Stuttgart: Gericht will Diesel-Fahrverbot ab Januar

Stuttgart: Gericht will Diesel-Fahrverbot ab Januar

Wir erinnern uns

30 Jahre P1: Skandal-Partys und Promis

+
Das P1 hat seinen Namen von seiner Adresse: Prinzregentenstraße 1.

München - Am Donnerstag feiert das P1 30. Jubiläum, dabei gibt's die Promi-Disco eigentlich schon viel länger. Wir werfen einen Blick zurück auf die wildesten Geschichten aus dem "Oanser".

„In zu sein, ist eine momentane Erscheinung, der Beste zu sein, ist eine Kunst.“ Das Zitat des ehemaligen P1-Wirts Alecco aus den 1960er-Jahren ziert mit seinem Foto die Einladung zum 30. Jubiläum des Münchner Nobelclubs am kommenden Donnerstag. Dabei gibt’s das „Oanser“ – oder „Stüberl“, wie der Club im Haus der Kunst von Gästen auch genannt wird – schon erheblich länger.

Seit 1949 das „P One“ von der amerikanischen Armee als Offiziersmesse mit Speisen, Getränken und Tanz“ öffnete, wird am Rande des Englischen Gartens getrunken und sich rhythmisch bewegt. Alecco führte das P1 dann in den Sechzigern als „fideles Atelierrestaurant“ zur ersten Adresse der Stadt. Nach mehreren Betreiberwechseln macht Feinkostmogul Gerd Käfer seinem Sohn Michael am 20. März 1984 die Diskothek als Geschenk zum 25. Geburtstag, nebst 50 000 Mark in bar und der Aufforderung: „Mach was draus“.

Micaela Schäfer: Busen-Blitzer beim P1-Sommerfest

Micaela Schäfer: Busen-Blitzer beim P1-Sommerfest

Der „Michi“ machte was draus – als Vorbild diente ihm das legendäre Studio 54 in New York. Internationale Promis, hübsche Mädchen, aufsehenerregende Mottoparties, Skandälchen und künstliche Angebotsverknappung durch autoritäre Türsteher („Ihr kommt hier nicht rein“ – „Aber wir sind doch die Scorpions“ – „Eben drum“) bescherten dem P1 Attribute wie „Nahkampftempel“ oder „Körperdisco“ – sowie laut Umfrage einen Bekanntheitsgrad von 86 Prozent bei allen Deutschen. Wir blicken zurück auf drei Dekaden. Heute: 1984 bis 1993.

Biesel-Berger

Einer der besten und bekanntesten Stammgäste in den 80ern war Helmut Berger. Der Visconti-Star kam mehrmals in der Woche zum Feiern ins „Einser“, hatte seinen Stammplatz an der Bar von Lothar, gleich bei der Toilette. Berger, dem der Ruf unberechenbarer Star vorausging, machte von dieser Nähe nicht immer Gebrauch. „Einmal hat er einfach die Hose geöffnet und an den Tresen gepinkelt, war nicht zu übersehen“ erzählt der ehemalige P1-Chef Franz Rauch. Ob Berger danach des Etablissements verwiesen wurde, daran kann sich der Gastronom nicht mehr erinnern …

Massenschlägerei mit Campino

Dass Hosen-Frontmann Campino mit einer guten Stimme und einer denkwürdigen Rechten gesegnet ist, kann der damalige Türsteher Klaus Gunschmann bestätigen. Ein Barkeeper hatte ihn alarmiert, weil sich ein paar Punks mit Spielhallenbetreibern in die Wolle bekommen hatten. „Auf dem Balkon war die Schlägerei in vollem Gange, ich mittenrein, als mich plötzlich eine Faust zwischen die Augen traf“ erinnert sich Gunschmann: „Jeder schlug sich mit jedem, auch die Jungs von der Münchner Freiheit mischten mit, ein Barkeeper fiel vom Balkon, es sah irgendwie aus wie in einem Terrence-Hill-&-Bud-Spencer-Film.“ Das Treiben beendete ein hünenhafter Stadtindianer, der mit seinem Bowie-Messer (40 Zentimeter-Klinge) drohte. Die Erscheinung ließ sie das Kriegsbeil begraben, „gegen vier Uhr lagen sich Campino, die Toten Hosen und die Münchner Freiheit bei einer Flasche Feuerwasser wieder in den Armen.“

Die Kreuzigung

Eine der aufwendigsten Mottopartys im P1 war das Römerfest 1993. Dem Dresscode gehorchend in weiße Togas gehüllt, lagen die Gäste auf aus Obstkisten gezimmerten Liegen, Schwabinger Studentinnen gaben sich als laszive Römerinnen aus, es war die reine Pracht mit Weib, Wein und Wodka. Aufmacher der Zeitungen am nächsten Tag war aber nicht der Nippelblitzer eines Starlets, sondern ein Schwabinger Student, der sich für 200 Mark an ein drei Meter hohes Holzkreuz zurren ließ und von oben den ausgelassensten Partygästen dabei zusah, die sich, animiert vom Softporno Caligula im Hintergrund, gegenseitig die Togen vom Leib rissen. Der Empörung samt Blasphemie-Vorwurf des bayerischen Klerus wurde wenige Tage später mit einer üppigen Spende an eine kirchliche Einrichtung begegnet.

