Olympia 2018: Platzt das ­Bürgerbegehren?

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Bürgerbegehren als Rohrkrepierer: Geht den Olympia-Gegnern jetzt die Kraft aus?

München - Die Kritiker der Bewerbung plagen überraschend große „Personal-Probleme“. Und jetzt hat auch Rauchverbot-Initiator Sebastian Frankenberger seine Finger im Spiel.

Das dramatische Tauziehen um Olympia 2018 – geht den Gegner langsam die Luft aus? In dieser Woche wollten sie eigentlich ihr Bürgerbegehren gegen die Bewerbung auf den Weg bringen. Doch die Initiatoren haben mehr Mühe als gedacht, offizielle Repräsentanten für den von ihnen heiß ersehnten Volksaufstand zu gewinnen. Dies sei im Junior-Partnerort Garmisch-Partenkirchen „wahnsinnig schwierig“, räumte der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Axel Doering, im tz-Gespräch ein: „Im Moment hängt alles in der Luft. Das ist schon ernüchternd.“

Als Grund für die „Personalprobleme“ nannte Doering das vergiftete Klima im Alpspitz-Ort (siehe Artikel oben). Viele Olympia-Gegner fürchten Anfeindungen aus der Bevölkerung und Repressalien, falls sie ein Bürgerbegehren mit ihrem Namen öffentlich unterstützen würden. „Diese Menschen haben Angst“, so Doering. Auch in juristischer Hinsicht scheinen die Olympia-Kritiker – anders als noch vor einer Woche – inzwischen größere Bedenken zu plagen.

Die Suche nach einer verständlichen Frage

Der Knackpunkt: Sie müssten in ihrem Antragstext eine Formulierung finden, die einer rechtlichen Überprüfung standhalten würde. So dürfte die Fragestellung bei einem potenziellen Bürgerentscheid bestehende Olympia-Verträge, die die Marktgemeinde bereits unterzeichnet hat, nicht gefährden. Dies hinzubekommen, sei alles andere als leicht, erläuterte Doering: „Schließlich brauchen wir ja auch eine verständliche Frage, die sich den Bürgern leicht vermitteln lässt.“ Optimismus hört sich anders an. Umso eifriger rühren die Unterstützer der oberbayerischen Bewerbung die Werbetrommel: Der Verein „Garmisch-Partenkirchen OlympiJA 2018“ meldete mit 600 Mitgliedern einen neuen Rekord. Alle hätten sich bereit erklärt, mit einem symbolischen Betrag von jeweils zehn Euro für Olympia zu bürgen, teilte der Vorstand mit. Ihm gehören neben den Wintersport-Legenden Christian Neureuther und Franz Reindl auch der Leiter des Garmischer Olympia-Stützpunkts, Heinz Mohr, sowie Kreissparkassen-Chef Georg Fink an.

Ihre Botschaft: „Nur negative Stimmung wegen Olympia in Garmisch? Von wegen! Unser Verein ist der Beweis dafür, dass viele Menschen aus dem Werdenfelser Land hinter der Bewerbung stehen!“ Haben die Olympia-Kritiker noch etwas entgegenzusetzen? Axel Doering will die Hoffnung auf den Bürgerentscheid nicht aufgeben: „Ich bin nach wie vor dafür.“ Seine Mitstreiter auch?

Andreas Beez

Streit in Garmisch immer bizarrer

Jetzt geht im Garmischer Olympia-Zoff vollends der Rauch auf: Sebastian Frankenberger, Bayerns oberster Glimmstengel-Gegner, will nun sozusagen auch die olympische Flamme austreten. Dazu stapfte er gestern bei einem Fototermin mit Langlaufskiern über eine (noch) grasgrüne Werdenfelser Wiese – um festzustellen: „Hier gibt es keine hundertprozentige Nachhaltigkeit!“

Seine messerscharfe Analyse: Olympischer Langlauf mache hier – vorm staatlichen Hofgut Schwaiganger – keinen Sinn. Was viele Einheimische allerdings mit Kopfschütteln quittierten: „So ein Kaschperltheater“, redete sich ein Bauer in Rage. „Wenn kein Schnee liegt, geht’s nirgends gut zum Skifahren.“

Morddrohungen gegen Grundbesitzer

Der Olympia-Streit wird immer bizzarer – und offenbar sogar hochkriminell. So sollen jetzt auch Grundbesitzer, die ihre Flächen nicht für die Spiele freigeben wollen, Morddrohungen erhalten haben, sagte ihr Anwalt Ludwig Seitz der tz. Ein entsprechender, handgeschriebener Brief sei Anfang Januar an den früheren Chef der Weidegenossenschaft, Ignaz Streitel, geschickt worden. In dem Pamphlet habe der Verfasser zudem Brandanschläge angekündigt: „Ja, das stimmt, man will uns einschüchtern“, bestätigte Streitel. Inzwischen habe die Kripo das Schreiben in seiner Münchner Kanzlei abgeholt und zur Spurensicherung an das LKA weitergeleitet, berichtet Anwalt Seitz. Heftige Debatten entfacht in Garmisch auch ein „Boykottaufruf“ gegen einen renommierten Einzelhändler: Er hatte versucht, im Streit zu vermitteln – was militante Olympia-Gegner als „Verrat an der Heimat“ geißeln.

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