Drei Jahrzehnte "Oanser"

So verändert sich das P1

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Das Studio Schwarz.

München - Am Donnerstag feiert das P1 30. Jubiläum, dabei gibt's die Promi-Disco eigentlich schon viel länger. Wir werfen einen Blick zurück auf die wildesten Geschichten aus dem "Oanser".

„Woody Allen hat einmal gesagt, ich gehe in keine Clubs, wo sie Leute wie mich reinlassen. Wenn ich nicht Michael Käfer hieße, würde mich der Türsteher des P1 wohl eher nicht reinlassen.“ Das Marketing-Tool „harte Türe“, das die Wacht am Rein ins P1 wie Damir Fister, Jan Klophaus oder Klaus Gunschmann selbst zur lokalen Prominenz machte, trug in den ersten beiden Dekaden maßgeblich zum geheimnisvollen Ruf der Nobel-Diskothek am Englischen Garten bei. In der dritten Dekade konnte man es sich nicht mehr so einfach leisten, gute und solvente Gäste mit dem „Nur für Stammgäste“-Spruch vor den Kopf zu stoßen. Franz Rauch, im dritten Jahrzehnt Geschäftsführer und nun auch mit seinen Kompagnons Florian Oberndorfer und Martin Kolonko (mittlerweile ausgeschieden) Mitgesellschafter neben Michael Käfer, macht dafür „ein nicht mehr so konsequentes Ausgehverhalten der jungen Generation wegen des zunehmenden Drucks und Studiums“ verantwortlich.

Zudem erlebt das Münchner Nachtleben, das sich zuvor eher dezentralisiert auf den Osten der Stadt mit Kunstpark Ost und Pacha konzentrierte, einen massiven Umbruch. „Den Umzug des Pacha in die Stadtmitte haben wir schon gespürt“ erinnert sich Rauch, aber das war nur der Anfang.“ Nachdem die Sperrzeit in der Innenstadt fiel, siedelten sich Dutzende Clubs und Bars an der Feierbanane an. Noch einschneidender waren für Rauch aber die neuen Kommunikationsmittel. „Früher verabredeten sich die Leute und blieben die ganze Nacht in einem Club, seit SMS und Facebook ist das eine ganz andere Fluktuation.“ Und deshalb sei das Handy Fluch und Segen zugleich. Die Macher des P1 reagierten und nahmen in den letzten Jahren allerlei Geld in der Hand, um ihrem Nimbus als Nummer Eins der Stadt gerecht zu werden. Auch wenn in Zeiten der allgegenwärtigen Medien und Leserreporter die Promis wesentlich skandalfreier wurden, Geschichte(n) lieferte das P1 auch in der dritten Dekade von 2004 bis 2014:

Disco-Theater

Alles Disco, oder was? Zumindest im P1, das im November 2009 für zehn Monate zum Discotheater wurde. Theater, weil das „Einser“ in dieser Zeit im ehemaligen Theatersaal der Kunstsammlung residierte und die Macher jedes Wochenende bis zu 30 Artisten, Darsteller und Kleinkünstler auf über 600 Quadratmetern auffuhren. Rund eine Million Euro haben sich die Wirte den Spaß kosten lassen. „Wir standen tatsächlich vor der Wahl, ob wir hier was bahnbrechendes machen oder einfach nur ein paar Bretter zusammenspaxen“, erklärte Franz Rauch. Estmals musste im P1 Eintritt gezahlt werden.  

Rückzug

Im Oktober 2010 geht’s wieder zurück ins Souterrain, kleiner, feiner, mit zwei getrennten Clubs, schwarzen Carrara-Marmorböden, Leder-Couches in den VIP-Loungen und Leder-polstern an den Wänden des kleinen Clubs. Den Vergleich mit einer stylischen Gummizelle machte Käfer persönlich. Anschnallen dürfen sich nun die Gäste, wenn der DJ die Anlage mal richtig aufdreht: 3D-Sound aus 18 Bose-Boxen und vier Subwoofern über der Tanzfläche.

