Gleich mehrfach Grund für Ärger

Pasing Arcaden: Kunden vollkommen entnervt

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Gutscheine kaufen und einlösen: Das bereitet so manchem Kunden in den Pasing Arcaden ziemliche Schwierigkeiten.

München - Ein Gutschein ist doch ein praktisches Geschenk, denken sich viele Münchner. Und verschenken eine Guthabenkarte der Pasing Arcaden. Doch das Einlösen entwickelt sich für viele zum Spießrutenlauf.

Dass es so schwer sein könnte, einen Gutschein einzulösen, hätte sich Angelika T. (56) nie gedacht. Eigentlich wollte sie sich nur ein Geburtstagsgeschenk in den Pasing Arcaden aussuchen. Doch das entwickelte sich zu einem Spießrutenlauf.

Drei Gutscheinkarten des Shopping-Centers hat die Gröbenzellerin zu ihrem Geburtstag von Arbeitskollegen geschenkt bekommen. In einem Bekleidungsgeschäft der Arcaden wollte sie die dann einlösen. Doch es tauchte das erste Problem auf. "Die Verkäuferin hat gesagt, sie muss wissen, wie viel Guthaben auf den Gutscheinen ist", sagt T.

Doch das kann die 56-Jährige nicht sagen: Die Gutscheine waren schließlich ein Geschenk. "Dann müssen Sie eine Hotline anrufen", gibt ihr die Verkäuferin zu verstehen. Das sieht T. nicht ein - und geht zum Informationsschalter der Pasing Arcaden. 

Dort haben ihre Arbeitskollegen ihren Gutschein gekauft. "Auch da hat die Mitarbeiterin gesagt, das wäre nicht ihr Problem. Ich soll die Hotline anrufen", sagt T. Erst als die Gröbenzellerin darauf besteht, zu erfahren, wie viel Geld auf den Gutscheinen ist, sieht die Mitarbeiterin für sie nach.

Jeweils 20 Euro hat T. auf ihren Gutscheinkarten. Und geht damit zurück in das Bekleidungsgeschäft. Eine Hose für rund 70 Euro will sie sich kaufen. Doch die Verkäuferin hat weitere schlechte Neuigkeiten für sie. "Sie sagte, dass sie pro Artikel nur einen Gutschein annehmen kann", erzählt T. Die Gröbenzellerin ist völlig entnervt. Und will den Restbetrag mit EC-Karte zahlen. Doch auch das ist nicht möglich: "Mir wurde gesagt, ich muss das bar bezahlen." Sie wird zu einem Geldautomaten in den Arcaden geschickt.

Doch am Automaten müsste T. Abhebegebühren bezahlen. Sie gibt entnervt auf. "Ich bin total enttäuscht von den Pasing Arcaden", sagt sie. "Der Service dort war unterirdisch."

Kein Gutschein-Verkauf an Minderjährige

Auch Nina M. (Name geändert) ist nicht gut auf die Pasing Arcaden zu sprechen. Die 16-Jährige sollte im Auftrag ihrer Mutter Gutscheine über insgesamt 60 Euro in den Arcaden kaufen. An der Information erlebt sie eine böse Überraschung. An Minderjährige verkaufe das Einkaufscenter keine Gutscheine, bekommt sie zu hören.

Die Mutter einer anderen Jugendlichen habe sich nach einem Gutscheinverkauf fürchterlich aufgeregt, erzählt die Dame am Infopoint. Deswegen würden nun keine Gutscheine mehr an Unter-18-Jährige verkauft werden.

Nina M. kann das nicht verstehen: In den einzelnen Geschäften hat sie schon öfter Gutscheine gekauft. Und auch in den Läden zu shoppen, ist für sie kein Problem.

Rechtlich gesehen können die Arcaden Minderjährigen einen Kauf von Gutscheinen verweigern, sagt Eva Schönmetzler von der Verbraucherzentrale Bayern. "Es gilt die Vertragsfreiheit. Grundsätzlich kann sich der Vertragspartner aussuchen, mit wem er ein Geschäft abschließt."

Minderjährige im Alter zwischen sieben und 18 Jahren können nur mit Erlaubnis der Eltern Geschäfte abschließen. Sollte diese fehlen, ist der Vertrag schwebend unwirksam. Er wird erst wirksam, wenn die Eltern diesen im Nachhinein genehmigt haben. "Eine Ausnahme davon ist zum Beispiel der Taschengeldparagraph. Nach ihm ist das Geschäft wirksam, wenn der Minderjährige es im Umfang seines Taschengeldes abgewickelt und sofort bezahlt hat", sagt Schönmetzler.

Fällt der Gutscheinkauf von Nina M. unter den Taschengeldparagraph oder nicht? Eine rechtliche Abwägungssache. Die Betreibergesellschaft der Pasing Arcaden kann das Vorgehen ihres Shopping-Centers trotzdem nicht ganz verstehen. Die Mfi AG betreibt 28 Shopping-Center in ganz Deutschland, zwei davon in München: Die Pasing Arcaden und die Riem Arcaden. "Das mit dem Gutscheinverkauf ist ungeschickt gelaufen", heißt es von Unternehmensseite.

Betreibergesellschaft: Auch eine EC-Zahlung des Restbetrages muss möglich sein

"Auch Minderjährige können bei uns einen Gutschein kaufen, wenn die Eltern nichts dagegen haben." Im Fall von Nina M. bot ihre Mutter sogar an, ihr eine Einwilligungserklärung auszustellen. Doch: Auch in diesem Fall blieben die Mitarbeiter der Information der Arcaden hart.

Auch bei Angelika T. hätten die Mitarbeiter des betreffenden Ladens beim Einlösen des Gutscheins "komisch" reagiert, so die Mfi AG. "Unser Ziel ist natürlich, dass alle Läden in unseren Einkaufcentern die Gutscheine ohne Probleme annehmen", heißt es vom Unternehmen. Auch eine EC-Zahlung des Restbetrages müsse möglich sein. Derzeit befänden sich viele Geschäfte noch in einer Umstellungsphase: Vor vier Monaten wurde ein neues Gutscheinsystem eingeführt. Bei dem neuen System werden, ähnlich wie etwa bei H&M-Gutscheinen, Restbeträge auf die Gutscheinkarte gebucht.

Dafür wird auf die Infrastruktur von Mastercard zurückgegriffen, weswegen auch das Logo der Kreditkarte auf den Gutscheinen abgebildet ist. "Die Guthabenkarte ist aber keine Kreditkarte, auch das befürchten einige unserer Kunden", heißt es von Unternehmensseite. Gerade kleinere Läden hätten momentan noch Probleme, sich die nötigen Terminals zum Annehmen der neuen Gutscheine anzulegen und eine EC-Zahlung eines Restbetrages richtig zu bonieren.

Das führt immer wieder zu Ärger mit Kunden. "Das ist so eine Phase, da müssen wir als Unternehmen jetzt leider durch", heißt es von der Mfi AG.

Zu lange Zeit lassen sollten sich Kunden eh nicht, wenn sie ihre Gutscheine in den Arcaden einlösen wollen: Nach einem Jahr werden pro Monat 2,50 Euro automatisch vom Guthaben abgezogen. Auch das will die Betreibergesellschaft zukünftig ändern - nachdem es zu "Missstimmung" bei vielen Kunden gekommen war.

wei

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