"Oper für alle": Die tz-Kritik

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Es blieb trocken am Samstag

München - Das Wetter hielt bei "Oper für alle" am Samstag. Und den Musikern des Staatsorchesters unter ihrem Chef Kent Nagano gelang es, in Wagners 70-minütigem Ring-Potpourri von Henk de Vliegers viel zu erzählen: die tz-Kritik.

Samstag, Marstallplatz: Bei jeder finsteren Wolke bangte der Konzert-für-alle-Fan, dass er mit Wagner baden gehen müsse. Trotzdem: Eine Stunde vor Beginn waren die ersten „Reihen“ schon belegt – der Marstallplatz wurde ja nicht bestuhlt –, die Steinpoller besetzt und die Sonnenplätze mit dem Marstall als Rückenlehne längst eingenommen. Viele junge Leute lagerten hier in Gruppen, tranken, aßen und warteten auf den ersten Ton. Kinder vertrieben sich mit Kartenspielen die Wartezeit, und die vierjährige Hündin Mona fungierte als Wetterfrosch: Sie zitterte – und witterte Gewitterluft. „Hoffentlich täuscht sie sich“, meinte das Frauli fröhlich.

Sie zitterte zum Glück umsonst – weder der mitgebrachte Anorak, noch die Wolldecken kamen zum Einsatz. Und der Blick aufs Auto-Thermometer bescheinigte noch um 22 Uhr 20 Grad.

Die Stimmung: bestens. Zunächst boten die Musiker des Attacca-Jugendorchesters Smetanas Moldau. Trotz grauen Himmels: Unter der Leitung ihres Dirigenten Allan Bergius gelang eine farbige Darstellung vom Entstehen des Flusses bis zur Mündung in die Donau. Der Nachwuchs war mit großem Eifer bei der Sache und versüßte den Zuhörern die Gewöhnung an die (vom Wagner-Fortissimo dann überforderte) Übertragungsanlage.

Zum Glück gelang es den Musikern des Staatsorchesters unter ihrem Chef Kent Nagano, in Wagners 70-minütigem Ring-Potpourri von Henk de Vliegers viel zu erzählen. Alle wichtigen Leitmotive, alle relevanten Ereignisse zogen auch dank gekonnter Überleitungen wie im Flug vorüber. Best of Ring – herrlich!

Passend zum Feuerzauber glänzte das Marstall-Dach in der Abendsonne. Später raunte mein französischer Nachbar „Fafner!“ und zeigte auf den wagemutigen Fotografen, der bei der Tötung des Riesenwurms Fafner auf dem Operndach erschien. Überdies berichtete der Wagnerianer, dass am Abend zuvor im Nationaltheater ein Stück von Wotans Speer ins Orchester geflogen sei und einem Kontrabassisten an die Schulter. Das konnte hier gottlob nicht passieren.

Der Schlussjubel steigerte sich noch, als Nagano die von Staatsorchester und Attacca-Musikern gemeinsam gespielte Zugabe ankündigte: Herr der Ringe.

G. Luster

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