Merkwürdiger Fall vor Gericht

400.000 Euro weg! Rentnerin verdächtigt Bankberater – der sagt was Anderes

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Kämpft vor Gericht: Rosa Stecher (94) glaubt, von einem Bankangestellten betrogen worden zu sein.

Es geht um 400.000 Euro. Rosa Stecher aus Pasing sagt, ihr Bankberater habe sie um ihr Erspartes betrogen. Jetzt trafen sich die beiden vor dem Landgericht München II.

Die 94-jährige Rosa Stecher aus Pasing sagt, ihr Bankberater habe sie um 400.000 Euro betrogen (wir berichteten). Er habe ihr das Geld in bar vorbeibringen sollen – sei aber nie aufgetaucht. „Ich habe das Geld nie erhalten!“, sagt sie. Es ist ein kurioser Fall, der vor dem Landgericht München II verhandelt wird. 

Ob der Berater damals überhaupt zu ihr gekommen ist? Er selbst sagt ja. Stecher und ihr Anwalt sagen nein. Ob Geld übergeben wurde und später wieder mitgenommen wurde? Das war zuerst die Theorie von Rosa Stecher. Aber auch das ist kurz vor dem Prozess unklar. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte Stecher vor ein paar Tagen gesagt, ihr Bankberater sei da gewesen, sie und ihr Mann hätten einen Empfangsbeleg unterschrieben. Kurz vor dem Prozess sagte ihr Anwalt aber: „Der Mann ist nie bei Stechers aufgetaucht – es gibt auch keinen Beleg, der unterschrieben wurde.“ Viel Verwirrung.

Rosa Stecher (94) zur Richterin: „Ich hör’ heute so schlecht!“

Kein Kurier, kein Beleg: Anwalt Jürgen Klass. 

Und dann hat Stecher auch noch einen schlechten Tag. Als die Richterin sie belehren will, kann die Seniorin nur die Hälfte verstehen. „Ich hör’ heute so schlecht!“ Also wird kurzerhand der Zeugenstand bis wenige Zentimeter vor den Richtertisch geschoben. Bei ihrer eigentlichen Vernehmung darf Stecher dann gleich oben neben der Richterin Platz nehmen.

Zuerst aber redet der Bankangestellte. Angespannt und sichtlich genervt berichtet er mit ineinander verkeilten Fingern von der Geldübergabe. Er sei zu Stechers gefahren, habe sich eine Unterschrift geholt und den Ausweis von Herrn Stecher mitgenommen, um eine Kopie anzufertigen. Dann sei er zurück zur Bank gefahren, um das Geld zu holen. Dieses wurde vom Kassierer hinter Panzerglas in eine verplombte Transportbox gepackt. Weil kein Kurier Zeit gehabt habe, sei er selbst und allein gefahren. Von beiden Eheleuten habe er sich eine Empfangsbestätigung unterschreiben lassen.

Ob er denn keine Bedenken gehabt habe, fragt die Richterin, so alten Leuten so viel Geld in bar zu übergeben? Der Berater: „Nein, ich hatte einen glasklaren Auftrag.“ Er habe sich nichts vorzuwerfen. Er habe ihnen sogar geraten, das Geld lieber zu überweisen – und vor allen Dingen einen Notar einzuschalten. „Aber sie wollten Bargeld, um es in einen Pferdegnadenhof zu investieren.“ Er habe das Ehepaar auch nach der Übergabe häufig getroffen. „Und da war alles okay: keine Beanstandungen – gar nichts“, sagt er. Er glaube, dass sich jemand mit Vollmacht das Geld der alten Dame gesichert habe.

Rosa Stecher schüttelt den Kopf: Nein, ihr Berater, dem sie jahrelang vertraut habe, sei niemals bei ihr aufgetaucht. 

Unsere wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Pasing - mein Viertel“

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