Drama im Altenheim

Dementer Rentner (86) wegen Totschlags vor Gericht

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Justizbedienstete und Sanitäter führen den schwer kranken Alfred S. (86) in den Gerichtssaal.

München - Alfred S. (86) wurde am Donnerstag wegen Totschlags der Prozess gemacht. Laut Anklage schlich er sich in das Zimmer einer anderen Altenheim-Bewohnerin und erschlug sie mit einer Wasserflasche.

Humpelnd und verwirrt betritt Alfred S. (86) den Gerichtssaal. Er stützt sich auf seinen Rollator, sein Blick geht zu Boden – er spricht kein Wort. Der Rentner soll laut Anklage eine Bewohnerin (89) des Seniorenheims Pasing-Westkreuz getötet haben. Nachts drang er in ihr Zimmer ein und schlug ihr mit einer Glasflasche den Schädel ein – ohne ersichtlichen Grund. Wegen Totschlags wurde ihm am Donnerstag der Prozess am Landgericht gemacht.

Die Tat geschah im Altenheim Pasing-Westkreuz.

Es ist Sonntag, der 21. Juli 2013, als Alfred S. im Seniorenwohneim des Bayerischen Roten Kreuzes zum ersten Mal auffällig wird. Nachts um kurz nach zwei Uhr hört ein Pfleger Geräusche aus seinem Zimmer, in dem Alfred S. alleine wohnt. Der Senior ist wach, unruhig und aggressiv – er greift den Mitarbeiter sogar mit einer Mineralwasserflasche an. Auch er kann den Senior aber nicht beruhigen. Geistesgegenwärtig versucht der Pfleger Verstärkung zu holen und verlässt kurz den Raum. Aber als er zurückkommt, ist das Zimmer leer. Alfred S. ist plötzlich verschwunden!

Laut Anklage schleicht sich der Senior gegen 2.20 Uhr in das Zimmer von Nita A., das gegenüber von seinem eigenen liegt. In seiner Hand hält er die 0,7 Liter-Mineralwasserflasche aus Glas. Es ist die Tatwaffe, mit der er der wehrlosen und gebrechlichen Frau vier Mal wuchtig auf den Kopf schlägt, während sie noch schläft. Gegen den Angriff hat Nita A. keine Chance: Alfred S. rammt ihr die Flasche aus nächster Nähe ins Gesicht. Durch die Wucht erleidet Nita A. ein schweres Schädel-Hirn-Trauma sowie eine starke Fraktur der linken Gesichtshälfte. Den Pflegern bietet sich ein grausames Bild, als sie den Raum betreten: Blutüberströmt liegt die 89-Jährige im Bett, die Flasche ist am Boden zersplittert.

Nita A. stirbt schließlich am massiven Blutverlust – auch ihre Lunge ist durch die Kopfverletzungen mit Blut verstopft und die Atmung blockiert.

Vor Gericht wirkt Alfred S. orientierungslos, laut Anklage leidet er unter schwerster Demenz und ist somit nicht imstande, seine Tat zu begreifen. Vermutlich hatte er zum Tatzeitpunkt Wahnvorstellungen – er selbst sagte nicht aus. Seltsam: Vor der Tat sei der Senior nie auffällig gewesen, sagte Heimleiter Markus Hirt kurz nach dem Drama gegenüber der tz. Er war wohl nur beim Gehen etwas eingeschränkt. Aber: Die Demenz scheint so schwer zu sein, dass Alfred S. selbst nahe Angehörige nicht mehr erkennt. Er gilt als nicht schuldfähig und wird wohl in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

Andreas Thieme

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