Lärmbelastung und Dreck

Entwarnung nach Party-Chaos am Gärtnerplatz? Anwohner schildern, was ihnen immer noch gewaltig stinkt

Das Flaschenverbot wird nicht eingehalten, monieren immer noch viele Anwohner des Gärtnerplatzes.
+
Das Flaschenverbot wird nicht eingehalten, monieren immer noch viele Anwohner des Gärtnerplatzes.

Nach den Exzessen zuvor verlief der Sommer 2021 am Hotspot Gärtnerplatz, auch wegen des Wetters, ruhiger – die Anwohner sind dennoch unzufrieden. Denn unappetitlich geht es hier immer noch zu.

München - Es hätte viel schlimmer kommen können, so der Tenor der Politiker aus dem Bezirksausschuss (BA) Ludwigs-/Isarvorstadt. Im April hatten noch extrem viele Menschen den Gärtnerplatz bis morgens zur Open-Air-Kneipe gemacht. Es kam, wie bereits im Corona*-Sommer 2020, zu Räumungen. Zeitweise gab es Alkoholverbote. Insgesamt lief der diesjährige Sommer dann entspannter ab, obwohl Clubs nach wie vor geschlossen waren

Doch viele Konflikte und Zumutungen für die Anwohner sind geblieben. Was nützt ein offizielles Glasflaschenverbot, wenn sich niemand daran hält? „Null Information und Austausch, das ist wirklich ein absolutes Unding für die Anwohner rund um den Gärtnerplatz“, beklagte Andreas Klose (Rosa Liste) bei der Diskussion im Sommerausschuss des BA. „Die Verwaltung schaffte es leider nicht, mit Handzetteln, online oder überhaupt bekannt zu geben, welche Maßnahmen hier getroffen werden und wie der Stand der Dinge ist. Das ist mehr als schade.“

Corona-Pandemie in München: Stadt erlässt Glasflaschendepot am Gärtnerplatz

Zwar hat die Stadt hier und an anderen Feierpunkten das temporäre Alkoholverbot Ende Juni in ein Glasflaschen- und Krügeverbot umgewandelt, aber viele Flaschen wurden dennoch achtlos zurückgelassen und auch mutwillig laut zerdeppert, besonders nach Mitternacht.

„Stetige Polizeistreifen an warmen Sommerwochenenden müssen sein“, forderte deshalb Andreas Siebel (FDP). „Das kann man den Ordnungskräften zumuten, es sind ja nur wenige Tage im Jahr.“ Die Dauerpräsenz geht den anderen Lokalpolitikern zu weit, das sei personell unrealistisch. Deshalb stellt man sich vor, dass die Konfliktmanager von AKIM (Allparteiliches Konfliktmanagement in München) das Thema mit übernehmen. „Man kann die Leute doch einfach auffordern, ihre alkoholischen Getränke in andere Gefäße umzufüllen“, meinte Dagmar Modrow (Linke).

Gärtnerplatz-Anwohnern stinken Wildbiesler gewaltig

Hedwig Thomalla, Sprecherin des Sozialreferats, sagt dazu: „Schon bisher haben die AKIM-Honorarkräfte am Gärtnerplatz regelmäßig auf das Glasflaschenverbot hingewiesen. Die meisten haben daraufhin ihre Flaschen ausgetrunken, zur Seite gestellt oder sind kurzzeitig in die Seitenstraßen gegangen.“ Grundsätzlich aber müsse die Polizei Ordnungswidrigkeiten ahnden und das Glasflaschenverbot durchsetzen.

Zwischen Autos, in Einfahrten und Höfen: Wo immer es auch nur mäßigen Sichtschutz gibt, wird uriniert und mehr. Eine Zumutung, die den Anwohnern gewaltig stinkt, wie zahlreiche Bürger immer wieder beklagen. Heuer hat es zwar wieder mobile Toiletten am Gärtnerplatz gegeben und auch eine Beschilderung, wo man diese findet. Aber: „Die Schilder sind besonders nachts kaum zu sehen“, so Klose. Jahrelange Bemühungen um eine dauerhafte öffentliche Toilettenanlage am Platz oder in dessen Nähe sind angesichts unzähliger Verwaltungshemmnisse eingeschlafen.

„Wir hatten Glück, dass gerade der Juni und auch August eher kalt und verregnet waren. Und viele sind lieber nachts nach Schwabing gegangen, wo es extrem zuging“, so Klose abschließend. Das ändere aber nichts daran, dass Kommunikation mit den Anwohnern stattfinden müsse. Der Gärtnerplatzsommer sei kein Zufallsereignis. (Bettina Ulrichs) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

tz.de-Kolumnist Flaucherfranzl kann ohnehin nicht nachvollziehen, was die Münchner an diesem Rondell finden. In seinem Beitrag schimpft er: „Zwischen Dixi-Klos und Plastikmüll bleibt nicht mehr viel vom Flair der „nördlichsten Stadt Italiens.“

Auch interessant

Kommentare