Parkhaus-Mörder schimpft gegen Justiz

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Justizbeamte bringen den ver­urteilten Benedikt T. ins Gericht - er trägt Fußfesseln

München - Benedikt T. schimpft vor Gericht auf die Justiz. Seine Familie glaubt weiter an die Unschuld des 36-Jährigen - und hofft, dass das Verfahren neu ­aufgerollt wird.

Während des Prozesses um den Mord an der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer hatte er eisern geschwiegen. Jetzt steht Benedikt T. (36) wieder vor Gericht und redet wie ein Wasserfall. Sein Bruder Mate hat den zu lebenslanger Haft verurteilten Benedikt auf „Erbunwürdigkeit“ verklagt, um das riesige Vermögen für die Familie zu retten. Der wiederum nutzt den neuen Prozess jetzt zu einem Rundumschlag gegen die Justiz. Das damalige Verfahren habe der 36-Jährige als „fortgesetzte Exekution“ erlebt, das Straf­urteil sei ein „Pamphlet aus Lügen, Halbwahrheiten und Fantastereien“ und der aktuelle Prozess um seine Erbunwürdigkeit sei der „perversen Rechtslage“ geschuldet, so der beklagte Häftling. 

Vom Mai 2007 bis August 2008 hatte der Prozess gegen Benedikt T. gedauert, der mit einem mehrwöchigen Hungerstreik gegen das als ungerecht empfundene Justiz-Vorgehen protestiert hatte. Nach 90 Verhandlungstagen wurde er für schuldig befunden, seine 59-jährige Tante am 15. Mai 2006 durch zwanzig heftige Schläge auf ihren Kopf mit einem schweren Gegenstand getötet zu haben. Das Motiv sei Habgier gewesen, so Richter Manfred Götzl. „Seine Lebensplanung war auf die Übernahme der Parkgarage gerichtet.“ Der Angeklagte habe alle hinsichtlich seines Jura-Studiums belogen. Als Charlotte Böhringer von der Lüge ihres Neffen erfuhr, habe sie ihn enterben wollen.

Mit dem Urteil erklärte das Strafgericht den Erbanteil von Benedikt T. für „verfallen“. Damit würde die Hälfte des Immobilien-Imperiums von Charlotte Böhringer dem Staat gehören. Das kann Mate T. nur verhindern, indem er seinen Bruder für „erbunwürdig“ erklären lässt.

In Wirklichkeit geht es der ­Familie, die an die Unschuld des 36-Jährigen glaubt, in diesem Prozess darum, dass das Verfahren neu ­aufgerollt wird. Wenn sich ein Zeuge in Widersprüche verstrickt, ­besteht nämlich die Chance einer neuen Beweisaufnahme. Benedikt T. wird jedenfalls nicht müde, den Mordverdacht auf andere zu lenken. Etwa auf den damaligen Vize-Geschäftsführer Chris­topher W. Dieser habe als Zeuge gelogen. Und, so behauptet T.: „Sein Alibi stimmt nicht.“ Der Prozess geht weiter.

Eberhard Unfried

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