„Arbeitsverweigerung des Bürgermeisters“

Wiesn-Hendl-Streit: Wird „Bio“ der Hahn abgedreht?

Das Hendl, ein Oktoberfest-Klassiker: Doch das Hendl auf der Wiesn wird künftig kein Bioprodukt sein, fürchten Kritiker.

München - Im Jahr 2007 hat die Stadt München Rita Rottenwallner den Umweltpreis verliehen – auch für den Kampf um biologisches und nachhaltiges Essen auf ihrem Jahrmarkt. Diesen Preis will die Tollwood-Chefin nun nicht mehr haben. Das schreibt sie in einem offenen Brief an Bürgermeister Schmid. Darin kritisiert sie heftig die Beschlussvorlage, die Schmid als Wirtschaftsreferent dem Stadtrat am Dienstag vorlegen will. Darin schlägt er unter anderem vor, dass künftig bayerische Nicht-Bio-Produkte nach Punkten gleich bewertet werden wie Bio-Produkte von außerhalb des Freistaats. In Zahlen: zwei Punkte für Massentierhaltung mit dem Siegel „Qualität aus Bayern“ und zwei Punkte für Bioprodukte.

Rottenwallner schreibt: „Die Vorlage ist eine dreifache Rolle rückwärts und torpediert den vom Stadtrat im Jahr 2006 eingeschlagenen und bislang engagiert verfolgten Weg zur Biostadt.“ Mit der Beschlussvorlage leiste man der industriellen Massentierhaltung Vorschub – „nicht nur in Bayern, aber vor allem auch dort“.

Schmid versteht die Aufregung nicht. Unserer Zeitung sagt er, dass die Tollwood-Chefin die positiven Aspekte der Beschlussvorlage völlig außen vor lasse. „Frau Rottenwallner verschweigt, dass wir ab sofort für Bio-Produkte aus Bayern vier Punkte vergeben, für Bio-Produkte und kurze Transportwege drei – und nur zwei Punkte gibt es für Bio-Produkte von auswärts und die mit dem Siegel ,Geprüfte Qualität – Bayern’.“ Sprich: Das Gegenteil der Kritik sei wahr, die Wiesn fördere ab sofort Bioprodukte stärker als bisher. Zudem hätten Produkte mit dem Siegel „Geprüfte Qualität – Bayern“ sehr viel höhere Standards.

„Die Beschlussvorlage ist eine Arbeitsverweigerung des Bürgermeisters“

Die Kritiker bringt diese Argumentation zur Weißglut. Stephanie Weigelt, Umweltreferentin bei Tollwood, kontert: „Die neu eingeführten vier Punkte kann kein Wiesnwirt erfüllen, dazu gibt es gar nicht genug Bio auf dem Markt.“ Dieses Punktesystem sei „blanke Theorie“ und „Augenwischerei“. Weigelt befürchtet, dass in Zukunft so gut wie niemand mehr teures Biofleisch anbietet, „wenn Massentierhaltung dieselbe Punktzahl erhält“. Fakt sei: Es gebe bisher acht Punkte für Öko-Engagement, das würde nicht geändert. „Wir sind hier keinen Schritt weiter. Und nur weil Fleisch aus Massentierhaltung aus Bayern kommt, ist es noch lange nicht besser als anderes. Eine andere Behauptung stimmt einfach nicht. Die Beschlussvorlage ist eine Arbeitsverweigerung des Bürgermeisters.“

Auch das „Aktionsbündnis Artgerechtes München“ äußert sich in Person von Christian Hierneis vom Bund Naturschutz gegen Schmids Pläne. Sie seien „ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich seit Jahren für mehr Bio einsetzen, seien es Verbraucher, Landwirte oder Gastronomen. Wünschenswert sei ein System, das keine Ökopunkte für das Siegel „Qualität aus Bayern“ vergibt und stattdessen einen „echten Anreiz“ für Öko schafft – durch die deutliche Anhebung auf maximal 20 Punkte. Die gäbe es für Bio-Produkte aus Bayern. Tollwood und Aktionsbündnis fordern Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) auf, die Neuerung zu verhindern. Reiter wollte sich gestern dazu nicht äußern.

„Wir wollen in jedem Fall bei Bio bleiben“

Immerhin gibt Josef Schmidbauer ein Signal, dass Bio vielleicht doch nicht ganz vom Oktoberfest verschwindet. Der Chef der Enten- und Hendlbraterei Ammer betont: „Wir wollen in jedem Fall bei Bio bleiben – aus Überzeugung.“

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