Parkhaus-Mord: Wenn die Hand des Mörders erlahmt ...

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Benedikt T. ist angeklagt, seine Tante, die Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer, erschlagen zu haben.

Im Prozess um den Mord an der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer († 59 ) gab es Donnerstag eine dicke Überraschung.

Ein Beweisantrag, der zur Entlastung des Angeklagten Benedikt T. (33) dienen sollte, erwies sich als Bumerang! Hat der Mörder mit der rechten oder linken Hand die mindestens 24 wuchtigen Schläge gegen den Schädel der Opfers geführt? Die Beantwortung dieser Frage hat sich die Familie des Angeklagten einiges kosten lassen: Mit Hilfe von dreidimensionalen Aufnahmen durch Kriminal-Experten aus der Schweiz wurde festgestellt, dass die letzten Schläge mit einem scharfkantigen Gegenstand gegen das bereits am Boden liegende Opfer mit der rechten Hand geführt wurden. Benedikt T. jedoch ist Linkshänder. Kann er also gar nicht der Mörder sein?

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Er kann doch, meinte Oberstaatsanwalt Martin Kronester in seinem Schlussvortrag am 11. Juli: „Auch ein Linkshänder kann von 24 Schlägen fünf mit der rechten Hand führen.“

Benedikt T.’s Verteidiger Peter Witting und Stefan Mittelbach verneinten dies. Sie griffen in ihren 38 Hilfsbeweisanträgen auch dieses Thema auf. Das Schwurgericht ging dem nach: Der Psychiater Professor Thomas Jahn vom Klinikum rechts der Isar untersuchte den Angeklagten. Er kam zu dem Schluss, dass Benedikt T. zwar Linkshänder ist, aber auch manchmal die rechte Hand bevorzugt. Außerdem hat der Angeklagte rechts fast so viel Kraft wie links.

Eine „grobmotorische Handlung“ wie das Zuschlagen erfordere kein hohes Maß an zusätzlicher Konzentration, sagte Jahn auf Nachfrage Wittings. Und: Bei 20 wuchtigen Schlägen werde eine Hand ermüden, deshalb sei es durchaus denkbar, dass der Täter das Mordwerkzeug in die andere Hand nimmt. Das gehe automatisch, betonte Jahn: „Darüber muss man nicht nachdenken.“ Das heißt: Ein Linkshänder nimmt erst die linke Hand, und wenn diese ihm durch das heftige Zuschlagen weh tut, nimmt er automatisch die rechte! Das passt zum festgestellten Spurenbild.

Das Schwurgericht schloss gestern die Beweisaufnahme ab. Der für Freitag geplante Prozesstag entfällt. Am kommenden Dienstag soll nun erneut plädiert werden. Offen ist, ob die Verteidiger neue Anträge stellen. Ein Termin für die Urteilsverkündung steht noch nicht fest.

Quelle: tz

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