Von wegen laute Feierbanane

Party-Macher macht Hausbesitzerin ein Angebot

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Die umstrittene Wohnung: Sie liegt in diesem Haus an der Ottostraße

München - Wohnen an der Feierbanane – geht das wirklich nicht? Münchens Nachtclub-Besitzer sind überzeugt davon, dass es genug Leute gibt, die die zentrale Wohnlage trotz des nächtlichen Lärms schätzen.

 „Wir denken nicht, dass die Lage alle Interessenten abschreckt“, sagt Mathias Scheffel, Gesellschafter vom Pacha und Max&Moritz. Rechtsanwalt Richard Beyer, der eine Hausbesitzerin vor Gericht vertritt, pflichtet sogar bei: „München braucht ein Nachtleben.“

Der Konflikt zwischen einer Hausbesitzerin in der Ottostraße und dem städtischen Wohnungsamt wurde vor dem Verwaltungsgericht ausgetragen (siehe unten). Die Frau findet seit eineinhalb Jahren für eine 90-Quadratmeter-Wohnung keinen Mieter und will die Fläche deshalb gewerblich vermieten. Gegen diese „Zweckentfremdung“ wehrte sich die Behörde, da wertvoller Wohnraum vernichtet werde. Anwalt Beyer sagt allerdings: „Niemand ist bereit, eine Wohnung zu mieten, in der man nachts nicht schlafen kann.“

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

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Mathias Scheffel

Mathias Scheffel macht der Hausbesitzerin, einer Münchner Konsulin, jetzt ein Angebot: „Wir bieten der Eigentümerin an, für sie als Makler tätig zu werden und die Wohnung innerhalb von drei Monaten zum gewünschten Mietzins von 12,40 Euro netto Kaltmiete zu vermieten.“ Er werde Interessenten finden, die die zentrale Lage mit kurzen Wegen zu schätzen wissen, so Scheffel. Und: „Eine Maklercourtage würden wir nicht verlangen. Stattdessen würden wir die neuen Mieter bitten, ein Drittel einer Monatsmiete an Condrobs zu spenden. Condrobs ist seit Oktober 2012 mit Streetworkern entlang der Feiermeile präsent.“

Was sagt Richard Beyer zum Vermittlungsangebot? Der Anwalt zur tz: „Sie können gerne probieren, die Wohnung zu vermieten.“

Eberhard Unfried, ­Thomas Osswald

Wohnen als Ausnahmefall: Der Prozess

Die Besitzerin des Hauses an der Ottostraße wollte mit dem Prozess vor dem Verwaltungsgericht ein so genanntes Negativattest durchsetzen: Eine amtliche Bescheinigung, dass Wohnen auf bestimmten Flächen nicht zumutbar ist. Dann kann Wohnraum gewerblich vermietet werden. Die Behörden hatten sich erst geweigert – mit der Begründung, Wohnraum in München sei ohnehin viel zu knapp. Das Verwaltungsgericht stellte aber klar: Das Gebiet um die Feierbanane zwischen Sendlinger Tor und Maximiliansplatz ist als Kerngebiet ausgewiesen, dort ist Wohnen nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Ebu

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