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Zwei Milliarden Euro für Olympia

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Eine Sportstätte mit Kultstatus - das ist der Olympiapark schon längst. Sollten hier 2018 die winterspiele ausgetragen werden, müssten noch drei Sporthallen gebaut werden. Eine davon würde später wieder entfernt. © dpa

München - Das Budget der Olympischen Winterspiele 2018  in München und Garmisch-Partenkirchen wird vermutlich deutlich über zwei Milliarden Euro betragen.

Dass das Projekt Olympia seine Tücken hat, das ist in München seit 1972 bekannt. Als damals, Jahre vor den Sommerspielen, grob geschätzt wurde, wie teuer die Veranstaltung werden könnte, war von 520 Millionen Mark die Rede. Als nach dem Sportfest abgerechnet wurde, stand ein ganz anderer Betrag unter dem Strich: 1,93 Milliarden, fast das Vierfache der Ausgangssumme.

Diese Wintersportarten sind olympisch

Auch dieser Tage sind die Olympia-Planer wieder fleißig am Rechnen. Diesmal geht es um die Winterspiele 2018. Die Summen, die nun im Spiel sind, klingen ähnlich wie die 1972, nur geht es jetzt nicht mehr um Mark, sondern um Euro. Mehr als zwei Milliarden Euro dürfte das Gesamtbudget für Münchens zweites Olympia dick sein. Derzeit – denn die Unsicherheiten bei der Kostenplanung seien zahlreich, heißt es.

Sanierung: Der Olympiasee gleicht dem Wattenmeer

Die Hälfte dieser Summe, rund eine Milliarde Euro, soll nach Informationen unserer Zeitung für die Organisation der Spiele von der Eröffnungs- bis zur Schlussfeier aufgewendet werden. Die Olympier sprechen vom Ocog-Budget. Es belastet den Steuerzahler nicht, sondern finanziert sich aus Zuschauereinnahmen, Lizenzen, Sponsoring und vor allem aus dem Verkauf der Fernsehrechte. Gerade die Summen für diese Übertragungslizenzen sind in den vergangenen 25 Jahren massiv gestiegen. Laut einer Erhebung des Wirtschaftsdienstleisters Deloitte flossen 1980 bei den Winterspielen in Lake Placid noch 21 Millionen US-Dollar in den Olympia-Topf. 2006 in Turin waren es 831 Millionen Dollar – das Vierzigfache.

Für München und Garmisch-Partenkirchen weit interessanter ist, welche nachhaltigen Investitionen von der Straße bis zur Halle darüber hinaus vorgenommen werden müssen. Für dieses sogenannte Non-Ocog-Budget müssen die öffentliche Hand oder private Finanziers geradestehen.

In der Landeshauptstadt sollen am Rande des Olympiaparks ein Olympisches Dorf mit rund 700 Wohnungen und ein Mediendorf mit weiteren 430 Wohnungen entstehen. Daneben müssten zwei neue Sporthallen für Eishockey-Spiele gebaut werden. Nach Informationen unserer Zeitung stehen für München derzeit Gesamtinvestitionen von 400 bis 500 Millionen im Raum. „Ein Daumenansatz“, meint Richard Adam, Chef der Bewerbungsgesellschaft. Die Zahlen müssten erst noch konkretisiert werden.

Die Kosten für eine weitere Eisschnelllaufhalle soll dagegen nicht der Steuerzahler tragen. Auch nicht jene für die Langlauf- und Biathlonanlagen in Oberammergau. Weil alle Einrichtungen nach den Spielen wieder abgebaut werden, müssen sie aus dem Ocog-Budget bezahlt werden.

Derzeit intensiv diskutiert wird die Frage, ob die Umfahrungen von Garmisch-Partenkirchen durch den Kramer- und den Wanktunnel sowie der Ausbau der B 2 mit einem Tunnel bei Oberau in das Investitionsbudget aufgenommen werden, weil die Projekte möglicherweise irgendwann auch ohne die Spiele realisiert werden könnten. 500 Millionen Euro hat das Innenministerium für diese Vorhaben veranschlagt. Der Ausbau der Bahnlinie nach Garmisch-Partenkirchen dürfte weitere rund 50 Millionen Euro kosten.

Rechnet man die genannten Verkehrsprojekte zu den Olympia-Investitionen hinzu, dürften sich diese auf deutlich über eine Milliarde Euro summieren. Eine Schuldenfalle für die Landeshauptstadt sieht OB Christian Ude (SPD) dennoch nicht – „weil München nur einen Teil der Kosten zu tragen hätte“. Wieviel dies sei, hänge vom Verteilungsschlüssel ab, sagt Ude. Denn auch Bund und Freistaat sollen für die Kosten aufkommen.

Auch im Stadtrat sieht man den Kostenschätzungen noch gelassen entgegen. Die neuen Wohnungen würden ohnehin benötigt, betonen Alexander Reissl, Chef der Rathaus-SPD, und Grünen-Stadträtin Sabine Krieger. Zudem sollten sie wie das Olympiadorf 1972 privat finanziert werden.

Von Matthias Kristlbauer und Matthias Holzapfel

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