„Das ist doch ein Schmarrn“

Hackerzelt-Chef schimpft über Dubai-Pläne: „Ich bin ein Wiesn-Wirt, kein Wüsten-Wirt“

Findet das Münchner Oktoberfest 2021 in Dubai statt? Bei den Wiesn-Wirten sorgt der Plan für Ärger, doch deren Sprecher muss über die Idee auch schmunzeln.

München/Dubai - 2020 musste das Münchner Oktoberfest ausfallen. Grund war die anhaltende Corona-Pandemie.* Ob die Wiesn in diesem Jahr stattfinden kann, steht aktuell noch nicht fest. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter* äußerten sich aber bereits skeptisch und dämpften etwaige Hoffnungen. Möglicherweise findet das Oktoberfest aber trotzdem statt - in Dubai. Dafür gibt es bereits konkrete Pläne.

Oktoberfest in Dubai: Stadt München und Wiesn-Chef kritisieren Wüsten-Wiesn

Ein privater Veranstalter will ein Volksfest nach Oktoberfest-Art in Dubai aufziehen - und das sogar noch etwas größes als das Münchner Original. Zu diesen Plänen geht die Stadt München* auf Distanz. Bierfeste gebe es überall, sagte der Münchner Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner am Freitag. Aber: „Es gibt nur ein echtes Oktoberfest, und das ist in München“, sagte Baumgärtner. „Wir werden alle juristischen Möglichkeiten prüfen, um unser Münchner Oktoberfest zu schützen.“ Die Stadt teilte zudem schriftlich mit: „Die jetzt bekannt gewordenen Pläne werden von den Veranstaltern des Events in Dubai weder im Auftrag noch mit Zustimmung der Landeshauptstadt München verfolgt.“

„Ich bin ein Wiesn-Wirt, kein Wüsten-Wirt“: Dubai-Pläne sorgen für Ärger in München

Den Münchner Wiesn-Wirten und den Schaustellern sind bisher keine Kollegen bekannt, die beim Oktoberfest in Dubai dabei sein wollen. „Mir ist keiner bekannt, der hinfährt“, sagte der Vorsitzende des Münchner Schaustellerverbandes, Peter Bausch, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Und Hackerzelt-Chef Toni Roiderer schimpfte bei Merkur.de: „Ich bin ein Wiesn-Wirt, kein Wüsten-Wirt und Bayer, nicht Dubaier. In einem Land, in dem Alkohol verpönt ist, ein Bierfest zu veranstalten, das ist doch ein Schmarrn. Ich würde da niemals mitgehen.“

Der Sprecher der Wiesn-Wirte, Peter Inselkammer, kann über die Idee nur lachen. „Ich kenne keinen Kollegen aus unserem Kreis, der sich daran beteiligen möchten.“ Er sieht die Pläne mehr als Marketing-Gag, als eine Art „Fantasy-Vergnügungspark-Geschichte“, die zwar das „Etikett Wiesn“ trägt, jedoch nichts mit dem Original zu tun hat. Aber: „Ich will mich nicht aufregen, das ist ja keine echte Konkurrenz“, so Inselkammer zu Merkur.de. Das Oktoberfest in Dubai wäre allerdings nicht das erste Bierfest, das unter diesem Namen firmiert. Weltweit gab es nach Schätzungen vor der Pandemie mehr als 2000 Nachahmer. 2020 dürften die meisten wohl ausgefallen sein.

Wiesn-Chef kritisiert Dubai-Pläne und warnt davor, „Geld in der Wüstensonne zu verbrennen“

Baumgärtner sieht wie Söder und Reiter kaum eine realistische Chance auf eine Münchner Wiesn 2021. Das Volksfest nach Dubai zu verlagern sei aber „völlig absurd.“ Zum einen würde das Münchner Flair fehlen, außerdem müssten Klimaanlagen die Zelte kühlen. Allein die Verschiffung von Fahrgeschäften würde „mal schlappe sechs Wochen“ dauern. Zudem seien viele Fahrgeschäfte gar nicht geeignet, um auf sandigem Grund zu stehen. Und schließlich mache Corona nicht vor Dubai halt. „Ich bin gespannt, wer sich da hin traut.“ Er sorge sich auch um Schausteller, die Dubai als Rettungsanker sehen könnten - um am Ende „Geld in der Wüstensonne zu verbrennen“.

Am Donnerstag hatte zunächst die Bild über die Dubai-Pläne berichtet. Nach Angaben der privaten Veranstalter soll die Golf-Ausgabe des Oktoberfests zeitgleich zur dort geplanten Expo-Weltausstellung im Oktober öffnen und bis Ende März 2022 dauern. Ähnlich wie beim Münchner Vorbild wollen die Veranstalter Bierzelte, Fahrgeschäfte und Buden aufbauen lassen.

Geplant sind 620 Betriebe auf 400.000 Quadratmetern. Damit wäre die Wüsten-Wiesn größer als das Original in München. Auf der Theresienwiese umfasst das Volksfest knapp 350.000 Quadratmeter bei rund 550 Betrieben.

Wüsten-Wiesn mitten in Corona-Pandemie? „All das und noch vieles mehr hätte Dubai zu bieten“

„Nicht zuletzt wegen der Pandemie* sind Attribute wie Sommer und Sonne, gesellige Treffen mit Freunden und ein unbeschwertes Freiheitsgefühl der neue Luxus. All das und noch vieles mehr hätte Dubai zu bieten“, teilten die Veranstalter weiter mit. Was das Ganze kosten soll, blieb zunächst offen. Man sei in der Planung, somit gebe es unter anderem hierzu keine Angaben, sagte ein Sprecher am Freitag.

Rund um die Welt ist das Oktoberfest ein Schlager. Die bayerische Gemütlichkeit boomte bereits vor Corona unter Palmen in der Karibik ebenso wie im hohen Norden. Unter anderem in Brasilien, den USA, Japan, Spanien, Russland oder auf Hawaii feierten Menschen Oktoberfeste - oder das, was sie dafür halten. Eines der größten Oktoberfeste mit - vor Corona - 1,5 Millionen Besuchern hat Blumenau in Brasilien. (kam/dpa) *Merkur.de/bayern und *tz.de/muenchen sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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