Park-Irrsinn! Kontrollverbot für zugeschneite Autos

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Strafzettel dürfen an diesen Autofahrer nicht verteilt werden. Grund: Zu viel Schnee auf der Scheibe

München - Die Münchner Park-Wächter dürfen Auto-Scheiben nicht vom Schnee befreien. Die Zurückhaltung vor allem in den Anwohnerparkgebieten hat einen unglaublichen Grund.

Zugeschneite Dächer, Straßen und Gehwege: Der Winter hat München fest im Griff – und wird auch die kommenden Tage für Schneefall sorgen. Über die weiße Pracht freuen sich viele: Kinder, die die Rodelbergerl stürmen, Spaziergänger an der Isar – und Wintersportler, die in die Berge fahren. Auch die Autofahrer in München können sich freuen – sofern sie parken. In den Parklizenzgebieten der Stadt gibt’s jetzt quasi die Lizenz zum Dauerparken. Die städtischen Überwacher kontrollieren nämlich bei zugeschneiten Autos nicht, ob ein Parkschein oder ein Anwohnerausweis hinter der Frontscheibe liegt!

Die städtische Zurückhaltung vor allem in den insgesamt 57 Anwohnerparkgebieten hat einen unglaublichen Grund. „Wenn die Parküberwacher den Schnee von der Scheibe räumen, würden sie möglicherweise eine Sachbeschädigung begehen“, erklärt ein Sprecher vom Kreisverwaltungsreferat (KVR). Deshalb drücken die Damen und Herren der Parküberwachung derzeit beide Augen zu. „Ihre Tätigkeit beschränkt sich auf offensichtlich falsch geparkte Autos.“ Also auf Fahrzeuge, die beispielsweise auf Gehwegen und zu nah am Zebrastreifen parken – oder Kreuzungen zustellen. „Die Kennzeichen sind ja meistens lesbar“, sagt der KVR-Sprecher.

Auch bei missachteten Straßenmarkierungen, die wegen Schnees nicht sichtbar sind, werden die Parküberwacher nicht tätig. Anders sieht es hingegen bei Autos aus, die im Halte-oder Parkverbot stehen – in diesem Fall schreiten die Überwacher indes schon ein. Da schützt ein mit Schnee bedecktes Auto vor Strafe nicht. Auch nicht, wenn ein Fahrzeug freigeräumt und widerrechtlich auf einem Anwohnerparkplatz steht oder ohne Parkschein abgestellt ist. In solchen Fällen muss ebenfalls mit einer Verwarnung gerechnet werden.

Die Münchner Polizei hingegen ist bei zugeschneiten Autos nicht so zimperlich. Besonders, wenn Autos beispielsweise auf einem Behindertenparkplatz stehen. „Da schauen wir schon genau hin, räumen auch den Schnee von der Scheibe“, sagt Polizeisprecher Peter Beck.

Die städtische Parküberwachungspraxis stößt nicht immer auf Verständnis. „Ein zugeschneites Auto kann doch kein Freibrief sein“, schimpft ein Anwohner mit Ausweis, der gerade eine Viertelstunde einen Parkplatz gesucht hat.

Jacob Mell

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