Familie ist völlig verzweifelt

Unsere Oma starb in der Feuerhölle

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Mutter Erna (59) zeigt die verrußte Wohnung.

München - Am 22. November 2013 wurde das Leben der Familie K. in Pasing zerstört. Bei einem Brand kommt die Oma ums Leben, die Wohnung ist völlig verrußt, die Enkeltochter schwer traumatisiert und verzweifelt.

Einsatzkräfte löschen die Flammen in der Schikanederstraße in der Nacht des 22. November. Der Rauch tötete Bewohnerin Johanna K.

Die Bilder und Geräusche wird sie nie vergessen: Wie die Flammen vor ihrem Schlafzimmerfenster lodern. Splitternde Scheiben. Das knackende Holz. Trüber, beißender Rauch. Und die Angst um ihren kleinen Sohn Korbinian (3). „Ich habe in der Wohnung über der Oma gelebt, mein Schlafzimmer war direkt über ihrem“, sagt Carola K. (31). „Als ich das Feuer sah und die Hitze spürte, wusste ich, dass sie das nicht überlebt haben kann.“

Es ist der 22. November 2013, der das Leben der Pasinger Familie zerstört. Lichterloh schlagen die Flammen gegen zwei Uhr nachts aus dem Erdgeschoss in der Schikaneder Straße – im Schlafzimmer von Johanna K. († 88) ist aus noch ungeklärten Gründen ein Feuer ausgebrochen. Ein Taxler, der zufällig vorbei fährt, ruft die Feuerwehr. „Die Rettungskräfte fanden sie nebenan, sie schleppte sich noch ins Wohnzimmer und brach dort bewusstlos zusammen“, sagt Tochter Erna K. (59). Mit schwerer Rauchvergiftung kommt Johanna K. in die Klinik. „Dort ist sie dann leider verstorben.“

Nur durch großes Glück blieb Erna K. selbst von dem Brand verschont. Sie wohnt mit ihrem Lebensgefährten in der Doppelhaushälfte nebenan – Rettungskräfte klingelten sie nachts wach. „Die Männer riefen: ‚Raus hier, es brennt!‘. Ich dachte erst, die machen Scherze. “

Carola K. (31) sucht mit Sohn Korbinian (3) eine neues Zuhause.

Rund drei Monate nach dem Unglück steht Erna K. vor der Realität: Die Wohnung ihrer toten Mutter ist völlig verrußt – noch immer stinkt die Luft nach Resten von Rauch. „Der Brand hat hier unten alles zerstört“, sagt Erna K. „Die Vierzimmer-Wohnung im Dachgeschoss wurde Gott sei Dank kaum beschädigt. Meine Tochter Carola könnte wieder einziehen. Es sind auch viele Spielsachen und Kleidung für ihren Bub vorhanden.“ Carola K. aber möchte nicht zurück in das Haus, in dem ihre Oma starb. „Sie hatte mir Wohnrecht auf Lebenszeit erteilt. Aber der Brand war für mich ein Schock. Ich hatte Todesangst und träume immer noch von der Feuerhölle.“

Seit Wochen kommt sie bei ihrer Schwester in Moosach unter. „Ich finde keine eigene Wohnung“, sagt Carola K. „Vermieter lehnen mich ab, weil ich alleinerziehend bin. Ich wünsche mir so sehr ein neues Zuhause.“

Andreas Thieme

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