Fischer-Prozess: Ex-"Bild"-Reporter verurteilt

München - Im Prozess um das heimliche Sex-Video von Schauspieler Ottfried Fischer mit Prostituierten hat das Münchner Amtsgericht fünf Angeklagte verurteilt. Darunter ein ehemaliger „Bild“-Reporter, der den Film gekauft und Fischer dadurch zu einem intimen Interview genötigt hat.

Maria K.: Die Prostituierte wurde beim Sex mit Fischer gefilmt.

Ottfried Fischer zeigt nicht, was in ihm vorgeht. Nicht, als die Fotografen und Kamerateams ihn vor Prozessbeginn eine halbe Stunde lang belagern. Nicht, als andere im Gerichtssaal über seine Intimleben sprechen. Mehrere Stunden erträgt er als Nebenkläger äußerlich regungslos Aussagen darüber, wie ihn Prostituierte heimlich beim Sex in seiner Schwabinger Wohnung filmten. Wie das Schmuddel-Video dann an Wolf-Ulrich S., damals Journalist der „Bild“-Zeitung, kam, der damit Fischer zu einem intimen Interview drängte, das er sonst nie gegeben hätte. Darin berichtet Fischer, dass er sich regelmäßig mit Dirnen getroffen hat.

Fischers PR-Agentin sei ganz klar davon ausgegangen, dass eine Gegenleistung vonnöten sei, damit das Video nicht veröffentlicht werde, sagt Amtsrichter Hilmar Buch dazu. Er wird den 29 Jahre alten Redakteur am Ende des Tages zu einer Geldstrafe von 14.400 Euro verurteilen. Wegen Nötigung und – wie bei den anderen vier Angeklagten - wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Mike P., 36, Klaus-Peter H., 44, Maria K., 32, und Bianca F., 41, bekommen Geldstrafen zwischen 600 und 12.000 Euro.

Ottfried Fischer darf an diesem Tag erstmals um kurz vor vier Uhr im Gerichtssaal sprechen. Gekleidet im schwarzen Anzug und weißen Hemd nimmt er auf dem Zeugenstuhl in der Mitte des Gerichtssaals Platz und sagt: „Ich möchte mein Privatleben eigentlich nicht in der Öffentlichkeit haben.“ Natürlich habe er die Wahl gehabt, dem Exklusiv-Interview nicht zuzustimmen. Seine PR-Agentin aber habe ihm klar gemacht, dass dann seine Karriere zu Ende sei. „Denn wozu“, fragt Fischer, „Kauft eine Zeitung ein solches Video?“

Diese Frage beantwortet Wolf-Ulrich S., der inzwischen woanders arbeitet, so: Sein Informant, der Mitangeklagte Mike P., habe ihm berichtet, Fischer sei in einen Kreditkartenbetrug verwickelt, bei dem es um Prostituierte gehe. Auch die Münchner Justiz beschäftige sich damit bereits. „Bei einem so heiklen Thema habe ich darum gebeten, das Video als Beweis ausgehändigt zu bekommen“, sagt der Redakteur.

Zu keinem Zeitpunkt habe er Fischer oder dessen PR-Agentin, über die der Kontakt zum Schauspieler lief, unter Druck gesetzt. Das bestätigt auch Fischers Agentin: „Ich denke, es war eine Art Nettigkeit, mich anzurufen und mich über das Video zu informieren.“ Allerdings habe sie selbst sich schon den schlimmsten Fall ausgemalt und Fischer dann geschrieben: „Wir sind im Zugzwang, weil es das Video auf dem Markt gibt.“ Richter Buch erklärt dem Redakteur: „Solange Sie diese CD nur haben, ist das in Ordnung, aber wenn Sie sich diese CD nutzbar machen und gleichzeitig Druck machen, dann ist eben kein legaler Journalismus mehr.“

3500 Euro hat Mike P. vom Axel-Springer-Verlag für die CD mit dem Film erhalten. Und das, so behauptet er, sei erst eine Art Anzahlung gewesen. In Auftrag gegeben hatte Mike P. das Video allerdings zu einem anderen Zweck. Über seine Schweizer Kartenabrechnungsfirma hatten seine Komplizen mit gefälschten Kreditkartenbelegen von Fischer Dirnendienste abgerechnet. Sie hatten die Unterschrift des Schauspielers gefälscht und sich so so mehr als 74.000 Euro ergaunert. Die Ermittlungen zum Betrugskomplex dauern noch an.

Als Fischer die Abzocke bemerkte und reklamierte, suchte Mike P. für die Kreditkartenfirma einen Beweis dafür, dass Fischer sich mit Prostituierten getroffen hat. Maria K. und ihre in die Tükei geflohende Kollegin Jasmin H. filmten ihre Sexspiele mit Fischer. Dass Mike P. die Aufnahmen dann an die Zeitung verkaufte, sei eine „Trotzreakion“ gewesen, wegen des Ärgers mit der Kreditkartenfirma. Heute sagt er: „Der Film ist zum Glück nicht in den Medien aufgetaucht und ich hoffe, das wird auch so bleiben.“ Wolf-Ulrich S. hat die CD angeblich zerbrochen und weggeschmissen.

Otti Fischers Kommentar zu dem Urteil: "Pressefreiheit darf keine Erpresserfreiheit sein."

Bettina Link

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