„Nicht zu Ende gedacht“

Corona in München: OB Reiter mit dringendem Appell - eine der Notbremsen-Regeln hält er für „realitätsfern“

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter ist besorgt angesichts der Corona-Lage in der Stadt
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Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter ist besorgt angesichts der Corona-Lage in der Stadt.

Die anstehende Osterzeit wird die Menschen dazu verlocken, in Scharen nach draußen zu strömen. Münchens Stadtoberhaupt sieht Reisen „sehr kritisch“ – und ist unzufrieden.

Die Zahlen sind alarmierend: München nähert sich dem Inzidenzwert von 100 (gestern lag der Wert bei 97,3). Für die anstehenden Feiertage hat Oberbürgermeister Dieter Reiter* (62, SPD) deshalb eine dringende Bitte an alle Münchner: zu Hause bleiben!

„Auch dieses Ostern steht leider unter dem Eindruck der Pandemie. Wir sind noch nicht durch. Insofern sehe ich Reisen sehr kritisch“, sagt Reiter unserer Zeitung. Wer am Wochenende Verwandte besuchen will, darf das zwar. Doch mittlerweile gibt es in Bayern keinen Landkreis mehr, der eine Inzidenz unter 50 hat – in einigen Kreisen liegt der Wert gar über 300. Reiter sagt deshalb: „Auch wenn es schwerfällt, gilt es, Kontakte so gut es geht zu vermeiden.“ Auch an Ostern!

München-OB Reiter kritisiert Kontaktbeschränkung - „Realitätsfern und nicht zu Ende gedacht“

Steigt die Inzidenz über 100, gilt ab zwei Tage danach: Private Zusammenkünfte werden wieder auf den eigenen Haushalt und eine weitere Person beschränkt. Reiter hält die Regel, nur eine Person eines zweiten Haushalts treffen zu können, jedoch „für realitätsfern und insbesondere infektiologisch nicht zu Ende gedacht. Denn diese eine Person trifft dann ja gegebenenfalls zu Hause auf die andere Person, die nicht dabei sein durfte. Ich würde es deshalb auch bei einer Inzidenz von über 100 bei der Möglichkeit belassen, dass sich zwei Haushalte treffen können, gegebenenfalls mit reduzierter Personenzahl. Und am besten machen alle Familienmitglieder vorher einen Schnelltest, um sich möglichst sicher treffen zu können.“

Wie kommt München* mit dem Impfen voran? Nicht so schnell, wie es Reiter lieb wäre: „Wir könnten die Kapazitäten in München deutlich hochfahren, im Impfzentrum an der Messe, aber auch dezentral in den Alten- und Servicezentren. Und auch die Hausärzte stehen bereit. Aber der Impfstoff gibt eben das Tempo vor.“

München: Neue Corona-Zahlen aus dem Pflegesektor - OB forciert Testszenario als Modellstadt

Aktuelle Zahlen gibt es zu Pflegekräften: Fast alle Ärzte und zwei Drittel der Pflegekräfte der höchsten Priorisierungsstufe waren zum 26. Februar in der München Klinik geimpft. Zum 15. März hatten dort 3800 Beschäftigte ihre Impfungen erhalten. Bei Münchenstift sind 450 der 1300 Pflegekräfte geimpft. 405 Mitarbeiter waren an Corona erkrankt, 350 davon aus der Pflege. Bei den Heimbewohnern sind 1261 geimpft, 680 hatten sich infiziert. Bei anderen Münchner Pflege- und Altenheimen hatten Mitte Februar 69 Prozent aller Bewohner ihre Erstimpfung erhalten. Das geht aus einer Anfrage der CSU-Stadtratsfraktion hervor.

Stichwort München (Corona-News-Ticker*) als Modellstadt: Hier würde OB Reiter gerne „ein vorsichtiges und kontrolliertes Öffnen“ erproben. Die Infrastruktur stehe mit 100 Apotheken, privaten Testzentren und Arztpraxen bereit. Das Gesundheitsministerium muss aber noch entscheiden, ob München ausgewählt wird.

Nach dem jüngsten Gipfeltreffen ist klar: Gerade über die Osterzeit stehen Bayern noch einmal harte Tage bevor. Hier eine Übersicht der neuen Corona-Regeln für den Freistaat. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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