tz trifft Wahl-Münchner

Alexandre Espigares: So war meine verrückte Oscar-Nacht

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Alexandre Espigares mit seinem Oscar vor dem Siegestor.

München - Ale­xandre Espigares lebt seit 2012 in München. Am Sonntag hat er für den Animations-Kurzfilm Mr. Hublot einen Oscar erhalten. Die tz traf den Wahl-Münchner und ließ sich von seinen Erlebnissen in Los Angeles berichten.

Ist das wirklich der echte? Als Ale­xandre Espigares (36) den Oscar aus seinem Rucksack kramt und auf den Tisch im Schwabinger Café Wieners stellt, tuscheln alle Gäste. Eine Bedienung stellt ihm einen Kaffee hin. „Geht aufs Haus.“ Denn ein Vergleich mit den Fotos in der Zeitung zeigt: Der Mann in Turnschuhen und Kapuzenpulli hat Sonntagnacht mit seinem Animationsfilm Mr. Hublot (siehe unten) tatsächlich die begehrte goldene Statue gewonnen. Jetzt ist der Oscar in München! Die tz hat den Wahl-Münchner mit seiner Trophäe am Dienstag nach der Ankunft getroffen.

Nicht im Traum hätte Espigares 2010 gedacht, dass der Film ein derartiger Erfolg wird. Da hatte ihn der französische Regisseur Laurent Witz gefragt, ob er ihm bei Mr. Hublot helfen wolle. „Ich dachte, das ist eine kleine Produktion und habe vor allem mitgemacht, um Regieerfahrung zu sammeln.“ Denn bis dahin hatte der gebürtige Luxemburger nur Animation gemacht, unter anderem für Iron Man 3 und Tarzan 3D.

"Ich habe mir kurz gewünscht, dass jemand anders gewinnt"

2012 zieht Espigares nach München in die Maxvorstadt. „Meine Freundin Melanie wollte aus beruflichen Gründen hierher. Ich bin mitgegangen und habe als Freiberufler bei der Firma Arri angefangen.“ Der Film bleibt immer im Hinterkopf. Als Mitte Januar dann aber im Internet die Oscar-Nominierung übertragen wird, verpasst er sie. „Ich war gerade im Glockenbachviertel in einem Café, als mich meine Schwester anrief und mir davon erzählt hat. Da habe ich erstmal einen Hugo getrunken.“

Der Oscar-Gewinner mit Freundin Melanie in einem Café.

Dann muss es schnell gehen: Espigares nimmt sich eineinhalb Wochen frei. Er geht zu Peek & Cloppenburg und kauft seinen ersten Smoking. Beim Shopping für seine Freundin fragt die Verkäuferin, wofür ihr Abendkleid sei. „Ich glaube, die hat mir nicht geglaubt, als ich gesagt habe: ‚Für die Oscars’ …“

In der Nacht vor der Verleihung kann Espigares in seinem Hotel in Los Angeles kaum schlafen. Auf der Fahrt zum roten Teppich steigt die Aufregung. „Ehrlich gesagt, habe ich mir kurz gewünscht, dass jemand anders gewinnt, weil ich Angst vor dem Trubel hatte.“ Mit seinem Mietwagen muss er mehrere Sperren passieren. „Die haben jedes Mal Ausweis und Einladungskarte geprüft, und ich sollte den Kofferraum öffnen.“

"Ich musste nur den Oscar aus dem Autofenster halten, der galt als Eintrittskarte"

Espigares muss bei der Verleihung nicht lange warten, sein Film startet in der vierten Kategorie. „In der Werbepause davor wurden wir in eine Box neben der Bühne geführt, um zu warten.“ Als die Namen genannt werden, können er und sein Filmpartner nur kurz jubeln. „Dann musste ich vor. Mein Kopf war ganz leer, ich habe nichts um mich rum gesehen und nur daran gedacht, dass ich die Treppe in der Mitte hoch- und auf den Oscar zugehen muss.“ Oscargewinner und Megastar Matthew McConaughey drückt ihm die Trophäe persönlich in die Hand. Sein Filmpartner hält eine 45-Sekunden-Rede – und schon geht’s wieder runter von der Bühne.

Stichwort: Oscar

Der Academy Award, bekannter als Oscar, wird seit 1914 jährlich in Los Angeles verliehen. Die Trophäe ist 34,29 Zentimeter groß, besteht aus einem Nickel-Kupfer-Silber-Körper mit 24-karätiger Goldhaut und ist 3,85 kg schwer. Materialwert: etwa 300 US-Dollar.

Interviews, Fotoshootings, Champagner – schon ist Espigares mittendrin in der Maschinerie. „Beim anschließenden Governors Ball bin ich aber nicht lange geblieben.“ Mit dem Mietwagen geht’s weiter zur berühmten Vanity-Fair-Party. „Es war echt so: Ich musste nur den Oscar aus dem Autofenster halten, der galt als Eintrittskarte. Und alle Mitfahrer durften mit rein.“

Auf der Party ist Espigares plötzlich selbst der Star: „Der Schauspieler Mads Mikkelsen hat sich mit mir auf ein Foto geschmuggelt und mich gefragt, ob er den Oscar anfassen dürfe. Das war wie verkehrte Welt.“ Auch Jason Statham (Snatch, Transporter) spricht ihn auf den Oscar an. „Und als mir Glenn Close gratuliert hat, war ich wie erstarrt.“

"Ich hatte den Oscar einfach (...) in meinem Rucksack im Handgepäck"

Der Moment des Triumphs: Alexandre Espigares (rechts) mit Filmpartner Laurent Witz und Laudator Matthew McConaughey (l.).

Von der Party geht es zum Hotel – und gleich in den Flieger zurück. „Ich hatte den Oscar einfach in einen Pulli gewickelt in meinem Rucksack im Handgepäck. Die Sicherheitsleute haben im Röntgengerät nur einen massiven Gegenstand gesehen. Ich musste den Oscar rausholen – da haben mir alle gratuliert.“ In München angekommen, muss Espigares direkt ins Büro. An Arbeit ist aber kaum zu denken. „Ständig kam jemand vorbei und wollte den Oscar sehen.“

Es wird wohl noch dauern, bis der Münchner alles realisiert hat. „Ich weiß noch nicht mal, wo ich den Oscar daheim hinstellen soll.“ Und was macht der Nachwuchsstar, wenn Hollywood anklopft?? „Wir werden sehen. Wir fühlen uns in München mit seiner Isar und den Seen unglaublich wohl.“

Nina Bautz

Der Sieger-Film "Mr. Hublot"

Der Animations-Kurzfilm Mr. Hublot von 2013 ist eine französisch-luxemburgische Produktion von Laurent Witz (Zeilt Productions) und Co-Regisseur Alexandre Espigares aus München. Die Vorlagen stammen vom belgischen Künstler Stéphane Halleux. Die Hauptfigur im Elf-Minuten-Streifen ist Monsieur Hublot (Foto), der zurückgezogen in einer mechanisierten Welt lebt und zahlreiche Ticks hat. Ein Roboterhund bringt ihn schließlich dazu, seine Gewohnheiten zu überdenken. Der Film gewann bereits mehrere kleinere Festivalpreise.

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