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„Infektions-Risiko-Ereignis“ Wiesn 2022: Münchner Virus-Experte warnt, ist aber gegen Absage

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Von: Katharina Haase

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Oktoberfest
Beim Auftakt zum Oktoberfest feiern Wiesnbesucher in einem Festzelt. © Sven Hoppe/dpa/Archivbild

Bierrausch im Festzelt und volle Fahrgeschäfte auf dem Oktoberfest. Wenn es nach dem Münchner Infektiologen Christoph Spinner geht, sollte das trotz Corona in diesem Jahr möglich sein.

München - Wird das Oktoberfest nach zweijähriger Corona-Pause 2022 wieder stattfinden? Münchnes Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will zwar erst in den kommenden Tagen eine offizielle Entscheidung darüber fällen.

Wenn es nach dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU*) geht, sollte einer Wiesn 2022 jedoch nichts im Weg stehen. Zumindest äußerte sich der Landesvater auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee sehr zuversichtlich in Bezug auf ein Stattfinden des Oktoberfests in diesem Jahr. Dabei ist er sich ausnahmsweise mal mit seinem Vize-Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger (Freie Wähler) einig. Dieser ließ vor wenigen Tagen in einem Interview verlauten „Das Oktoberfest 2022 muss stattfinden!“.

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Vor allem die Umsetzung bereitet OB Reiter allerdings noch Kopfzerbrechen. Eine Wiesn einfach so - ohne Corona-Auflagen - für viele nicht vorstellbar. Doch wie gefährlich schätzen eigentlich Experten den Bierrausch im Festzelt für die Pandemieausbreitung ein?

Der Münchner Infektiologe Christoph Spinner sieht bei einem möglichen Oktoberfest 2022 durchaus eine gesteigerte Infektionsgefahr. „Wenn die Wiesn so stattfindet, wie wir sie kennen, ist sie natürlich ein Infektions-Risiko-Ereignis“, sagte Spinner der Deutschen Presse-Agentur. Er sehe jedoch keinen Grund, das Oktoberfest wegen Corona erneut abzusagen. Schließlich sei niemand gezwungen, das Volksfest zu besuchen.

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Spinner ist der Pandemiebeauftragte des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München* Für ihn ist der Zenit der Corona-Gefahr überschritten. Zwar sei die Übertragungswahrscheinlichkeit auf der Wiesn mit Sicherheit hoch, dennoch werde man „Schritt für Schritt dahin kommen, dass wir Großveranstaltungen wieder mit gutem Gefühl zulassen können“, so Spinner.

Christoph Spinner, Oberarzt Infektiologie und Pandemiebeauftragter am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Christoph Spinner, Oberarzt Infektiologie und Pandemiebeauftragter am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. © Christian Ohde/imago/Angelika Warmuth/dpa

Die Gefahr an einer Covid19-Erkrankung zu sterben sei inzwischen geringer, als an einer Virusgrippe. Die meisten Patienten, die mit einer Infektion im Krankenhaus lägen, würden vorrangig wegen anderen Erkrankungen behandelt. Die Infektion ist aufgrund der vorgeschriebenen Tests oft nur ein Zufallsbefund.

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Omikron bislang ungefährlich: Münchner Virus-Experte plädiert für die Wiesn - und gibt einen Tipp

Omikron habe bei den meisten einen sehr milden Verlauf, zudem seien die meisten Menschen mittlerweile bereits durch Impfung oder Genesung gut geschützt vor schweren Verläufen. Grundsätzlich, so Spinner, unterstütze er die These, dass man lernen müsse mit dem Virus zu leben. Deshalb müssten auch Großveranstaltungen wieder möglich sein.

Sorge vor einer neuen, gefährlicheren Variante hat Spinner derzeit nicht. Die Pandemie-Lage habe sich nachhaltig geändert, sagte er der dpa. Die Menschen seien auf die Art des Virus nun bereits vorbereitet, die Immunkompetenz höher. Vulnerable Gruppen gelte es zu schützen doch eine Wiesn-Absage sieht Spinner dafür nicht geeignet.

Wer Angst habe, sich auf dem Oktoberfest mit Corona zu infizieren solle wohl besser nicht hingehen, rät der Mediziner. Die sogenannte Wiesn-Grippe - ein erhöhtes Aufkommen grippaler Infekte in München rund um die Zeit des Oktoberfests - habe jedoch auch schon früher die Feierwilligen nicht von einem Wiesnbesuch abhalten können. kah

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