Olympia 2018: Auch Garmisch sagt Ja

München - Nach dem Münchner Stadtrat und dem bayerischen Kabinett hat am Mittwoch auch der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen Ja zur Olympiabewerbung gesagt. Geschätzte Kosten für die öffentliche Hand: bis zu 1,8 Milliarden Euro.

Bayerns Staatsregierung und die betroffenen Kommunen haben am Mittwoch den Weg für die Olympia-Bewerbung 2018 geebnet. Die Staatsregierung beschloss den Olympia-Gesetzentwurf. Am selben Tag votierten auch der Münchner Stadtrat mit über 90 Prozent Mehrheit und der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen mit 25:6 Stimmen für die Bewerbung. Die Entscheidung über die Winterspiele in gut sieben Jahren fällt im nächsten Sommer.

Am 6. Juli 2011 entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) über die Bewerbung. Konkurrenten sind Annecy in Frankreich und Pyeongchang in Südkorea, das bereits zwei gescheiterte Bewerbungen hinter sich hat. Nach den bisherigen Berechnungen würden Olympische Winterspiele den Freistaat und die Landeshauptstadt jeweils etwa 200 Millionen Euro kosten.

Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) und der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) verteidigten die Bewerbung parteiübergreifend gegen die Kritik der Olympia-Gegner. “Wir sehen die Risiken, aber die Chancen sind viel größer“, sagte Schneider. Die Gesamtkosten bayerischer Winterspiele würden sich nach Schätzungen sogar auf bis zu 3 Milliarden Euro belaufen. Davon sollen 1,3 Milliarden Euro Kosten des Organisationskomitees ohne Belastung der Allgemeinheit finanziert werden - durch Fernsehgebühren, IOC- Zuschüsse etc.

Die öffentliche Hand - im wesentlichen der Bund, das Land Bayern und die Stadt München - müsste ihrerseits etwa 1,35 bis 1,84 Milliarden Euro ausgeben, wie aus der Mitteilung der Staatskanzlei hervorgeht. Davon mitfinanziert würden unter anderem neue Straßen, die Modernisierung der Bahnstrecke von München nach Garmisch, zwei neue Sporthallen in München, das sogenannte Mediendorf mit Wohnungen für die aus aller Welt anreisenden Journalisten sowie zwei Pressezentren in München und Murnau a. Staffelsee.

Am 14. Oktober kommt der Olympia-Gesetzentwurf in den Landtag. Für Bauten plant die Staatsregierung 160 Millionen Euro ein. 100 Millionen soll allein die Münchner Journalistensiedlung kosten. Die geplanten 1300 neuen Wohnungen kommen anschließend dem Münchner Wohnungsmarkt zugute, wie Rathaussprecher Stefan Hauf sagte. Vor dem Rathaus demonstrierten während der Stadtratsdebatte Olympia-Gegner. Die Stadt München rechnet nach den Angaben mit eigenen Kosten von etwa 209 Millionen Euro. Am Abend ebnete auch der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen den Weg zur Olympiabewerbung. Das Gremium stimmte nach teils kontroverser Debatte mit 25:6 Stimmen für das endgültige Bewerbungsbuch, das sogenannte Bid Book.

Die in Sachen Olympia gespaltene Gemeinde hatte ihr ursprüngliches Konzept zuvor deutlich abgespeckt, da etliche Grundstücksbesitzer - vor allem Landwirte - ihre Flächen für die Zeit der Spiele nicht zur Verfügung stellen. In dem knapp 28 000 Einwohner zählenden Wintersportort zu Füßen der Zugspitze würden im Falle des Zuschlags die Ski-Wettbewerbe stattfinden. Die Olympia-Gegner argumentieren, dass die Kosten viel zu hoch sind und ausschließlich das IOC von den Spielen profitiert. Denn es erzielt rasant wachsende Fernseheinnahmen, wälzt aber die finanziellen Risiken auf die örtlichen Veranstalter ab - was die Kritiker als Knebelverträge geißeln. In München stehen die Grünen nun vor einer Belastungsprobe: Die Basis lehnt die Olympia-Bewerbung ab, doch die Grünen-Stadträte stimmten am Mittwoch geschlossen dafür. Nur die Linke und drei einzelne Stadträte waren nach Rathausangaben gegen Olympia. Ude sprach von einem sensationellen Ergebnis und erklärte nach Angaben seines Sprechers: “Ich würde mir wünschen, dass München wieder mit der weltumspannenden und völkerverbindenden Idee der Olympischen Spiele in Verbindung gebracht wird und nicht mit dem Genörgel der Gegner.“

dpa

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