Norman Patocka erzählt Anekdoten

Oper für alle: Tipps und was schiefgehen kann

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Seit 1998 ist Norman Patocka (53) der Boss für den „Oper für alle“-Aufbau. Reine Routine wird’s aber nie werden

München - Norman Patocka und sein Team bauen mit Hochdruck auf: Am Freitag und Samstag findet "Oper für alle" in München statt. Der 53-Jährige erklärt, was schiefgehen kann.

Das Schlimmste wäre, wenn die Technik schlapp macht. In solchen Momenten wäre Norman Patocka am liebsten ganz weit weg. Der 53-Jährige ist wieder verantwortlich bei Oper für alle am Freitag und Samstag auf dem Max-Joseph-Platz vor dem Nationaltheater (Infos unten). Während es sich die Zuschauer auf dem Opernvorplatz auf Decken gemütlich machen, ist Patocka in Hab-Acht-Stellung. Denn geht nur eine Sache schief, kann das für ihn unangenehm werden: „Wenn wegen des Wetters eine Veranstaltung abgebrochen werden muss, ist das genauso furchtbar, aber dann sagt man: Es ist höhere Gewalt. Doch wenn es ein technisches Gebrechen gibt, da fragt dann kaum wer: Warum ist das so? Es können immer viele Dinge sein, auf die man gar nicht achtet. Und bis du deinen Fehler dann gefunden hast …“

Wie vor ein paar Jahren, als Patocka alle Stecker zum Schutz gegen Regen mit Plastiksäcken einwickelte, und trotzdem gab’s Stromausfall. Durch die Temperaturunterschiede hatte sich Kondenswasser an den Steckern gebildet: „Darauf musst du erst mal kommen.“ Doch Patocka hat ein sonniges Gemüt, passend zum Wetter: „Es kann immer alles passieren. Die Technik is a Hund!“

Seit Montag werkeln er und sein etwa 100-köpfiges Team in der Hitze. Plötzlich ein Sommergewitter, der Regen prasselt auf die Bühnenkonstruktion. Doch ein echter Wiener geht nicht unter: „Der Regen an sich stört den Ton nicht, denn ich bin mit meinen Lautsprechern immer über der Lautstärke vom Regen.“

Wer Open Air will, der bekommt dann und wann die volle Breitseite: „Wir können beim Aufbau die besten Temperaturen haben, und dann ist die Aufführung, und es prasselt runter. Aber das Münchner Publikum ist fantastisch. Die bleiben bis zum erlösenden Ende. Wahnsinn! Auch im vergangenen Jahr bei Wagner. Dauerregen, ewig lange Aufführung, und die Leute waren bis zum Schluss dabei. Toll!“

Bei der Opern-Übertragung ist das Wetter also kein Problem, beim Konzertabend kann’s kitzlig werden: Die Bühne ist zwar überdacht, ist aber nach vorne hin offen. „Einmal mussten wir abbrechen, weil keine Hoffnung auf Wetterbesserung bestand. Denn wenn der Regen schräg reingeht, trifft er die teuren Instrumente. Wir armen Techniker sind mit Regenschubern bewaffnet auf die Bühne gelaufen und haben den Regen runtergeschoben.“ Immer wieder prasselte es, immer wieder rückten die Techniker an. „Doch das Orchester hat mitgemacht, der Dirigent hat mitgemacht, das Publikum sowieso. An so was erinnert man sich dann immer.“

Auch die Opernübertragung hat ihre Tücken. Emotionen transportieren: So lautet das Stichwort. Das geht am besten über große Bilder. „Ich muss mit der Kamera herangehen, diese Emotionen – Liebe, Hass, Leid, Missgunst, ewige Treue und deren Zerstörung – herausarbeiten.“ Patockas Team arbeitet am Samstag mit sechs Kameras aus verschiedenen Positionen.

Noch in der Nacht auf Samstag wird die Bildwand abgebaut. Am Samstag ist um 11 Uhr bereits Soundcheck fürs Konzert. Für Patocka schon Routine, er ist seit dem ersten Event 1998 mit dabei. „Ich habe ein tolles Team. Das sind jetzt nicht lauter Österreicher. Mittlerweile kommen total viele Freunde von verschiedensten Firmen aus Deutschland zusammen, und es klappt.“ Deutsch-österreichische Maßarbeit für alle.

Katja Kraft

Tipps zum Event

Freitag: Oper

Am Freitag kommt die eigentliche Oper für alle: die Live-Übertragung aus dem Nationaltheater auf dem Max-Joseph-Platz von Mussorgskys Boris Godunow. Es ist die letzte Gelegenheit für alle, die keine Kaufkarte haben, Kent Nagano am Pult zu erleben. Die Übertragung dauert bis ca. 22.20 Uhr, danach zeigen sich die Stars auf der Treppe.

Samstag: Konzert

Morgen dann das Festspiel-Konzert in der Orchestermuschel vor der Oper: Altmeister Zubin Mehta dirigiert Verdis Messa da Requiem und Beethovens Egmont-Ouvertüre.

Beginn:

Die Oper beginnt um 20 Uhr (ab 18.30 Uhr moderiert bereits Nina Ruge), das Konzert um 20.30 Uhr.

Informationen:

Nicht mitbringen dürfen Sie harte, sperrige Gegenstände wie Gläser, Flaschen, Hocker, Klappstühle etc.

Für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte gibt’s ­einen speziell ausgewiesenen Bereich (Behindertenausweis Merkmal G). An den Seiten des Platzes stehen sanitäre Anlagen, zudem gibt es Getränke-Standl.

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