rahmen der Neonazi-Mordserie hat der Münchner Stadtrat eine Wiederaufnahme der Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat von 1980 gefordert. Rechtsextreme Hintergründe seien damals unbeachtet geblieben.

Die braunen Geister spuken wieder, die alten und die neuen. Gestern im Rathaus: Vor der Debatte um neue Ermittlungen zum Wiesn-Attentat von 1980 erhob sich der Stadtrat, um den neuen Opfern des Nazi-Terrors zu gedenken – ganz besonders den beiden 2001 und 2005 ermordeten Münchnern Habil Kilic und Theodorous Boulgarides. OB Christian Ude (SPD) sprach von Mitgefühl für die Angehörigen und Scham dafür, dass die Ermittlungen von Milieutaten ausgegangen seien. Die Stadt werde sich stellvertretend bei der griechischen und türkischen Gemeinde entschuldigen. Ude verlas die Resolution des Münchner Bündnisses für Toleranz aus Vertretern von Kirchen, Israelitischer Kultusgemeinde, Stadt, Uni und Gewerkschaften (siehe unten).

Dann widmeten sich die Stadträte dem schwersten Terroranschlag der deutschen Nachkriegsgeschichte – dem rechtsextremistischen Wiesn-Attentat: Am 26.9. 1980 um 22.19 Uhr explodierte am Haupteingang des Oktoberfests eine Bombe. 13 Menschen starben, 211 wurden verletzt – darunter viele sehr schwer, viele bleiben ihr Leben lang gezeichnet. Kurz zuvor hatten sie noch arglos beim größten Volksfest der Welt gefeiert. „Das Thema hat eine beklemmende Aktualität“, sagte der grüne Fraktionschef Sigi Benker.

Die Ermittler legten sich seinerzeit schnell auf Gundolf Köhler, der beim Anschlag selbst ums Leben kam, als mutmaßlichen Täter fest. Der 21-jährige Student soll auf bislang ungeklärte Weise als Einzeltäter 1,4 Kilo TNT besorgt und gezündet haben. Dabei hatte er Kontakte zur rechtsextremen „Wehr­sport­gruppe Hoffmann“.

Neue Erkenntnisse nähren laut Stadt Zweifel an dieser These. Köhler habe schon in den 70ern Kontakte zur NPD gehabt und sei von Geheimdiensten beobachtet worden, sagte Benker. Damals sei die Chance vertan worden, ein mögliches Netzwerk der Rechtsex­tremisten aufzudecken. Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid erinnerte an eine lange Liste an Taten, die bis heute reiche und in Verbindung mit Neonazi-Gruppen stehen könnten. Auch CSU-Fraktionschef Josef Schmid hoffte, dass der neue Generalbundesanwalt zu einer anderen Einschätzung kommt als dessen Vorgängerin. Einstimmig forderten die Stadtpolitiker die Behörden zu neuen Ermittlungen auf.

David Costanzo

Oktoberfest-Attentat am 26. September 1980

Oktoberfest-Attentat am 26. September 1980

Das Gedenken an die Nazi-Opfer

„Die Mitglieder des Münchner Bündnisses für Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat sind bestürzt über das Ausmaß rechtsextremen Terrors in Deutschland. Auch die Tatsache, dass die rechtsextremen Morde über einen derart langen Zeitraum nicht als solche wahrgenommen wurden, ist beängstigend. Wir sprechen allen Opfern des rechtsextremen Terrors unser Beileid aus – insbesondere den Angehörigen und Freunden unserer beiden ermordeten Münchner Mitbürger Habil Kilic und Theodorous Boulgarides.

München ist eine weltoffene und tolerante Stadt. München ist bunt. München ist Vielfalt. Dies ist eine große Bereicherung für uns alle. Die Zivilgesellschaft und die Stadtpolitik haben dies in der Vergangenheit immer deutlich gemacht. Wir dürfen und werden rassistische Ausgrenzung und Gewaltverherrlichung in unserer demokratischen und freiheitlichen Stadt nicht hinnehmen.“

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