Mann stürzte auf die Schienen

Bahnhof Pasing: So rettete Dominik (18) einen Betrunkenen

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Dominik zeigt die Stelle: Hier war der Betrunkene auf die Schienen gestürzt.

Ein Mann stürzt am Bahnhof Pasing auf die Schienen und bleibt regungslos liegen. Ein 18-Jähriger beobachtet die Szene und beschließt zu helfen. Doch ihm bleibt nicht viel Zeit.

München - Er hat sein eigenes Leben riskiert, um ein anderes zu retten. „So etwas ist für mich selbstverständlich“, sagt Dominik Pauli und klingt dabei noch etwas erschöpft. Der 18-Jährige ist am Sonntagmorgen zum Helden von Pasing geworden. Am S-Bahnsteig stürzt ein junger Mann ins Gleisbett. Dominik reagiert sofort, springt hinterher und bringt ihn in Sicherheit. Wenig später rauscht ein Zug in den Bahnhof. Die Geschichte ist da aber noch nicht zu Ende.

Es ist 6.50 Uhr. Dominik Pauli hat die Nacht bei einer Freundin in Augsburg verbracht, nimmt den ersten Zug Richtung München. In Pasing will er umsteigen und die S-Bahn in die Buchenau (Fürstenfeldbruck) nehmen. Dort kommt er erst zweieinhalb Stunden später an.

„Ich war müde von der Nacht“, sagt er im Gespräch mit der tz. „Dann sah ich den Mann betrunken am Fahrplan lehnen.“ Dominik redet auf ihn ein, bietet Hilfe an. „Ich hatte Wasser dabei, aber er wollte nichts. Er konnte kaum sprechen.“ Dann der Schreckensmoment: Der Betrunkene torkelt am Bahnsteig entlang, verliert das Gleichgewicht, fällt auf die Schienen und bleibt regungslos liegen.

„Meine eigene Sicherheit war mir egal“

Der Beginn des Bahnsteig-Dramas: Dominik (r.) sieht, wie der Mann ins Gleisbett stürzt, regungslos liegenbleibt. Der 18-Jährige reagiert sofort und springt hinterher.

Dominik hat alles im Blick, schaut auf die Anzeige. Nächster Zug in zwei Minuten. Der 18-Jährige sucht den Nothalt. „Ich habe ihn nicht gefunden. Dann war mir meine eigene Sicherheit egal.“ Er springt ins Gleisbett und versucht, den orientierungslosen Mann aufzurichten – kein leichtes Unterfangen. Dominik erinnert sich: „Der Mann war etwa 1,90 Meter groß, wog mindestens 90 Kilo. Aber irgendwie habe ich es geschafft.“

Zwei Minuten hat Dominik Zeit, bis der Zug kommt. Mit letzter Kraft bringt er den Mann in Sicherheit.

Die Überwachungskamera dokumentiert das Bahnsteig-Drama. Mit letzter Kraft drückt Dominik den hilflosen Mann über die Bahnsteigkante – und rettet auch sich selbst. Sekunden später fährt die nächste S-Bahn ein. Für den Lebensretter aus Fürstenfeldbruck ist die Situation aber längst nicht erledigt. „Ich konnte ihn ja nicht einfach zurücklassen.“ Also streift sich der 18-Jährige, der gerade seinen Bundesfreiweiligendienst in einer Psychiatrie absolviert, seine Gummihandschuhe über. „Die habe ich eigentlich immer dabei“, sagt er. Genau wie die Pflaster, mit denen Dominik die Schürfwunden des jungen Mannes versorgt.

Dann löst Dominik zwei Fahrkarten – für sich und den Verletzten. „Ich habe ihn bis zur Haustüre nach Esting gebracht“, erzählt er beinahe beiläufig. Warum? „Ich habe ihn so behandelt, wie ich auch behandelt werden will“, sagt Dominik. Um 8.30 Uhr fällt er in sein Bett – aufgewühlt und erschöpft. Auch Helden müssen mal schlafen.

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