DWD geht auf Alarmstufe Rot: Amtliche Unwetterwarnung vor schwerem Gewitter in Bayern

DWD geht auf Alarmstufe Rot: Amtliche Unwetterwarnung vor schwerem Gewitter in Bayern

tz-Interview mit OB Christian Ude, Teil 3

Olympia 2018 wäre ein großer Wurf für München

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OB Christian Ude blickt per Fernglas in die Ferne. Was bringt die Zukunft für München?

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Charlotte Knobloch war nicht im Hause, aber sie hat erlaubt, dass OB Christian Ude und tz-Rathausreporterin Barbara Wimmer die Terrasse auf dem Jüdischen Gemeindezentrum betreten.

So sieht also das irdische Paradies aus – im Herzen der Stadt und über ihren Dächern! Bunte Blumenwiesen säumen die Terrassenfläche, die teils mit großformatigen, hellen Steinplatten belegt sind, teils mit Kies. Der Blick ist frei auf die golden glänzenden Davidsterne der Synagoge, auf das mächtige Dach des Stadtmuseums, auf den Alten Peter dahinter, das Rathaus und die Frauentürme.

Lange hat Ude sich für das Jüdische Zentrum eingesetzt, das Finanzierungsmodell mit erfunden, den Bau begleitet. Die Stadt steuerte für das Projekt das Grundstück und das Jüdische Museum bei. Es gab viele feierliche, ja ergreifende Veranstaltungen, etwa die Grundsteinlegung und die Einweihung der Synagoge. Da war es eine unbeschwert heitere Abwechslung, hoch über dem Jakobsplatz einfach mal eine ruhige Boule-Kugel zu schieben. Dann führte das Interview zu anderen Projekten und Problemen der Stadtpolitik.

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Wäre die Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken wie Ohu eine Option, um mehr Zeit für die Entwicklung regenerativer Energiequellen zu haben?

Ude:Die Entscheidung der Bundespolitik zum Atomausstieg, übrigens im Einvernehmen mit den Energieversorgern, war die richtige Weichenstellung. Sie müsste aber durch eine Verfassungsbestimmung gesichert werden. Dann hätte man die Garantie, dass er von künftigen Wahlen unabhängig ist und nicht mehr zur Debatte steht. Nur unter dieser Bedingung könnte ich mir, wie der frühere Umweltminister Erhard Eppler, eine Laufzeit-Verlängerung der leistungsfähigen neueren Reaktoren vorstellen.

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Das große München-Quiz

Nach einer Verschnaufpause für Mieter steigen die Preise wieder kräftig. Kann die Stadt nicht mehr für den Wohnungsbau unternehmen?

Ude: München boomt wieder, das führt natürlich zu einem starken Zuzug, wie immer die Kehrseite einer guten wirtschaftlichen Lage. Was ist zu tun? Man kann den Wohnungsbau ankurbeln, und da hat die Stadt ein reines Gewissen. Wir stecken 625 Millionen Euro in fünf Jahren in den Wohnungsbau. Das ist das größte kommunale Wohnungsbauprogramm, das es in Deutschland gibt. Aber der private Wohnungsbau ist weitgehend zusammengebrochen.

Warum gibt‘s kein Interesse, in Wohnungsbau zu investieren?

Ude: Das hängt mit fehlenden steuerlichen Anreizen zusammen, aber auch mit der Fehlentscheidung großer Konzerne, sich aus dem Immobilienbesitz zurückzuziehen: Er bringt ihnen nicht genug Rendite. Später klagen die selben Unternehmen darüber, sie fänden für ihre Arbeitskräfte keinen neuen Wohnraum mehr. Viele von diesen Unternehmen haben ihr Geld auf dem US-Immobilienmarkt angelegt, wo sie totale Pleiten erlitten haben. Man soll die Geldgier nicht auf die Spitze treiben,

Obwohl die Arbeitslosenquote relativ niedrig ist, wächst die Armut in München. Wie ist das zu erklären?

Ude: Die Armut hat auch viel mit Zuwanderung zu tun. Ein Teil der besonders Armen ist nicht wegen fehlender Bildungsangebote oder fehlender Sozialleistungen in München in die Armut geraten, sondern erst in den letzten Jahren aus ungleich ärmeren Regionen nach München gekommen.

Was tut die Stadt?

Ude: Ich halte die städtische Sozialpolitik insgesamt für eine einzige Antwort auf das Armuts­phänomen. Wir geben jedes Jahr eine Milliarde Euro für den sozialen Ausgleich und die Armutsbekämpfung aus, das ist bundesweit einmalig.

Trotzdem hört man von Kindern, die nicht richtig oder ausreichend ernährt werden.

