Olympia: DAV droht mit Ausstieg

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Zerbricht das Bündnis für die Olympischen Winterspiele 2018 in München? Der mächtige Deutsche Alpenverein droht mit dem Ausstieg aus der Bewerbung: Die Pläne seien nicht ökologisch genug!

München - Die Stadt München bewirbt sich um Olympia 2018 nicht zuletzt mit dem Argument, besonders umweltverträgliche Winterspiele ausrichten zu wollen.

Doch der Deutsche Alpenverein (DAV) hat Zweifel, ob dieser Anspruch ernst gemeint ist. Bislang sitzt der DAV im Aufsichtsrat und in der Fachkommission Umwelt der Bewerbungsgesellschaft. Doch DAV-Präsident Heinz Röhle stellte am Montagabend klar: „Unsere dauerhafte Mitarbeit ist an einige Forderungen gebunden.“

In der Brust des Alpenvereins schlagen zwei Herzen: Als Sportverband steht er Olympischen Spielen grundsätzlich positiv gegenüber. Andererseits ist der DAV ein Umweltschutzverband und nimmt als solcher das erklärte Ziel nachhaltiger Spiele besonders ernst. Röhle kritisiert, dass der derzeitige Sachstand beim Umweltkonzept „nicht ausreichend“ sei. So sei das im November beschlossene Eckpunktepapier für die Bewerbung „eine recht gute Absichtserklärung, aber noch nicht konkret genug“.

Wunderschön: München bei Föhn

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Unter anderem müsse geklärt werden, woher das Wasser für die Beschneiung der nordischen Sportstätten in Oberammergau kommen solle. „Und was komplett fehlt, ist ein schlüssiges Verkehrskonzept“, meint Röhle. Der DAV fordert jedoch nicht nur, dass die Spiele so umweltschonend wie möglich ausgetragen werden. Röhle: „Wir wollen zusätzliche Projekte, die einen echten Umweltmehrwert darstellen.“

Die Natur solle über die Spiele hinaus profitieren, zum Beispiel durch die Schaffung einer „Ökologischen Sportregion Bayerische Alpen“. „Wenn das nicht gelingt, sind wir aus der Bewerbungsgesellschaft draußen“, droht Röhle. Der Bund Naturschutz und der Verein Mountain Wilderness haben sich bereits aus Protest aus der Fachkommission Umwelt zurückgezogen. Neben dem Alpenverein sind in dem Gremium unter anderem noch der Landesbund für Vogelschutz und die Naturfreunde vertreten. Der Leiter für Umweltangelegenheiten bei der Bewerbungsgesellschaft, der Grünen-Stadtrat Boris Schwartz, sieht die Forderungen des Alpenvereins im Einklang mit den allgemeinen Zielen: „Wir haben 18 Leitprojekte definiert, die ebenfalls einen Mehrwert für den Naturschutz vorsehen. Nun sind wir dabei, die Ziele weiterzuentwickeln, und wollen das natürlich zusammen mit dem Alpenverein tun.“

Laut Schwartz gibt es verbindliche Zusagen, dass die Projekte umgesetzt werden. Im Lauf des Jahres werde es die nötigen Beschlüsse einschließlich der Finanzierungszusagen geben. Und so ist auch DAV-Präsident Röhle grundsätzlich zuversichtlich: „Es ist besser, mitzugestalten, als sich zurückzuziehen.“ Die Umweltverbände hätten schon einiges erreicht: So sei die Bodenkühlung für die Loipen vom Tisch. CSU-Rathauschef Josef Schmid findet, dass der DAV übers Ziel hinausschießt: „Die Spiele sollen Völker verbinden und ökonomischen Mehrwert bringen. Sie sollen dabei keinen ökologischen Schaden anrichten. Einen ökologischen Mehrwert zu erwarten, ist paradox.“

Ingo Wilhelm

Wie öko werden die Spiele?

Grünen-Stadtrat Boris Schwartz arbeitet für die Bewerbergesellschaft.