„Baggy-Style”

Tramar Dillard hat’s gut. Er weiß immer, wo er zu Hause ist. Weil er seine Heimat im Namen trägt, zumindest seinem Künstlernamen, unter dem er in den USA ein Superstar der HipHop-Szene ist. Flo Rida also kam aus Florida, um mit einer kleinen, feinen Club-Tour auch das alte Europa zu erobern. Was er im P1 nicht mehr musste – das Publikum lag ihm zu Füßen. Irgendwann riss er sich das T-Shirt vom muskelbepackten Leib und präsentierte sein Rücken-Tattoo: die Umrisse seines Heimatstaates Florida. Das passende Beinkleid dazu gab’s vom Trachtenausstatter Angermaier und wurde auf der VIP-Toilette überreicht …

P1 in Garmisch

Während der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen 2011 eröffnete das P1 ein temporäres Outlet in der lokalen Kongresshalle. Und machte dabei einen guten Job. Tresen, Bar, Einrichtung wirkten, als wären sie schon immer dort gewesen. Manch Münchner P1-Stammgast dürfte das Mobiliar noch aus der Vergangenheit gekannt haben – die Fauteuils in der Lounge schmückten einst die exklusive Bar im Haus der Kunst. Selbst das Personal war „original“, einschließlich Türsteher-Legende Damir Fister, der in Garmisch sein P1-Comeback gab. Neben allerlei PR-Events rockten auch die Medaillengewinner und Garmischer das Einser in Garmisch. Kommentar Franz Rauch: supergeil.

Der Grandmaster

Die Crowd war richtig heiß, als der DJ-Großmeister um kurz vor zwei Uhr eines frühen Samstagmorgens das DJ-Pult im P1 erklomm. Im Nu hatte der Plattendreher den Dancefloor, hinter sich, schaffte den Spagat zwischen Old School und neuen Tracks, zwischen Genie und Wahnsinn. Grandmaster Flash in da House – ein 90 minütiges HipHop-Hochamt. Er habe selten zuvor vor so viel Mädels gespielt, erzählte der auf Barbados gebürtige DJ. Schon als ihn P1-Booker Row Weber drei Stunden zuvor vom Sofitel abholte, meinte Grandmaster Flash zu ihm, er müsse sich wohl noch Gedanken um sein Outfit machen, schließlich spiele er in einem „Bling-Bling Laden“. Sein Hang zur Perfektion zeigte sich bereits zuvor: eher unüblich bei DJs absolvierte Grandmaster Flash einen Soundcheck im P1.

Studio Schwarz

Mehr Credibility sollte um den Jahreswechsel 2013 her im P1, nachdem jüngst Szene-Läden wie Bob Beaman, Kong oder Yip Yab erfolgreich am Reservoir der hippen und coolen Nachwuchs-Partygänger gruben. Für die Umsetzung nahmen die P1-Chefs knapp eine halbe Million Euro in die Hand und machten das nicht mal zwei Jahre zuvor wiedereröffnete „Stüberl“, den loungigen Nebenraum des P1, zum eigenständigen „Studio Schwarz“, einem Club im Club. Für die Glaubwürdigkeit wurden an vorderster Front Charly Bravo, Frontmann der gleichnamigen Münchner Elektro-Pop-Band als Host und Captain Escalate als sein Major Domus verpflichtet.

Neue Generation

„Es ist Zeit, die Jungen ranzulassen“ sagte Franz Rauch letztes Jahr und übergab die Geschäftsführung nach 29 Jahren in die Hände seines Sohnes Sebastian und dessen Kumpel Bastian Kunzler. „Sie sind selbst Szene, jetzt müssen sie auch Szene machen.“ Goller, der zuvor Hospitality Management studierte, hatte bereits länger im P1 gejobbt und meint frei nach dem Zitat von Loriot – bei ihm ging’s um Möpse statt Nobelclub: „Ein Leben ohne P1 ist möglich, aber sinnlos.“ Rauch wollte aus dem Tagesgeschäft ausscheiden, „den Michi machen“, wie er mit Verweis auf seinen Partner Michael Käfer, der ihm das bereits vor Jahren vorgemacht hatte, sagte. Ganz weg ist er dennoch nicht, Rauch kümmert sich als Gesellschafter um die Entwicklung der Marke P1, Lizenzen für Brillen, Schuhe, Parfum und Schmuck wurden bereits erteilt. Ein Rezept zum Gelingen der Mission „Next Generation“ gab Papa Franz seinem Sohn mit auf den Weg. „Die drei wichtigsten Sachen im Club sind: erstens Mädels, zweitens Mädels, drittens Mädels.“ Der 26-Jährige macht nicht den Eindruck, als hätte er damit ein Problem. Oder, um mit Loriot zu sprechen: „Ein Leben ohne Möpse ist zwar möglich, aber sinnlos.“

P1: So waren die Jahre 1994 bis 2003

30 Jahre P1: Skandal-Partys und Promis

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