Opfer: Der Schläger nutzt unseren Staat aus

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Opfer Bruno N.

München - Bruno N., das Opfer der Prügelattacke von Serkan A. und Spiridon L., wird in diesen Tagen wieder an die schreckliche Tat erinnert. Er hofft, dass Serkan A. in die Türkei abgeschoben wird.

Sie haben ihn zu Boden gestreckt, mit Fäusten geprügelt und mehrfach ins Gesicht getreten. Bruno N. (79) war nach der Attacke von Spiridon L. (damals 17) und Serkan A. (damals 20) bewusstlos, hatte einen dreifachen Schädelbruch mit Einblutung ins Gehirn. „Ich werde ihnen nie verzeihen – sie wollten mich totschlagen“, sagt das Opfer drei Jahre nach der Tat.

Der pensionierte Realschulleiter will mittlerweile so wenig wie möglich an diesen Tag im Dezember 2007 denken. Am Mittwoch aber zwang ihn Serkan A. mit seiner Klage vor dem Verwaltungsgericht erneut dazu. „Mich überrascht nicht, dass der Schläger seine Abschiebung in die Türkei verhindern will“, sagte er der tz. „Deutschland ist eine Oase, hier bekommt er alles vom Staat.“ Erst die Kosten für den Gefängnisaufenthalt – und nun ein möglicherweise langwieriger Prozess.

Ist Serkans Klage erfolgreich, darf er nach Verbüßung seiner Haft in Deutschland bleiben. „Dann bekommt er möglicherweise sogar Unterstützung vom Staat.“ Und da Serkan offenbar im Gefängnis keine Ausbildung abschließen wird, könnte er hinterher Sozialleistungen kassieren, glaubt Bruno N.: „Dann wird er auch noch dauerhaft von Hartz IV leben.“ Das findet Bruno N. in höchstem Maße ungerecht. „Ich dagegen musste für meinen Eingriff am Kiefer nach dem Angriff selber zahlen. Das Versorgungsamt hat die Kosten von 300 Euro nicht übernommen.“

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Im ersten Interview nach der Prügel-Attacke mit der tz hatte Bruno N. schon angedeutet, dass er für eine Abschiebung ist: „Ich bin kein Richter. Aber wenn die Schläger ein neues Leben anfangen wollen, dann können sie das nur in einer Umgebung, wo keiner von der Tat gehört hat und sie keiner kennt. Eine wirklich neue Chance haben sie in Deutschland nicht.“ Am Mittwoch fügte er hinzu: „Die beiden wollten hier nicht integriert werden. Deshalb sollten sie freiwillig nach Griechenland und in die Türkei gehen.“

Noch immer schließt Bruno N. eine Kontaktaufnahme mit den Tätern oder deren Familien kategorisch aus. „Einen Brief mit einem entsprechenden Angebot des Anstaltpfarrers habe ich gleich zerrissen.“ Gesundheitlich ist der Rentner mittlerweile wieder recht fit. „Mein Gleichgewichtssinn ist gestört geblieben. Ich wackel’ ein wenig beim Laufen. Aber langsam kann ich das auch auf mein Alter schieben …“ Zumindest seinen trockenen Humor konnten die beiden Schläger Bruno N. nicht nehmen.

N. Bautz

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