"Wetten, dass..?" - Wie spontan war diese Show?

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Thomas Gottschalk mit seinen Gästen Arjen Robben, Katy Perry und Michael Mittermeier (von links).

München - Einiges an "Wetten, dass..?" in der Olympiahalle am Samstag wirkte doch recht gestellt. Wie spontan war die ZDF-Show überhaupt?

Als Christine Neubauer sich weigerte, ins Wasser zu springen, und das Publikum in der Halle buhte, da tauchte Thomas Gottschalk am Beckenrand auf und verkündete: „Ich habe die Kontrolle über diese Veranstaltung verloren.“ Aber war dieses Chaos echt? Oder war es Teil einer großen Inszenierung namens Wetten, dass..? aus der Münchner Olympiahalle? Wie die tz aus Produktionskreisen erfuhr, war am vergangenen Samstag von Anfang an geplant, dass Christine Neubauer eben nicht vom Turm springt. Und dass ­Katy Perry nicht mit dem Flying Fox übers Olympiastadion fährt, sondern sich mit einem Dirndl aus der Affäre zieht.

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Mit der US-Sängerin fing das ­Verwirrspiel an: Gottschalk brummte Katy Perry für ihre verlorene Wette eine Fahrt mit der Seilrutsche auf. Dabei gab er sich unerbittlich, obwohl die 25-Jährige ­bühnenreif um Gnade flehte. Wusste Katy Perry da nicht längst, dass der Kelch an ihr ­vorüber­‑ geht, weil ihr Wetteinsatz von Christine Neubauer übernommen wird? Die deutsche Schauspielerin sollte zunächst als Strafe für ihre verlorene Wette in der Olympiaschwimmhalle vom 7,5-Meter-Brett springen. ­Thomas Gottschalk entschied sich, Neubauer zu begleiten und mit ihr zu springen. Entschlossen bestiegen die beiden den Sprungturm. Gottschalk entkleidete sich bis auf eine auffallend telegene Boxer-Short und sprang ohne zu zaudern ins Becken. Die Schauspielerin jedoch machte an der Sprungkante einen Rückzieher – angeblich, weil sie unterm Dirndl nicht die passende Unterwäsche trug.

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Das Publikum buhte, und Thomas Gottschalk gab den spontanen Retter einer verfahrenen Situation: „Ich hab eine Idee!“, verkündete er und erließ Christine Neubauer den Sprung. Stattdessen solle sie am Flying Fox ihren Mut beweisen. Und Katy Perry könne ja als Wettschuld in ­einem Dirndl auf die Bühne kommen. So ­geschah es dann auch: Christine Neubauer flitzte in 35 Metern Höhe übers Stadiongrün. Und für die US-Sängerin fand sich hinter der Bühne doch glatt ein passendes Dirndl …

Wie ein Show-Mitarbeiter zur tz sagte, war dieser Ablauf von Beginn an geplant. Katy Perrys Angst vor dem Flying Fox, Christine ­Neubauers Unterwäsche-Sorge und Thomas Gottschalks Improvisation – alles nur gespielt? Die tz fragte Christine Neubauer nach der Show, ob sie wusste, dass sie letztlich Flying Fox fahren wird: „Das war eine Option“, gestand sie und schränkte ein: „Ich war auch kurz davor zu springen – ich war wirklich hin- und hergerissen.“

Das bedeutet: Christine Neubauer war vorab über mögliche Wetteinsätze informiert. In der Sendung wird jedoch immer so getan, als würden die prominenten Paten ihre mögliche Strafe erst während der Show erfahren. „Das stimmt im Prinzip“, sagte Wetten, dass..?-Sprecher Peter Gruhne zur tz. „Man muss jedoch manche Dinge im Vorhinein durch Nachfragen im Umfeld des Gastes abklopfen. Zum Beispiel, ob jemand Höhenangst hat.“

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Tatsächlich ist es kaum vorstellbar, dass das Management von Katy Perry zulässt, dass sie während einer laufenden Konzerttournee an einer Seilrutsche ein Verletzungsrisiko eingeht. Und was ist mit dem vermeintlich spontanen Wechsel der Wetteinsätze? Stand schon im ­Voraus fest, dass Christine ­Neubauer Seilrutsche fährt und Katy Perry mit einem Trachtenauftritt davonkommt?

Vieldeutige Antwort von Show-Sprecher Peter Gruhne: „So etwas hängt immer davon ab, wie sich die Dinge entwickeln. Und die Dinge haben sich so entwickelt. In einer Live-Show muss man mit allem rechnen.“ Sogar mit Spontaneität – ob echt oder gespielt…

IW.

Quote ging baden

Nicht nur Thomas Gottschalk, auch die Einschaltquote von Wetten, dass..? ist am Samstag baden gegangen. 9,5 Millionen sahen die Sendung aus München. Kein Minus-Rekord, aber schon wieder unter der Zehn-Millionen-Marke. Enttäuscht waren die Zuschauer vor allem von den Wetten. Lediglich die letztlichen Wettkönige Manuel Jokisch und Franz Bayrhof ragten heraus. Die zwei Allgäuer hatten eine Geheimsprache aus Körpergeräuschen entwickelt. Und so ist Dieter Bohlen dem Thomas Gottschalk nah auf die Pelle gerückt: 7,19 Millionen verfolgten parallel auf RTL Das Supertalent. Bei den Zuschauern bis 49 Jahre hatte Bohlen 35 Prozent Marktanteil, Gottschalk 25 Prozent.

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