"Schranke schlug auch mir auf den Kopf"

Parkplatz-Irrsinn am OEZ: Weiteres Opfer klagt an

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„Genau hier war’s.“ Rentnerin Elvira Marquardt (82) zeigt die Schranke am OEZ, die ihr im vergangenen Jahr auf den Kopf schlug.

München - Diese fiese Schranke! Elvira Marquardt ist empört. Auch die Rentnerin wurde von der Parkplatz-Schranke getroffen, war zeitweise bewusstlos. Wer ist schuld daran?

 „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schnell dieses Ding heruntersaust. Man hat ja überhaupt keine Chance, sich zu retten“, sagt die Rentnerin. Auch sie wurde Opfer des „Schlagbaums“ am Olympia-Einkaufszentrum, der scheinbar willkürlich und ohne Vorwarnung auf Fußgänger herunterkracht (tz berichtete). Auch Elvira Marquardt trifft die Schranke mit voller Wucht, als sie darunter durchläuft. „Es tat furchtbar weh. Ich ging sofort zu Boden und war sekundenlang bewusstlos“, erzählt sie. „Ein paar Fußgänger haben mir dann aufgeholfen. Ich hatte starke Schmerzen am Kopf, Blutergüsse am Knie und meine Kleidung war zerrissen.“

Doch wer ist schuld? Erst als die Rentnerin vom Gerichtsprozess von Wolfgang Oberbacher hört, kommt ihr der Unfall seltsam vor. Mittlerweile ist sie sicher: „Diese Schranke ist gefährlich.“ So sieht es auch der Gröbenzeller Unternehmer - ihm schlägt es gar die vordere Zahnreihe heraus, als der Schlagbaum ihn am Kopf trifft. Erfolgreich verklagt er Grundstücksbetreiber Pollux GmbH (sitzt in Hamburg). Donnerstag das Revisionsurteil vor dem Oberlandesgericht München (AZ: 1 U 1882/12): Oberbacher erhält 1000 Euro - aber nicht als Schmerzensgeld, sondern als Vergleichssumme aus Kulanzgründen. Im Klartext: Er hat den Prozess nicht gewonnen. Kurios, denn: Eigentlich lösen die Vorderreifen eines Autos den Mechanismus aus, die Hinterreifen schließen die Schranke wieder. „Wie soll ich das also selbst ausgelöst haben?“, hadert er.

Den Richtern ist’s egal. „Fußgänger haben auf diesem Lieferantenweg nichts zu suchen“, lautet ihre Begründung. Kläger-Anwalt Florian Haußleiter bereitet das Urteil Zahnschmerzen: „Die Verkehrssicherungspflicht wurde zwar verletzt, das Verschulden des Betreibers aber nicht bewiesen.“ Oberbacher muss weiter in den sauren Apfel beißen: „Da ist was faul. Von dem Geld kann ich ja nicht mal annähernd die Zahnarztkosten bezahlen.“

Andreas Thieme

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