Park-Chaos im Kieferngarten

Stadt lehnt Pläne des FC Bayern ab

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Staus und Parkplatz-Diebe: Die Anwohner am Kieferngarten sind vom Parkplatztourismus genervt.

Wie kann man die Anwohner am Kieferngarten vor Park-Chaos an Fußballspieltagen schützen? Zufahrtskontrollen, wie sie der FC Bayern vorschlägt, lehnt die Stadt ab. Das sind ihre Pläne.

München - Es ist ein Dienstagabend, gegen 19 Uhr. In zwei Stunden bestreiten die Kicker des FC Bayern in der Allianz Arena ein DFB-Pokalspiel. Knapp zwei Kilometer südwestlich am Kieferngarten ist jetzt schon Hochbetrieb. Autokolonnen fahren langsam durch die Straßen. Ein Audifahrer wendet hektisch, rangiert seinen Wagen in einen der begehrten Parkplätze. Er steigt aus und legt sich seinen Bayern-Schal um.

Eine typische Szene am Kieferngarten vor Spielen des FC Bayern. Die U-Bahn-Station ist der letzte Halt vor der Allianz Arena, und viele Anhänger parken ihr Auto im angrenzenden Wohngebiet. Ein Dauerärgernis für die Anwohner, das der FC Bayern mit Anwohner-Wapperln und Zufahrtskontrollen aus der Welt schaffen wollte. Der Verein hätte sogar die Ordner gestellt. Bezirksausschuss und FC Bayern, das zeigte sich bei einem Treffen am Dienstagabend, stehen weiterhin zu dieser Lösung. Doch die Stadt lehnt sie ab. „Für die Kontrolle von Zufahrtsberechtigten existiert keine Rechtsgrundlage“, hieß es. Die Stadtverwaltung will stattdessen Parkverbotszonen optimieren und Parkschutzbügel aufstellen.

Erste Verbesserungen greifen schon

Für einige Anwohner hat sich die Situation bereits verbessert. Zum Beispiel für Christian Rieder, der rauchend an seinem Gartentor am Pinienweg steht. „Seit vergangenen November herrscht hier ein komplettes Halteverbot“, und nur Anwohner dürfen durchfahren“, berichtet er. „Davor parkten die Fans vor den Einfahrten der Anwohner. Das hat extrem gestört.“

Theo Halvatzis musste sich selbst helfen. Er besitzt seit mehr als 20 Jahren einen Tante-Emma-Laden an der Wirtsbreite. Im Geschäft hängt eine Griechenland-Fahne. Die Fans parkten bis zur Stufe an der Ladentür. Auch ein Parkverbotsschild und eine Absperrkette hinderten sie nicht. „Die Kette haben sie mir mal kaputt gemacht“, sagt Halvatzis. Natürlich könne er die Falschparker von seinem Privatgrund abschleppen lassen, sagt der Geschäftsmann. „Aber dann muss ich zunächst einmal für den Abschleppdienst zahlen.“ Sich das Geld zurückzuholen, sei ihm zu viel Aufwand. Ein Parkschutzbügel, wie von der Stadt vorgeschlagen, könnte helfen, glaubt Halvatzis. Zusätzlich fordert er höhere Strafen für Falschparker.

„Parkplatztourismus“ nervt Anwohner

Seit zehn Jahren schon nerve sie der „Parkplatztourismus“, schimpft Anwohnerin H. Haubenreich. „Sie nehmen uns Parkplätze weg, stellen sich vor Einfahrten und sind in der Nacht laut“, beschwert sie sich. Nach den Spielen lägen regelmäßig Zigarettenstummel und Bierflaschen vor ihrem Haus. Doch immerhin, so gibt Haubenreich zu, versperren die Autos nicht mehr den Gehweg. Früher habe sie oft auf der Fahrbahn zu ihrem Haus laufen müssen. Ab und zu, so erzählt sie, hätten ihr Fans Geld angeboten, um in ihrer Einfahrt parken zu dürfen. Haubenreich lehnte ab. Zufrieden ist sie bis heute nicht mit der Situation.

Die Gegend am Kieferngarten ist für Bayern-Fans ideal. Zur U-Bahn brauchen sie nur wenige Minuten zu Fuß, manche laufen sogar zum Stadion. Andere holen ihre Fahrräder aus dem Kofferraum und radeln zur Arena. Und nach dem Spiel stehen sie nicht im Parkhausstau.

Fans kommen sogar aus Wernigerode

Strafe zahlen müssen die ungeliebten Besucher nur, wenn sie falsch parken und erwischt werden. „Und dann kostet es auch nur zehn Euro wie im Arena-Parkhaus“, sagt Anwohner Rieder.

Ein Auto mit Biberacher Kennzeichen fährt rasant durch den Pinienweg. Eines von vielen, die durch FCB-Embleme am Kennzeichenträger, Aufkleber am Kofferraumdeckel und Schals im Innenraum leicht der Fangemeinde zuzuordnen sind. Die Autos kommen aus Heinsberg, Garmisch-Partenkirchen oder Wernigerode. Vom SUV bis zum Smart ist alles dabei.

Die Meinungen im Viertel sind geteilt. Während Anwohnerin Gabriele Schweigert die Idee mit dem Park-Wapperl für übertrieben hält, kämpft Werner Lederer-Piloty, der Chef des Bezirksausschusses, leidenschaftlich dafür. „Warum“, so fragt er, „soll das, was in Köln funktioniert, nicht auch in München möglich sein?“

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