Ude: Auch, um die ausreichende Ernährung von Kindern sicherzustellen, gibt es Programme, bei denen auch private Sponsoren eine Rolle spielen. Ich habe im Zusammenhang mit der 850-Jahr-Feier gemeinsam mit der evangelischen Regionalbischöfin zu einer Kampagne aufgerufen, die im Herbst starten wird: Dass allen bedürftigen Kindern ein warmer Mittagstisch ermöglicht wird.

Was kann außer der Versorgung mit Essen getan werden?

Ude: Die Schlüssel liegen bei der Ausbildung. Manche Kinder haben von vornherein eine Armutskarriere vor sich: weil sie keinen Kindergarten besuchen, wo sie Deutsch lernen könnten, weil sie deshalb in der Schule schlechter mitkommen, weil sie keinen Abschluss schaffen und dann Probleme bei der Lehrstellensuche haben und allenfalls einen Billigjob finden. Diese Karrieren muss man von Anfang an so steuern, dass es Aufstiegschancen gibt.

Bei der Schuleinschreibung stellte sich heraus, dass die ­Realschulplätze nicht ausreichen, weil die Stadt vor einigen Jahren die Zahl ihrer Eingangsklassen reduziert hat.

Ude: Die Verantwortung für das Schulwesen liegt beim Freistaat. Er unterhält aber in München nur drei Realschulen, die Stadt München hingegen 20. Der Freistaat ist nicht einmal bereit, den bayerischen Schulstädten die Kosten des Lehrpersonals angemessen zu erstatten, was er bei jeder Privatschule tut. Jetzt fordert die CSU die Stadt auf, ihre freiwilligen Leistungen noch auszubauen! Es gibt kein Thema, bei dem die CSU als regierende Partei mehr Anlass hätte, ganz schamhaft zu schweigen.

Erwarten Sie, wie der Kämmerer, schlechtere Zeiten mit weniger üppigen Einnahmen aus der Gewerbesteuer?

Ude: Leider ja. Wir hatten 2007 ein Rekordniveau und können es dieses Jahr wahrscheinlich halten. Es wäre aber weltfremd anzunehmen, ausgerechnet jetzt würde erstmals der immerwährende Aufschwung gelingen. Wenn man sich die Krisenphänomene allein auf dem amerikanischen Immobilienmarkt anschaut, die ja auf das internationale Kreditwesen durchschlagen, ist das völlig ausgeschlossen.

In den nächsten Jahren wird sich herausstellen, ob München und Partner die Olympischen Winterspiele 2018 bekommen. Welche Kosten kommen auf die Stadt zu, sollte sie den Zuschlag bekommen?

Ude: Alle Investitionen, die wir für Olympia tätigen werden, sind für die ganze große Region München ein Gewinn. Wenn wir z. B. ein Olympisches Dorf oder ein Mediendorf bauen, ist das bitter benötigter Wohnraum. Es würde allerdings auch einzelne Sportstätten geben, die wir nicht wieder jahrzehntelang nacholympisch nutzen können, sondern vielleicht nach den Spielen wieder abbauen müssen. Ich kann aber heute noch nicht sagen, um wie viele Einrichtungen mit welchem Kostenaufwand es sich handelt. Dem steht aber auf jeden Fall der weltweite Schub gegenüber, den eine Olympiastadt verzeichnen kann.

Wo könnten olympische Einrichtungen entstehen?

Ude: Natürlich fällt der erste Blick auf den Olympiapark und seine Umgebung. Im Park gibt es Bauten, die keine Ewigkeitsgarantie haben, z. B. das Ex-Radstadion. In der Nähe stehen das Gelände der Luitpoldkaserne, das Gelände der Bundesvermögensverwaltung an der Dachauer Straße oder die Bayernkaserne zur Verfügung. Auch auf der Messe könnten Einrichtungen untergebracht werden: Dort war ja schon das WM-Medienzentrum.

Eine Verschandelung des Olympiazentrums befürchten Sie nicht?

Ude: In München, wo seit dreieinhalb Jahrzehnten die olympische Architektur vorbildlich erhalten wird, muss man sich da die geringsten Sorgen machen. Der Olympiapark aber ist nicht nur ein Park und nicht nur ein Architekturmuseum, sondern er ist auch die größte Veranstaltungsstätte der Stadt mit Einrichtungen, die teilweise für tausende, teilweise für zehntausende Menschen angelegt sind. Solche Veranstaltungsstätten müssen mit der Zeit gehen, wenn sie nicht irgendwann abstoßende Planungsruinen sein sollen.

Sie reisen nach Peking, um beim IOC für die Münchner Olympiapläne zu werben. Welche Gefühle beschleichen Sie, wenn Sie an die Menschenrechtssituation in Tibet und in ganz China denken, und an die eingeschränkte Pressefreiheit?

