Wiesn ohne Wiggerl!

Hagn-Hammer auf Oktoberfest: Ära geht zu Ende - Nachfolger von Löwenbräuzelt steht fest

+
Wiggerl Hagn war 40 Jahre Wirt im Löwenbräuzelt. Nun gibt es neue Details zur Nachfolge bzw. Nachfolgerin.

Das Gerangel um das Löwenbräuzelt auf dem Oktoberfest scheint zu Ende. Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn tritt ab. Der Name Hagn ist damit Geschichte. 

München - Nun ist es offiziell: Stephanie Spendler wird ihrem Vater Wiggerl Hagn nachfolgen und Wirtin im Löwenbräuzelt (siehe Text unten). Und die tz weiß: Hagns Engel Lukas Spendler wird nicht in die Chefetage aufrücken. Der Hagn-Hammer: Wiesn ohne Wiggerl!

Wiggerl Hagn vom Löwenbräuzelt: Eine Ära geht zu Ende

Tatsächlich geht eine Ära zu Ende. Die Familie Hagn ist seit 65 Jahren auf der Wiesn. Hagns Eltern Berta und Ludwig Hagn hatten 1953 das Schützenzelt an der Bavaria übernommen und bis 1978 bewirtschaftet. 1979 zog die Wirtsfamilie um ins Löwenbräuzelt. Das betreibt Wiggerl Hagn seit vielen Jahren gemeinsam mit seiner Tochter Stephanie Spendler. Im Dezember wird Wiggerl Hagn 80 Jahre alt – es wird ein trauriger Geburtstag!

Urgestein Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn hatte Ärger mit der Stadt

Allerdings war das Hagn-Aus absehbar: Wie berichtet, hatte sich der 79-Jährige gar nicht mehr beworben, nachdem er wegen seiner Abrechnungen für die Umsatzpacht ins Kreuzfeuer geraten war. Hagn hatte rund zwei Millionen Euro an Umsatz nicht angegeben. Unter anderem soll er die Freimarken der Brauerei, die diese verschenkt, nicht zur Ermittlung der Umsatzpacht eingebracht haben. Dadurch sind der Stadt 110.000 Euro Einnahmen entgangen. „Ein unabsichtlicher Fehler“, wie Wiggerl Hagn gegenüber der tz betonte. „Dass ich plötzlich als Betrüger bezeichnet werde – das tut weh!“ Das Geld hat er freilich mittlerweile nachbezahlt. Die Stadt prüft allerdings derzeit noch, ob nicht doch noch Anzeige gegen den 79-Jährigen erstattet werden soll. Das sei aber eher unwahrscheinlich, sagte ein Rathaus-Insider gegenüber unserer Zeitung.

Löwenbräuzelt auf dem Oktoberfest. 

Das passiert jetzt mit dem Löwenbräuzelt 

Das Löwenbräuzelt bleibt in Familienhand: Wie die tz erfahren hat, hat die Brauerei erst vor ein paar Tagen Hagns Tochter Stephanie Spendler als alleinige Wirtin vorgeschlagen. Von der Idee, Spendler könnte das Zelt gemeinsam mit Enkel Lukas betreiben, ist man demnach abgerückt. Auch die Variante mit Edi Reinbold (76) ist damit vom Tisch. Der Wirt des Schützenzelts (insgesamt knapp 5400 Sitzplätze), hätte auch gern das Löwenbräuzelt (8500 Sitzplätze) für seinen Sohn Ludwig gehabt. Daraus wird nichts!

Die Stadt wird dem Vorschlag der Brauerei wohl zustimmen. Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner sagte dazu: „Ich weiß, dass die Personalie kontrovers diskutiert werden wird. Ich muss als Wiesnchef aber jenseits moralischer Überlegungen eine rechtssichere Entscheidung treffen und hoffe auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.“

Nachfolge um Löwenbräuzelt: Stephanie Spendler soll alleinige Wirtin werden.

Wenn eine Brauerei einen Wirt für ihr Zelt vorschlägt, muss die Stadt auf Zuverlässigkeit prüfen. Zwar hatte Stephanie Spendler das Zelt gemeinsam mit ihrem Vater betrieben, allerdings in Form einer OHG, einer offenen Handelsgesellschaft. Anders als bei einer GmbH sind in der OHG beide Geschäftsführer unabhängig voneinander zu bewerten. Da Hagn bereits gesagt hatte, dass er allein für die Abrechnungen verantwortlich war, hat die Stadt keinen rechtssicheren Grund, Spendler abzulehnen. Zumal: Sie ist seit Jahren im Geschäft, war immer zuverlässig. Und auch im Stadtrat gibt es viele Stimmen, die die Familie Hagn-Spendler keinesfalls von der Wiesn werfen wollen.

Kommt nicht zum Zug: Hagns Enkel Lukas Spendler (li.) mit Bruder Johannes.

Alle Festwirte auf dem Oktoberfest geprüft

Zudem hat die tz erfahren: Die Nachprüfung aller 14 Wiesnzelte ist abgeschlossen. 2017 sind insgesamt 848.000 Euro und 2018 genau 679.000 Euro zu wenig Umsatz angegeben worden. Die Nachforderungen belaufen sich im Jahr 2017 auf Beträge zwischen 875 und 25.000 Euro, zwei Betriebe erhalten aber auch Geld zurück: 76 und 11.200 Euro. Für 2018 gab es Nachforderungen zwischen 18 und 23.400 Euro, drei Betriebe erhalten Gelder zurück: 117 Euro, 17.000 Euro und 19.000 Euro. Das sei alles im üblichen Rahmen, hieß es. 

Oktoberfest: Hölzl ist auch weg

Auch für ein anderes Wiesn-Urgestein ist Schluss: Nach tz-Informationen wird das Café Hölzl nicht mehr zugelassen. Grund ist offenbar die Verurteilung des Großbäckers Johann Hölzl (68), den das Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung mit einer Bewährungsstrafe belegt hat. In seinem Mietshaus hatte in der Nacht auf den 2. November 2016 eine Matratze im Holz-Treppenhaus Feuer gefangen. Die Ursache dafür ist unklar. Bei dem anschließenden Brand waren drei Menschen ums Leben gekommen. 

S. Karowski

Auch interessant

Meistgelesen

Trotz Verbots! Georg D. schleicht sich 130 Mal in die Uni – seine Rechtfertigung ist überraschend 
Trotz Verbots! Georg D. schleicht sich 130 Mal in die Uni – seine Rechtfertigung ist überraschend 
Stammstrecke am Wochenende erneut gesperrt: Fahrgäste müssen Geduld mitbringen
Stammstrecke am Wochenende erneut gesperrt: Fahrgäste müssen Geduld mitbringen
Laden in Toplage steht seit Jahren leer: Unbekannte zeigen mehr als deutlich, wie sehr sie das stört  
Laden in Toplage steht seit Jahren leer: Unbekannte zeigen mehr als deutlich, wie sehr sie das stört  
Polizei verhaftet Hertha-Fan - am Viktualienmarkt hatte er sich tierisch daneben benommen
Polizei verhaftet Hertha-Fan - am Viktualienmarkt hatte er sich tierisch daneben benommen

Kommentare