Grünen-Stadtrat Boris Schwartz beschäftigt sich derzeit haupt­beruflich mit der Olympiabewerbung: Er soll dafür sorgen, dass die Olympischen Winterspiele 2018 in München so grün wie möglich werden. Die tz fragte ihn, wie das klappen soll:

Hallo Herr Schwartz, es gibt ein Papier mit 18 Leitprojekten für ein Umweltkonzept zu den Winterspielen. Wie weit sind Sie mit der Umsetzung?

Boris Schwartz: Es gibt einen Eckdatenbeschluss der beteiligten Stadträte, des Landtags und der Gemeinderäte, in denen das Konzept als fester Bestandteil der Bewerbung akzeptiert wurde. Dabei spielt der Klimaschutz eine große Rolle.

Was soll denn dieses Konzept kosten und wer zahlt das?

Schwartz: Wir rechnen von Kosten zwischen 80 und 120 Millionen Euro. Wer von den Beteiligten wie viel bezahlen soll, wird dann im Gesamtrahmen verhandelt. Ein Bestandteil des 18-Punkte-Paketes ist die Einrichtung eines UNESCO-Biosphären-Reservates.

Wie weit sind sie denn damit?

Schwartz: Wir sind dabei, eine Vergleichsstudie zu erarbeiten, die den Mehrwert so einer Schutzzone nachweist. Wir wollen die Beteiligten überzeugen, dass ein Biosphärenreservat ihnen etwas bringt.

Und wo und wann soll dieses Reservat entstehen?

Schwartz: Wo hängt davon ab, wo die Bereitschaft dafür am höchsten ist, das soll ja die Studie ergeben. Es soll bis 2017 ausgewiesen sein. Sie wollen auch die Olympischen Dörfer im Plusenergiestandard bauen, das heißt, dass dort mehr Energie regenerativ erzeugt als verbraucht wird.

So etwas gibt es noch nicht, ist das nicht sehr ehrgeizig?

Schwartz: Es gibt schon Plusenergiehäuser und Siedlungen. Mit den olympischen Dörfern wollen wir ganze Viertel so bauen. Das ist tatsächlich ambitioniert, aber realistisch. Das Planungsreferat wird entsprechende städtebauliche Wettbewerbe ausloben.

Auch der Olympiapark soll energetisch saniert werden. Wie?

Schwartz: Wir denken da an den Ersatz des Flutlichts im Olympia­stadion durch energiesparende Dioden. Auch wollen wir die Glaswände des Olympiabades mit wärmeisoliertem Glas ausstatten. Wir denken auch an die Wärmerückgewinnung bei der Lüftung.

Sie wollen auch die Hoteliers davon überzeugen, ihre Gebäude energetisch zu sanieren. Wie?

Schwartz: Wir wollen sie mit öffentlichen Zuschüssen dazu bewegen. So wollen wir auch bundesweit die Sportvereine dazu bringen, ihre Sporthallen oder Duschen und Bäder energetisch auf den neuesten Stand zu bringen.

Und wie soll das Ziel erreicht werden, die Hälfte der Zuschauer mit dem öffentlichen Nahverkehr zu transportieren?

Schwartz: Wir denken etwa an den Ausbau der Bahnlinie München-Garmisch-Partenkirchen, wo wir die Fahrzeit von 90 auf 70 Minuten reduzieren und den Takt verdichten wollen.

Eine Problem ist auch die Versorgung des geplanten Langlaufzentrums in Oberammergau, mit Schnee. Wie soll da klappen?

Schwartz: Es gibt neue Methoden der Schneegewinnung wie das Snow Farming, man kann den Schnee heutzutage monatelang lagern. Vieles ist noch etwas vage.

Wann werden diese Vorschläge konkret?

Schwartz: Wir können nicht alles von heute auf morgen detailliert ausbauen, unser Ziel ist es aber, bis zur Sommerpause alle Vorhaben so detailliert auszuarbeiten, dass wir die Skeptiker überzeugen. Uns würde es freuen, auch den Bund Naturschutz nach dem Verlassen der Vorbereitungsgesellschaft im kommenden Jahr wieder zurückzuholen. Die Tür steht offen.

Johannes Welte

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