Oktoberfest-Aus für das BRK

Wiesn-Sanitätsdienst: Regierung prüft Vergabe

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Das BRK wird beim Oktoberfest vermutlich nicht präsent sein.

Die Regierung von Oberbayern prüft die Entscheidung der Stadt, den Sanitätsdienst auf der Wiesn anstelle des BRK an die Aicher Ambulanz zu vergeben. Das Verfahren dürfte vier bis fünf Wochen dauern.

München - Aicher hatte das Rote Kreuz bei der Ausschreibung durch die Stadt verdrängt. Es war keine knappe Entscheidung. Wie unsere Zeitung aus verschiedenen Quellen erfahren hat, lag das finanzielle Angebot des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) wohl mehr als ein Drittel über jenem des Konkurrenten Aicher Ambulanz. Man habe aus wirtschaftlichen Gründen gar keine andere Wahl gehabt, zumal auch der Privatanbieter seine Leistungsfähigkeit nachgewiesen habe, ist aus Rathauskreisen zu hören.

Für das Rote Kreuz ist der Auftrag nach mehr als 130 Jahren auf der Wiesn eine Frage des Selbstverständnisses. In einem Schreiben des Kreisverbandes München an die Mitglieder heißt es: „In Briefen, E-Mails, Anrufen und im persönlichen Gesprächen werden wir aufgefordert, weiterzumachen und uns für den Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest einzusetzen. Und das machen wir.“ Das BRK hat ein Nachprüfungsverfahren bei der Regierung von Oberbayern eingeleitet. In vier bis fünf Wochen wird eine Entscheidung erwartet. Sollte die Regierung die Vergabe für rechtens halten, „muss die Situation neu bewertet werden“, sagt ein BRK-Sprecher. Erst dann könne über das weitere Vorgehen entschieden werden. Heißt: Ob das BRK vor den Vergabesenat des Oberlandesgerichts München ziehen würde, steht noch nicht fest.

Die Stadt vergibt den Auftrag zu einem Fixpreis

Die Stadt vergibt den Auftrag für den Sanitätsdienst zu einem Fixpreis. Dieser beinhaltet die Erstversorgung der Patienten, also die Kosten von Personal und Material. Eine Endabrechnung nach der Anzahl der Einsätze erfolgt nicht. Die Abrechnungen der Folgekosten einer Behandlung rechnet der Sanitätsdienst direkt mit den Krankenkassen ab.

Seit 2011 wird der Wiesn- Sanitätsdienst europaweit ausgeschrieben, zuvor hatte das BRK ihn stets ohne Ausschreibung erhalten. Für die Jahre 2011 bis 2013 hatte sich die Aicher Group schon einmal beworben, für 2014 bis 2018 nicht. In beiden Fällen kam das BRK zum Zug, dieses Mal, für den Zeitraum 2018 bis 2021 nicht. Seitdem rumort es gewaltig beim BRK.

Aus dem internen Schreiben an die Mitglieder ist zu ersehen, wie aufwendig der Sanitätsdienst ist. Zu Spitzenzeiten, an Freitagen und Samstagen, arbeiten gleichzeitig über 150 ehrenamtliche Helfer und bis zu 15 Notfallmediziner auf der Wiesn-Sanitätsstation arbeiten. Knapp 7000 Menschen seien 2017 versorgt worden. 3449 Patienten mussten ärztlich behandelt werden. Im Abschlussbericht der Stadt für das Oktoberfest 2017 ist unterdessen von einer „fast durchwegs entspannten Einsatzlage“ die Rede. Für das BRK gibt es aber Lob. Das BRK habe „wieder erfolgreich und sehr engagiert“ die sanitätsdienstliche Versorgung gesichert. Die personelle Besetzung habe „im Wesentlichen den notwendigen Anforderungen“ entsprochen.

2313 Ärzte- und Helferschichten

An den 18 Wiesntagen im Vorjahr leisteten die überwiegend ehrenamtlichen Einsatzkräfte des BRK insgesamt 2313 Ärzte- und Helferschichten. Das Rote Kreuz beschäftigt während der Wiesn rund 1000 Sanitäter und 70 Ärzte. Nur Letztere werden vergütet, der Rest arbeitet ehrenamtlich. Aicher hat angekündigt, alle Mitarbeiter zu entlohnen, was bis heute die Frage aufwirft, weshalb der kommerzielle Anbieter ein weitaus günstigeres Angebot abgeben konnte.

Lesen Sie auch: Nach überraschendem Aus auf der Wiesn: BRK will Stadt verklagen

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