Alles Penner?

Noch so ein Aufreger, als Michael Käfer das P1 für ein Sommerfest in ein Obdachlosenlager verwandelte. Das Motto „Clochard“ wurde in der darauf folgenden Berichterstattung, die mit Empörung nicht geizte – den Ausdruck „Shitstorm“ gab es damals noch nicht – durch „Penner-Party“ ersetzt. Weil die Gäste das Thema angesichts ihrer mit teuren Designer-Fummeln bestückten Kleiderschränke nicht umzusetzen konnten, wurde von einer Altkleidersammlung eigens ein voller Wagen geordert, Käfer selbst ließ sich ebenfalls nicht lumpen und kleidete sich in dieselben. Schampus trinkende Schickimickis spielen Penner – das kam in der Öffentlichkeit gar nicht gut. „Hätten wir vorher mal drüber nachdenken sollen“, sagt Franz Rauch heute dazu.

Prinz und Starlet

Daniel Fiedler ist noch immer überzeugt: Fürst Albert sei sein Vater. Vor acht Jahren machte der 26-Jährige öffentlich, was vorher bereits getuschelt wurde. Prinz Albert, den hinter vorgehaltener Hand alle „Prinz Lustig“ nannten, soll sich im Einser 1986 mit dem Starlet Bea Fiedler so prächtig verstanden haben, dass daraus im Anschluss im Hotel Vierjahreszeiten ein Daniel entstanden sei. Albert hat das stets bestritten und 1992 mit einem negativen Vaterschaftstest auch unter Beweis gestellt. Der aber noch immer von den fidelen Fiedlers angezweifelt wird.

Avram und Turner

1988 brachte die Ähnlichkeit des Musik-Impressarios Marcel Avram zum Bildnis eines bartlosen Manns von Hans Maler zu Schwaz das P1 in eine böse Bredouille. Avram feierte in der Nobel-disco seinen 50. Geburtstag, das Geburtstagsständchen sang – Tina Turner! Am Schluss regnete es von der Decke jede Menge 500-Mark-Scheine. Der Haken: die Dinger waren nicht echt, sondern kopiert, statt dem Bildnis des Bartlosen zierte die Blüte das Porträt von Marcel Avram. Ein Gast, der sich einen Schein als Souvenir mitnahm, zahlte damit tags darauf in einem Lokal. Die Polizei ermittelte. „Wir mussten den Müll der Nacht durchsuchen und die Kopien alle vernichten, das waren zusammen mehrere Millionen,“ sagt Rauch.

Whitney Houston

P1-Chef Franz Rauch sieht es noch vor sich. Die Szene, als ein sehr hübsches, aber sonst unscheinbares Mädchen sich in seinem Büro umzog, weil sie zuvor in einen Regenguss geriet. Stunden zuvor hat er mitgeholfen, eine Bühne in dem Club zu bauen, dem er schon 1985 als Geschäftsführer vorstand. Alles für einen Auftritt, der Musikgeschichte schreiben sollte, den ersten von Whitney Houston in Europa. „Das war ein Megaevent, der Monti Lüfter hatte richtig Gas gegeben und alles, was hier Rang und Namen hatte, eingeladen.“ Der damalige P1-Türsteher Jan Klophaus erinnert sich ebenfalls an die denkwürdige Nacht: „Es war ein Donnerstag, und wir waren etwas genervt. Eine Platten-Promotion einer unbekannten Sängerin in den heiligen Hallen des P1, das war eigentlich unter unserer Würde.“ Das änderte sich schlagartig. „Nach drei, vier Nummern waren wir total von den Socken, die Gäste johlten, und wir wussten, da wurde gerade ein Weltstar geboren …“

Mick Jagger

Dass Mick Jagger vor allem in den 80ern Stammgast im P1 war, hatte mehrere Gründe. Weil er mit den Stones in den legendären Musicland-Studios von Giorgio Moroder am Arabellapark zu dieser Zeit gerne seine Platten aufnahm, verbrachte er Monate in München. Das bevorzugte Jagdrevier in dieser Zeit: Das Einser, wegen der Mädels, die Jagger reihenweise abgeschleppt haben soll. Eine soll es ihm dabei besonders angetan haben, „da kann man schon sagen, dass die mit einander so was wie liiert waren“, erinnert sich Rauch …

Thomas Osswald

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
Ganz schön schräg: Palme löst Polizeieinsatz auf Odeonsplatz aus
Ganz schön schräg: Palme löst Polizeieinsatz auf Odeonsplatz aus

Kommentare