Haben wir bald Ordner an den Brennpunkten der Stadt?

München - München gilt zwar als sicher, doch drei Brennpunkte beschäftigen die Stadt. Österreich könnte zum Vorbild für die bayerische Landeshaupstadt werden. Sind in München bald Ordner unterwegs?

Im Kern sind sich alle einig: München bleibt die sicherste Großstadt der Republik, hat aber ein Problem mit Brennpunkten. Das sind Plätze, an denen sich Trinker, Junkies und Obdachlose treffen, und die viele Bürger nicht ohne mulmiges Gefühl passieren. Aktuell sieht das KVR drei größere Brennpunkte an Sendlinger Tor, Hauptbahnhof und Orleansplatz und rund 20 kleinere Problem-Plätze in der Stadt, auf die Ordnungshüter und Sozialarbeiter ein Auge geworfen haben. Schließlich diskutiert das Rathaus seit Jahren, zuletzt im Mai.

Einig ist man sich auch, dass München einiges von Wien lernen kann: Dort hat die Stadt 2007 das Projekt Sam ins Leben gerufen – sozial, sicher, aktiv, mobil. Die Mitarbeiter beobachten die größten Problemplätze. Anders als klassische Sozialarbeiter kümmern sie sich nicht nur um die Randgruppen, sondern um alle Bürger, erklärte Chefin Andrea Jäger  am Donnerstag dem Stadtrat. Gleiches Recht für alle. Die Ziele: Sam will Süchtigen und Benachteiligten helfen und gleichzeitig die Sicherheit für die Bürger steigern.

Die Mitarbeiter agieren anders als etwa Streetworker: In ihren leuchtenden, roten Uniformen sind sie erkennbar, in Zweier-Gruppen beobachten sie ihren Platz Montag bis Sonntag, im Sommer sogar bis 22 Uhr. Sorgenkindern vermitteln sie Unterstützung, beim Notfall leisten sie Erste Hilfe – und bei Ärger gehen sie dazwischen. Das kann sich auch gegen die Trinker, Junkies und Obdachlosen richten. Wirft einer seine Bierflasche hin, ermahnen sie ihn, organisieren eine Müllsammel-Aktion und achten darauf, dass Passanten nicht belästigt werden oder aus Angst Umwege gehen.

Damit agieren die Sam-Mitarbeiter eher wie Ordner, auch wenn die Sozialarbeiter das wohl nicht gern hören.

Eines ist Sam ganz wichtig: „Wir wollen niemanden vertreiben“, sagt Andrea Jäger . Alkohol sei in der Öffentlichkeit nicht verboten und solange Trinker keinen Unfug machen, sollen sie bleiben. Ziel sei ein friedliches Nebeneinander.

Der Erfolg laut Sam: Passanten und Geschäftsleute schätzen die Unterstützung und beschweren sich weniger, Süchtige erhalten mehr Hilfe als vorher und die Polizei freut sich über die Entlastung. Etwa am Praterstern kämen statt 100 nur noch 30 bis 50 Trinker.

Münchner Politik, Sozialarbeit und Polizei zeigten sich angetan. Der Chef der Verbrechensbekämpfung der Polizei, Harald Pickert, sagte: Zwar gebe es in München keine Plätze mit so vielen Süchtigen, Ansätze von Sam seien aber auch hier zu verwirklichen. Das KVR würde ein solches Projekt mittragen. Und die Sozialarbeit hielten Sam denkbar für größere Plätze in München. Einen konkreten Beschluss fasste der Stadtrat nicht. Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) sagte, das Thema werde die Stadt beschäftigen.

David Costanzo

Die Treffpunkte von Trinkern, Junkies und Party-Wütigen

Über die Problem-Plätze diskutierte der Stadtrat zuletzt im Mai: Dabei wurde deutlich, dass die Polizei ein Auge auf 27 Brennpunkte wirft. Das Kreisverwaltungsreferat verwies auf eine Studie des Sine-Instituts von 2008, in der die Stadt 20 Orte untersuchen ließ (siehe Grafik) – wobei sich die Situation ständig ändern könne. Etwa am Orleansplatz: Derzeit gäbe es fast keine Beschwerden mehr, sagt Harald Pickert, Chef der Verbrechensbekämpfung bei der Polizei. Am Sendlinger Tor verzeichne man seit der Videoüberwachung zehn Prozent weniger Straftaten. Als dritter Brennpunkt gilt der Hauptbahnhof. An kleineren Problemplätzen fanden die Sozialforscher seinerzeit Trinker, Junkies und Obdachlose in wechselnden Zusammensetzungen. Auch hier konnten manche Brennpunkte entschärft werden: Am Plettzentrum in Neuperlach bekamen die rund 20 Süchtigen einen Platz in der Nähe, an dem es ruhiger zugeht.

Rubriklistenbild: © Kurzendörfer

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