Olympiabewerbung: Bürgerbegehren soll München Beine machen

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München - Olympische Winterspiele 2022 in München? Der Münchner Stadtrat Mario Schmidbauer will über ein Bürgerbegehren erreichen, dass sich die Stadt bewirbt.

Im Rathaus hatten sie am Dienstag zunächst keine Ahnung, dass Mario Schmidbauer für Mittwoch die „Prälatenstube“ im Ratskeller reserviert hat. Aber der Termin steht. Der Stadtrat der bayerischen Landeshauptstadt macht ernst. Schmidbauer, Mitglied der oppositionellen CSU-Fraktion sowie deren sportpolitischer Sprecher, will erreichen, dass sich München um die Olympischen Winterspiele 2022 bewirbt. Zu diesem Zweck will er nun ein Bürgerbegehren starten.

Schmidbauer versichert, er sei als „Bürger der Stadt München“ aktiv geworden. Er hat die Initiative „München PRO 2022“ gegründet, eine Facebook-Seite eingerichtet sowie eine Homepage. Etwa 34.000 Unterschriften benötigt er nach eigenen Angaben, um das Begehren starten zu können. Sammelt er diese bis Anfang Januar 2013, könnte im April 2013 abgestimmt werden. Und wenn die Bürger Olympia 2022 wollen, muss sich der Stadtrat mit einer Bewerbung befassen.

Für Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), und Christian Ude, SPD-Oberbürgermeister von München sowie Bewerber um das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten, scheint die Initiative zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu kommen. Die treibenden Kräfte hinter der gescheiterten Olympiabewerbung für 2018 wirken nicht begeistert. Ude sagte, ein Begehren zum „jetzigen Zeitpunkt würde überhaupt nichts bewirken, aber sehr wohl Schaden stiften“.

Der DOSB hatte eine Bewerbung in seiner Mitgliederversammlung am 7. Dezember 2011 „zum jetzigen Zeitpunkt“ ausgeschlossen, immerhin aber formuliert: „Wir stehen für eine erneute Bewerbung bereit, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und begründete Aussichten auf Erfolg bestehen.“ Für 2022 stehen die Chancen aber nicht mal schlecht: Nur aus der Schweiz (Davos und St. Moritz) besteht bislang ernsthaftes Interesse an einer Bewerbung. Die USA jedenfalls wollen nicht.

 

"Unser München": Münchner Stadtteile im Porträt

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In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte Bach am Dienstag, Voraussetzung für eine Münchner Bewerbung wäre unter anderem eine „breite Unterstützung der örtlichen Bevölkerung“. Der IOC-Vizepräsident erwähnte zudem, dass Berlin und Hamburg Interesse an einer Kandidatur für die Sommerspiele 2024 gezeigt hätten. In diesem Fall müsse der DOSB aber die Entscheidung für den Gastgeber 2020 abwarten: Tokio, Madrid und Istanbul haben sich beworben.

In der Tat müsste München nur auf das nahezu ausgereifte Konzept der Bewerbung für 2018 zurückgreifen, mit der die Stadt 2010 Pyeongchang/Südkorea unterlag (25:63). Um sicherzugehen, dass nicht wieder Entscheidungen am Bürger vorbei getroffen werden, soll vorher auch in Garmisch-Partenkirchen der Wähler befragt werden, darüber hinaus am Königssee sowie in Ruhpolding - die Hintermänner einer erneuten Bewerbung favorisieren die Biathlon-Hochburg als Austragungsort.

Die Aussicht, 50 Jahre nach den Sommerspielen auch Winterspiele in München und Partnergemeinden zu veranstalten, reißt Bach und Ude derzeit nicht zu eindeutig positiven Äußerungen hin, weil das Timing schlecht ist: Am 7. September 2013 wird in Buenos Aires die Stadt der Sommerspiele 2020 gewählt; drei Tage später der neue Präsident des IOC. Bach gilt als Kandidat. Am 15. September wird in Bayern gewählt, Ude will Ministerpräsident werden. Die noch nicht fest terminierte Bundestagswahl steht in diesem Zeitraum auch noch an.

Bach und Ude haben also andere Sorgen - und nach den Wahlen bliebe nicht mehr viel Zeit zur Meinungsfindung: Am 14. November 2013 bereits müsste der DOSB eine Bewerbung für Olympia 2022 beim IOC einreichen. Schmidbauer will nun zumindest herausfinden, ob die Bürger das überhaupt wollen.

sid

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