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Thomas Müller will mehr Leben retten

Organspende in Deutschland: Münchner sagt Problem den Kampf an

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Thomas Müller kämpft auf der Homepage change.org für die Einführung der Widerspruchslösung.

Die Bereitschaft, Organe zu spenden, ist in Deutschland mehr als gering. Thomas Müller, ein Münchner Patient und selbst Organempfänger, will mehr Leben retten und das System ändern.

München - Der Tag der Organspende – jedes Jahr, am ersten Samstag im Monat Juni, wird an die Wichtigkeit dieses Thema erinnert. Doch bei uns in Deutschland krankt das System, wie die Zahlen beweisen (siehe unten). Deshalb beschäftigt sich auch die Politik mit diesem grundsätzlichen Thema. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will bald einen Gesetzesvorstoß präsentieren, der die Bereitschaft zur Organspende steigern und die Gegebenheiten in deutschen Krankenhäusern verbessern soll. Ob er auch der sogenannten Widerspruchslösung (siehe Stichwort) eine Chance gibt, ließ er offen. Ein Mann der für dieses System kämpft, ist Thomas Müller (51). Er ist Organempfänger und braucht bald wohl erneut eine Spende. Wir haben mit ihm über seinen Kampf für das Leben vieler Menschen gesprochen.

Thomas Müller (51) hat eine Entscheidung getroffen. Er will in Spanien leben. Nein, er will dort überleben. Denn bleibt er in Deutschland, wäre er mit Sicherheit bald tot. Thomas Müller aus München lebt mit zwei transplantierten Organen– Niere und Bauchspeicheldrüse bekam er verpflanzt. Doch die Niere wird in naher Zukunft nicht mehr funktionieren, das hieße wieder Dialyse. Auf eine Niere in Deutschland müsste Müller vermutlich fünf bis sieben Jahre warten. Das ist ihm zu lang. Schuld an allem ist seiner Meinung nach das System, nach dem in Deutschland die Organspende geregelt ist. Und er kämpft dafür, dass sie geändert wird. Thomas Müller kämpft für das Leben! 

Nur wenige Unterschriften fehlen zum Erfolg

In Deutschland gilt seit 2012 die sogenannte Entscheidungslösung. Jeder über 16 Jahre wird von seiner Krankenkasse aufgefordert, eine freiwillige Erklärung über seine Organspendenbereitschaft abzugeben. Anders machen es unsere europäischen Nachbarn. Österreich, Spanien und viele weitere Länder haben mittlerweile die Widerspruchslösung (siehe Stichwort). Thomas Müller hat jetzt auf change.org eine Petition gestartet, damit im Bundestag über eben diese Widerspruchslösung debattiert wird. Nur noch wenige Unterschriften fehlen ihm zum Erfolg. Im Übrigen wird auch aus der Ärzteschaft und von vielen Experten die Widerspruchslösung gefordert. Müller zieht seine Motivation auch aus seiner eigenen Lebensgeschichte, die geprägt ist von Krankheiten. 

„Ich habe mit 16 Jahren Diabetes bekommen, musste sofort auch mit Insulinspritzen arbeiten. Im Laufe der Zeit sind meine Nieren kaputtgegangen. 2005 haben sie so schlecht funktioniert, dass ich zwei Tage vor Weihnachten mit der Dialyse beginnen musste. Drei Mal die Woche, fünf Stunden pro Eingriff, später habe ich dann auf vier Stunden reduziert“, erzählt der DJ. 

Sein Leben hat das total auf den Kopf gestellt. „Ich war an den Tagen der Dialyse so kaputt und so geschwächt, dass ich überhaupt nicht mehr arbeiten konnte. Das Leben ist eingeschränkt.“ Aber: Ohne Dialyse wäre er gestorben – „der Körper wird schlichtweg vergiftet und dann stirbst du, so einfach ist das“, so Müller. Ihm ging es teilweise so schlecht, dass er 20 Meter gelaufen ist und sich hinsetzen musste, weil ihm die Kraft fehlte. 

Jahrelange Wartezeit im Schnitt

Da Müller ein Kandidat für ein Doppeltransplantat war – Niere und Bauchspeicheldrüse, aufgrund seiner Diabetes – bekam er bereits nach drei Jahren die passenden Spenderorgane. Aber: Es dauert bei uns viel zu lange, bis man ein Transplantat bekommt. „Das ist fatal, denn der Körper ist nach jahrelanger Dialyse in einem so schlechten Zustand, dass eine solche Operation ein hohes Risiko in sich birgt. Sieben bis zehn Jahre warten viele Patienten im Schnitt. 

Das ist doch einfach nur traurig“, resümiert Müller. Das ist auch der Grund, warum er diese Petition gestartet hat. „Es muss sich etwas ändern, es muss sich etwas verbessern in unserem System. Schauen Sie sich doch die Länder um uns herum an. Das Widerspruchsrecht funktioniert, die Zahlen aus beispielsweise Österreich oder Spanien beweisen das. Die Gesundheit der Menschen muss da im Vordergrund stehen.“ 

Aktuell geht es Thomas Müller ganz gut. Alle zwei Wochen muss er sich Epo – das die Bildung roter Blutkörperchen unterstützt – spritzen. „Das Mittel, was auch die Radlfahrer zum Dopen benutzen“, witzelt er. Dochfürihnist es unerlässlich, denn „ohne würde es einfach nicht gehen“. Und auf die Frage, wie lange es ihm noch „gut“ geht, zuckt er nur mit den Schultern. „Das weiß man eben nicht“. Seine Nieren funktionieren nur noch zu 15 Prozent. In absehbarer Zeit wird er eine neue Niere brauchen, so viel steht fest. Aber dann will Thomas Müller schon in Spanien sein. Dort, wo das System funktioniert, wo er womöglich nach bereits einem Jahr wieder ein vernünftiges Leben führen kann. Dort, wo er einfach nur überleben kann.

Zahlen und Fakten zur Organspende in Deutschland 

Ungefähr 10 000 Menschen in Deutschland warten auf ein Spenderorgan. 7620 davon brauchten im Jahr 2017 eine neue Niere, auf Platz zwei folgt die Leber mit 1044 Wartenden. Doch die Nachfrage kann bei uns nicht gedeckt werden. Denn es wurden im Jahr 2017 lediglich 797 Organspenden durchgeführt. Dabei sind im Schnitt 3,3 Organe pro Spender entnommen und transplantiert worden. 2012 waren es noch 1046 durchgeführte Spenden. Insgesamt wurde 2017 die Anzahl von 2765 Organe verpflanzt. Der Bedarf kann offensichtlich nicht gedeckt werden. Daher braucht es neue Regelungen.

Stichwort: Widerspruchs-Lösung

18 EU-Staaten wenden die Widersprüchslösung bereits an. Dabei ist jeder von Geburt an eingetragener Organspender und bleibt dies sein Leben lang, solange er nicht aktiv dagegen widerspricht. Bisher gilt bei uns die Entscheidungslösung, wobei jeder selbst entscheidet, ob er Organe spendet oder nicht.

Alarmierende Zahlen

Zahl der Organspender in Deutschland weiter gesunken

Dominik Laska

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