Falsche Erwartungen geweckt?

Dämpfer für Dubai-Wiesn: Landgericht spricht Machtwort, nachdem Stadt sich beschwert

„Oktoberfest goes Dubai“: Damit hätten die Planer falsche Erwartungen geweckt, urteilt das Landgericht München. Die Stadt hatte zuvor einen Antrag gestellt.

Update vom 25.6., 21.59 Uhr: Clemens Baumgärtner (44) könnte man sich in einem Wüstenstaat eher nicht so gut vorstellen. Sein Trachtenjanker, das weiße Hemd und die stattliche Figur: Damit passt der Wirtschaftsreferent der Stadt doch recht gut nach Bayern. Entspannt trat er gestern Mittag auf den Flur des Landgerichts, denn die Stadt München hat einen wichtigen Gerichtsprozess gewonnen. Sie setzte sich mit ihrer einstweiligen Verfügung gegen das geplante Oktoberfest in Dubai durch. Die dortigen Veranstalter hatten im Frühjahr mit dem Slogan „Oktoberfest goes Dubai“ im Internet geworben. Das ist ab sofort aber verboten, urteilte gestern das Landgericht.

Zur Freude von Clemens Baumgärtner. „Es ist nicht das Münchner Oktoberfest – und das wird es auch nie werden“, sagte er über die geplante Wüsten-Wiesn. Deren Veranstalter wollen ab dem 7. Oktober das größte Volksfest der Welt veranstalten. Am Flughafen in Dubai sollen, zeitlich fast parallel zur Weltausstellung Expo, sechs Monate lang 30 Zelte auf rund 400 000 Quadratmetern stehen. Doch schon bei der Bewerbung der Veranstaltung gab es Ärger. Denn durch den Slogan „Oktoberfest goes Dubai“ wurde der falsche Eindruck erweckt, das Münchner Oktoberfest ziehe nach Dubai um. Laut Gericht eine Irreführung.

„Es gibt nur ein Original-Oktoberfest“

„Ich freue mich über das Urteil, denn es gibt nur ein Original-Oktoberfest, und das findet in München statt und wird keine neue Heimat in der Wüste finden“, sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter.

„Schäbig“ nannte Baumgärtner Versuche, den Ausfall des Oktoberfests anderswo zum Geldverdienen zu nutzen. „Das Urteil ist eine klare Warnung an alle, die versuchen, den Wert und den Kern unserer Marke für ihren eigenen Profit auszubeuten.“

Auch die Verwendung von Bildern oder Wörtern, die eine Verknüpfung mit dem Original suggerieren oder Münchner Motive – etwa Riesenrad oder Frauenkirche – darstellen, sind den Organisatoren untersagt. Ihnen drohte das Gericht bei Verstößen gestern eine Strafe von 250 000 Euro oder sechs Monaten Haft an. Es ist eine Watschn für die Wüsten-Wiesn.

Zu den Veranstaltern gehört auch der Münchner Schausteller Charles Blume. Doch selbst das Landgericht hat seine Zweifel an der Veranstaltung. „Kurios, dass ausgerechnet ein Bierfest in einem muslimischen Land stattfinden soll“, sagte Richter Dr. Georg Werner. Er folgte überwiegend der Argumentation der Stadt München. Der Name Oktoberfest Dubai ist weiterhin erlaubt, auch für Werbung. Die bisherige Dubai-Reklame bediente sich aber am Weltruf der Wiesn in München, stellte das Landgericht fest – und watschte die Veranstalter der Dubai-Wiesn auch dafür ab. Das Verbot gilt allerdings nur in Deutschland.

Dämpfer für Dubai-Wiesn: Landgericht spricht Machtwort, nachdem Stadt sich beschwert

Meldung vom 25. Juni, 14.21 Uhr: München - Die Veranstalter eines geplanten „Oktoberfests“ in Dubai dürfen nicht mehr mit Anspielungen auf das Münchner Original für ihr Event werben.

Oktoberfest in Dubai? Landgericht spricht Reklame-Machtwort

Mit Formulierungen wie „Oktoberfest goes Dubai“ hätten sie den falschen Eindruck erweckt, das Traditionsfest ziehe in diesem Jahr in das arabische Emirat um, entschied das Landgericht München I am Freitag (25. Juni). Diese Art der Reklame bediene sich am Weltruf der Wiesn in der bayerischen Landeshauptstadt.

Die Richter gaben damit dem Antrag der Stadt München auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen die Veranstalter, den Schausteller Charles Blume und den früheren Münchner Gastronom Dirk Ippen, statt. Die Klageseite hatte argumentiert, bei der Werbung handle es sich um eine Irreführung, die gegen das Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb verstoße.

Wiesn in München fällt wegen Corona erneut aus

Die Anwälte der Gegenseite bestritten hingegen, dass die Werbung sich explizit auf das Fest in München bezieht. Das Oktoberfest in München* fällt wegen der Covid-19-Pandemie in diesem Jahr zum zweiten Mal aus.

Das Urteil verbietet entsprechende Werbung lediglich in Deutschland. Gegen die Entscheidung kann Berufung eingelegt werden. (dpa) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Felix Hörhager/dpa

Auch interessant

Kommentare