100.000 Euro für Anne-Frank-Realschule

Auszeichnung für die Schule ohne Hausaufgaben

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Die Anne-Frank-Realschule in Pasing.

München - Handys sind nur in speziellen Zonen erlaubt, Kurse werden am Computer gebucht - und Jungs haben dort überhaupt nichts zu suchen. Ein Besuch in der ausgezeichneten Schule, der Anne-Frank-Realschule für Mädchen in München.

Diese Leistung hat eine glatte Eins verdient: Die städtische Anne-Frank-Realschule in Pasing hat den Deutschen Schulpreis 2014 gewonnen! Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD) ehrte die reine Mädchenschule (1957 gegründet, aktuell 635 Schülerinnen) gestern in Berlin und überreichte Rektorin Eva-Maria Espermüller-Jug das Preisgeld von 100.000 Euro.

An der Pasinger Anne-Frank-Realschule lernen 635 Mädchen

Großer Jubel unter den mitgereisten Schülerinnen! Denn erstmals geht der renommierte Preis, den die Robert-Bosch-Stiftung mit einer Jury vergibt, an eine baye­rische Realschule. Es ist eine ganz besondere: Auf Wunsch der Eltern wurde sie seit dem Schuljahr 2012/13 zur Ganztagsschule entwickelt. Unterricht, Lehrkonzept, Lern­erfolg: In Pasing ist ein Erfolgsmodell entstanden. Die tz erklärt die Superschule!

  • Keine Klassenzimmer: Die Mädchen lernen in kleinen, stabilen Gruppen. In sogenannten Lernhäusern unterrichten feste Pädagogen-Teams mehrere Jahrgangsstufen, die räumlich zusammengelegt sind. In modernen Lernbüros arbeiten die Schülerinnen zwei Mal pro Woche eigenverantwortlich in gemischten Altersgruppen. „Wir werden hier zu starken, selbstständigen Frauen erzogen“, sagt Schülersprecherin Clara Nies.
  • Keine Hausaufgaben: Richtig gelesen: Die Schülerinnen lesen zu Hause regelmäßig Texte oder lernen Vokabeln, prinzipiell sollen sie aber „entspannen“, so die Rektorin. Dafür hat jedes Mädchen ein Logbuch, in das sie ihre Lernerfolge einträgt und überwacht.
  • Kein Sitzenbleiben: „Diese Schule verliert niemanden“, lobt die Jury. Weil Schwächen schon vor Weihnachten erkannt und behoben werden, schaffen alle Schülerinnen den Abschluss. Danach wechseln fast zwei Drittel aufs Gymnasium, ein Viertel beginnt eine technische Ausbildung. Diese Werte liegen weit über dem bayerischen Landesschnitt.

A. Thieme

"Schule soll Spaß machen"

Überglücklich: Eva-Maria Espermüller-Jug, Schulleiterin der Anne-Frank-Realschule aus München, bekommt von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier den Schulpreis überreicht.

Große Ehre für Rektorin Eva-Maria Espermüller-Jug: Ihre Schule ist die beste Deutschlands, hier bereiten 65 Lehrer (darunter auch eine Psychologin und vier Konflikt-Berater) die 635 Schülerinnen aufs Leben vor – von 7.55 bis 16.05 Uhr. „Wir wollen keine Ganztagsschule, in der die Kinder am Nachmittag einfach nur verwahrt werden, sondern ein in sich geschlossenes, stimmiges Konzept“, sagt die Rektorin. „Selbstständiges Arbeiten ist uns wichtig. Schule soll Spaß machen.“ Dass nicht jede Schülerin gute Leistungen bringen kann, findet sie nicht schlimm: „Selbst wenn die Noten nicht so gut waren, kriegen die ihren Job.“ Denn an der Schule lernen die Mädchen auch, „wie sie sich so präsentieren können, dass sie überzeugen“. thi

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