Katharina Trost im Interview

„Sehe mich nicht als Influencer“: Münchner Athletin verrät Olympia-Pläne - Corona durchkreuzt einige

Kathi Trost in Doha
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Katharina Trost hat sich mit einem furiosen Auftritt für die Olympischen Sommerspiele in Tokio qualifiziert.

Katharina Trost lebt den Olympia-Traum. Die 26-jährige Leichtathletin hat sich für die Sommerspiele in Tokio qualifiziert. Im Interview gibt sie einen Ausblick auf das anstehende Karriere-Highlight.

München - 1:58,68 Minuten zeigte die Uhr im Ziel. Für Katharina Trost (26) die persönliche Bestleistung über 800 Meter. Nicht nur das: Mit ihrem furiosem Auftritt im polnischen Chorzów hat sich die Athletin der LG Stadtwerke München* für die Olympischen Sommerspiele in Tokio qualifiziert. Im Interview spricht die gebürtige Freilassingerin über ihre Ziele beim Saison-Highlight, die japanische Corona-Blase und ihr gespaltenes Verhältnis zu den sozialen Netzwerken.

Neue persönliche Bestzeit und damit die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele in Tokio*: Haben Sie schon richtig begriffen, was Ihnen da gelungen ist?

Katharina Trost: Tatsächlich ist es noch nicht so ganz zu mir durchgedrungen. Ich habe mich im Ziel natürlich erst einmal wahnsinnig gefreut, aber begreifen konnte ich es nicht. Mittlerweile habe ich realisiert, dass ich mich für Olympia qualifiziert habe. Auch wenn ich mir die Norm davor zugetraut hatte, habe ich nicht unbedingt mit einer so schnellen Zeit gerechnet.

Wie sieht jetzt die weitere Vorbereitung auf das Saison-Highlight aus?

Wir haben nochmal zwei Wochen intensiver in München trainiert. Am Dienstag geht es dann nach Japan. Zunächst zur Anpassung ins Vorbereitungstrainingslager und dann nach Tokio.

Die 26-jährige Mittelstreckenläuferin (hier im Münchner Olympiastadion) startet für die LG Stadtwerke.

Für Olympia 2021 qualifiziert: Katharina Trost will ins Halbfinale

Was rechnen Sie sich aus?

Mein Ziel ist das Halbfinale. Dort werden die Karten neu gemischt. Bei Meisterschaften braucht man immer auch ein bisschen Glück bei der Zusammensetzung der Läufe. Man weiß ja nie, was die Konkurrentinnen machen. Meine neue Bestzeit hat mich jetzt allerdings noch selbstbewusster gemacht. Ich habe gut trainiert und denke, ich bin auf alle Rennverläufe vorbereitet.

Japan hat ja auch kulturell einiges zu bieten: Ein kleiner Wermutstropfen, dass man das wegen der Corona-Beschränkungen nicht ganz so gut genießen kann?

Ja, das auf jeden Fall. Ich hätte mir gerne die Stadt angeschaut und die Möglichkeiten gehabt, die Kultur kennenzulernen. Gerade ist das natürlich schwierig. Wenn so viele Menschen zusammentreffen, muss man gewisse Hygieneregeln einhalten. Deshalb verstehe ich, dass diese besonders streng sein werden.

Ich hätte mir gerne die Stadt angeschaut und die Möglichkeiten gehabt, die Kultur kennenzulernen.

Corona macht Katharina Trost einen Strich durch die Rechnung

Sie sind nebenbei auch als Lehrkraft im Landkreis Fürstenfeldbruck tätig. Wissen Ihre Schüler schon, dass es für Sie bald ernst wird?

Oh ja, die meisten wissen das. Ich werde dort wirklich wahnsinnig unterstützt und bin sehr froh, dass das so gut klappt. Ich war dieses Jahr nur in Teilzeit angestellt und werde im Herbst dann ins Referendariat starten.

Athletin aus München über ihr gespaltenes Verhältnis zu sozialen Medien

Die Leichtathletik steht in München nicht ganz so im Fokus wie andere Sportarten. Wie wichtig ist es auch deshalb, Fans über soziale Netzwerke (Trosts Instagram-Kanal haben rund 7.500 User abonniert; d.Red.) zu versorgen?

Ich bin da zweigeteilter Meinung. Einerseits läuft mittlerweile natürlich viel über die sozialen Medien. Sie sind wichtig für Sponsoren, man kann Einblicke ins Training geben und mit anderen kommunizieren. Ich freue mich beispielsweise immer über die vielen lieben Nachrichten vor bzw. nach Wettkämpfen. Mein Fokus ist jedoch der Sport, ich sehe mich nicht als Influencer und finde es auch erschreckend, wie viel Raum die sozialen Medien in unserem Leben oft einnehmen. Deswegen bin auch niemand, der regelmäßig postet und beschränke mich, wenn, fast ausschließlich auf den sportlichen Aspekt.

Haben Sie Angst, sich jetzt kurz vor dem Saison-Highlight noch mit dem Coronavirus* zu infizieren?

Man ist natürlich vorsichtiger, aber ich bin auch schon seit ein paar Monaten geimpft. Vor allem in meinem Beruf und auf Wettkampfreisen gibt mir das mehr Sicherheit.

Angst vor Lagerkoller bei Olympia 2021? „Wir sind ja nicht ewig weg“

Während der Olympischen Spiele werden Sie und die anderen Sportler in einer Art ‘Bubble‘ isoliert. Jetzt schon Angst vor Lagerkoller?

Das habe ich tatsächlich überhaupt nicht. Wir werden zunächst in einem Vorbereitungstrainingslager sein und erst wenige Tage vor den Wettkämpfen nach Tokio reisen. Zwischen den Läufen ist man sowieso damit beschäftigt sich zu regenerieren und auf das nächste Rennen vorzubereiten. Außerdem sind wir ja auch nicht ewig weg, sondern nur zwei Wochen. (lks) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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