Sprengstoff-Lager in der Wohnung

Anwalt soll Waffen und Chemikalien gebunkert haben

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Der angeklagte Rechtsanwalt soll Waffen, Bomben-Rohlinge und gefährliche Chemikalien gelagert haben.

München - Als Rechtsanwalt müsste Albert Z. (41, Name geändert) wissen, dass Recht und Gesetz auch für ihn gelten. Doch als die Polizei im Juli 2013 Wohnung und Kanzlei in Pasing durchsuchte, fielen die Beamten aus allen Wolken:

Neben unzähligen Waffen fanden sie jede Menge Chemikalien, mit denen er kilogrammweise Sprengstoff wie Nitroglycerin und TATP hätte herstellen können. Vier Nagelbomben hätten nur noch befüllt werden müssen. Dazu kamen Hitlerbilder und Nazi-Literatur.

Tickt dieser Mann nicht richtig? Das soll jetzt die 12. Strafkammer des Landgerichts herausfinden. Der Prozess begann Montag mit einer Flut von Anträgen …

Wegen vermuteter Waffendelikte war die Wohnung des Anwalts 2008 schon einmal durchsucht worden. Daraufhin soll er seine Wohnung offenbar zur Festung ausgebaut haben. Den Ermittlungen zufolge legte er große Lebensmittelvorräte an, bunkerte rund 100 Liter Benzin und Petroleum. Als aktiver Sportschütze besaß er seine scharfen Waffen allerdings legal.

Einweisung in die Psychiatrie

Erneut ins Visier der Beamten geriet er unter anderem, weil er seine frühere Studienkollegin sowie die Familie seines Patenkindes massiv mit Anrufen, Briefen, E-Mails und WhatsApp-Nachrichten terrorisiert haben soll. Dabei habe er unter anderem mit deutlichen Anspielungen gedroht, seine Opfer zu erschießen. Sie hatten ständig Todesangst!

Seit August 2013 können sie wieder aufatmen: Der Anwalt mit den seltsamen Hobbys wurde in die Psychiatrie eingewiesen.

Zum Prozessauftakt stellten der Jurist und sein Verteidiger Adam Ahmed einen Antrag nach dem anderen. Grund ist unter anderem ein kleines Drogendelikt, das aus der Anklageschrift gestrichen wurde. „Das eingestellte Delikt ist aber sehr wesentlich“, so Ahmed. Die Straftaten seien nur durch den Rauschgift-Konsum zu erklären, sein Mandant sei schuldunfähig gewesen.

Nachweisbar ist das freilich nicht: Albert Z. hat fein säuberlich sämtliche Körperhaare rasiert, was eine Langzeit-Analyse unmöglich macht. Das juristische Tauziehen dauerte Montag bis zum Abend, ohne dass die Anklage verlesen werden konnte. Ob der Prozess platzt oder weitergehen kann, ist noch unklar.

Eberhard Unfried

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