"Olympia lebt von der Seele"

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Gemeinsam für München 2018: IOC-Vizepräsident Thomas Bach und die Vorsitzende des Münchner Olympia-Bewerbungskuratoriums, Katarina Witt.

München - München 2018 ist bereit für den fünftägigen Besuch der IOC-Prüfer, sagt DOSB-Präsident Thomas Bach. Auch in Garmisch-Partenkirchen soll es Fortschritte geben. Das Interview:

Bis Freitag wird die Evaluierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die Olympia-Tauglichkeit Münchens im Dreikampf um die Winterspiele 2018 unter die Lupe nehmen. “Wir sind bereit und wir sind heiß“, sagte der deutsche Ober-Olympier Thomas Bach am Montag in München. Die Bewerbungsgesellschaft meldete eine Wiederaufnahme der Gespräche mit einem Bauern in Garmisch-Partenkirchen, der bisher sein Grundstück im Ziel der olympischen Abfahrt für die Spiele nicht zur Verfügung stellen wollte. 

Bach war selbst zweimal Vorsitzender einer Evaluierungskomission; für 2002, als die Winterspiele nach Salt Lake City vergeben wurden, sowie für 2004, als Athen den Zuschlag für die Sommerspiele erhielt.

Herr Bach, wie wichtig ist im Wettbewerb Münchens mit Peyongchang und Annecy der Evaluierungsbericht für die Wahl des Olympiaortes 2018. Das IOC hat in der jüngeren Vergangenheit bekanntlich nicht immer für den Bewerber votiert, der die besten Prüfungsnoten erhalten hatte?

Bach: “Der Evaluierungsbericht ist ein ganz wichtiger Baustein, aber nicht allein entscheidend. Jedes IOC-Mitglied muss seine eigene Entscheidung treffen. Dabei können etwa geopolitische Interessen eine Rolle spielen. Am Ende könnte es bei der Vergabe 2018 auf eine Grundsatzentscheidung hinauslaufen, ob man mit Olympischen Spielen immer wieder in neue Regionen geht, wie zuletzt mit Sotschi 2014 und Rio de Janeiro 2016. Oder ist es an der Zeit, Kraft zu tanken, um sich später wieder neuen Regionen zu öffnen. Olympia lebt nicht nur von Technik, sondern von der Seele. Olympia braucht Emotionen, Atmosphäre, die Athleten die Möglichkeit gibt, das Beste aus sich herauszuholen.“

Was hat für Sie - und Ihre Kommissionen - bei den Besuchen der Bewerberstädte für 2002 und 2004 besonders gezählt?

Bach: “Wir haben am meisten darauf geachtet, ob die Bid-Komitees in den Positionen des IOC und der Athleten gedacht haben oder eine Kandidatur eher nach den eigenen Interessen ausgerichtet war. Technische Kleinigkeiten spielen dagegen sieben Jahre vor einem Ereignis nicht so eine Rolle. Ein Beispiel: Bei einer delikaten Sache wie dem Aspekt Sicherheit können Sie nicht erwarten, dass man sieben Jahre vorher ein exaktes Sicherheitskonzept vorlegen kann. Aber Sie bekommen ein Gefühl dafür, ob der Bewerber diese Sache verstanden hat. Dann muss das nicht im Detail ausgearbeitet sein.“

Welche Bedeutung hat der Zuspruch der Öffentlichkeit im Land des jeweiligen Bewerbers?

Bach: “Der Zuspruch der Menschen ist immer wichtig. Das IOC schickt die Athleten nur dahin, wo sie auch willkommen sind.“

dpa

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