Ude: Über 50 Länder sind in Kriege verwickelt und Milliarden Menschen leben in Unfreiheit und Not. Sollen wir deshalb die Brücken zu einem Großteil der Welt abbrechen? Olympische Spiele sind kein Allheilmittel, aber doch die Chance, sich wenigstens in der Welt des Sports auf Ideale und Regeln zu verständigen. Sie bieten die Möglichkeit zu Dialog und Austausch. Die Kritiker von Missständen in China haben nie so viel internationale Aufmerksamkeit gefunden wie jetzt; gegen die Umweltbelastung wurde nie so viel getan wie in den letzten Monaten. Es wäre nicht fair, wenn unsere gesamte Gesellschaft China als Markt nutzen möchte und nur von den Sportlern erwartet, dass sie um der Menschenrechte willen Türen zuschlagen. Aber die Probleme müssen angesprochen werden, um auf Verbesserungen hinzuwirken. Nur weil ich Kontakte zu Bürgermeistern in China habe, konnte ich dort unsere Erwartungen vortragen. Das werde ich weiterhin tun.

Wie ist denn Ihr Verhältnis zum FC Bayern und zu Karl-Heinz Rummenigge?

Ude: Also, ich habe kein Problem mit dem FC, aber vielleicht er mit mir. Ich habe achtmal an einer Meisterfeier teilgenommen, um mich geduldig als Löwenfan auspfeifen zu lassen, was ich aber sportlich nehme. Ich habe den FCB auch schon zu Auswärtsspielen begleitet. Nie wurde dem besondere Aufmerksamkeit zugewandt. In diesem Jahr fiel die Meisterfeier mitten in meine Ferien und da erwartete der FCB allen Ernstes, dass ich meinen Urlaub um mehrere Tage unterbreche, nur um mich fünf Minuten lang auspfeifen zu lassen. Herrn Rummenigges Beschimpfungen betrachte ich als persönlichen Ausrutscher. Dem FCB hat das nicht gut getan, aber ich konnte das Thema inzwischen in mein Kabarettprogramm einbauen.

Wie beurteilen Sie die Situation bei den Löwen?

Ude: Sehr viel besser als Uli Hoeneß glaubte, als er zur Abwahl des OB aufrief. Durch nichts hätte er meine Stellung bei den Sechzgern mehr festigen können als mit seinem Ruf: „Der Ude muss weg.“ Da hat er seine Strahlkraft auf die Löwen etwas überschätzt. Sechzig hatte schwere Konflikte, vor allem zwischen Präsidenten und Finanzvorstand, für die Fans kaum zu ertragen und für die Öffentlichkeit kaum zu verstehen. Franz Maget hat es aber als Vizepräsident geschafft, personelle Neuerungen durchzusetzen, die dem Verein sichtlich gut tun. Die Erfolge gerade der Jungen zeigen, wie gut die Nachwuchsarbeit ist und welche Potenziale bei Sechzig vorhanden sind. Ich hoffe wirklich, dass es aufwärts geht und dass sie bei ihrer 150-Jahr-Feier 2010 in der ersten Bundesliga spielen.

Die Sendlinger Moschee ist auch nach den Veränderungen umstritten. Will der Türkisch-islamische Moscheeverein Ditim denn noch bauen?

Ude: Bei der Münchner Ditim bin ich fest davon überzeugt, dass sie noch bauen will. Sie bekommt auch in der Nachbarschaft immer mehr Zustimmung für das Projekt. Die Frage ist vielmehr, wie der türkische Staat sich angesichts des Verfassungskonfliktes in Zukunft im Hinblick auf religiöse Bauvorhaben verhalten wird und welche Wege die Ditip, der Dachverband in Köln, einschlägt. Das ist aber jetzt noch nicht abzuschätzen.

Es ist also möglich, dass die Bemühungen auf der einen und der Aufruhr auf der anderen um die Moschee umsonst waren?

Ude: Jedes Bauvorhaben steht und fällt damit, dass der Bauwerber auch an seinem Vorhaben interessiert bleibt. Ich habe schon öfter erlebt, dass ich für Bebauungspläne für Münchner Großunternehmen, das allergrößte war Siemens, gefochten habe. Plötzlich sagt dann das Unternehmen: April, April, wir wollen gar nicht mehr. Bei dem Moscheevorhaben habe ich aber den Eindruck, dass es eine immer breitere Zustimmung gibt, dass sich auch die CSU damit abgefunden hat. Außerdem: Die Parteien, die erklärtermaßen den Moscheebau befürworten, haben auch in Sendling eine Dreiviertel-Mehrheit bekommen.

Haben Sie noch Ehrgeiz beim Anzapfen auf der Wiesn?

Ude: Auf jeden Fall! Nicht unbedingt in diesem Jahr, aber irgendwann in meiner letzten Amtszeit muss ich nochmal die zwei Schläge schaffen.

Quelle: tz

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