Gudrun H. starb nach einem Sturz

Schlagloch kostete seiner Frau das Leben - Mitschuld der Stadt?

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Manfred H. zeigt Fotos seiner Frau und der Unfallstelle.

München - Für Manfred H. ist es eine schwere Zeit. Seine Frau stürzte auf der Straße, zog sich einen Milzriss zu und starb. Ihr Mann sieht eine Mitschuld bei der Stadt, weil die die Straßenschäden nicht rechtzeitig beseitigt habe.

Es war ein sonniger Tag, an dem Gudrun H. ihr Auto aus der Werkstatt abholte. „Meine Frau sagte, sie will etwas frische Luft schnappen“, erzählt Manfred H. Deshalb machte sich die 76-Jährige am 3. November zu Fuß auf den Weg von Unter- nach Obermenzing. Von der Auenbruggerstraße ging sie den Pasinger Heuweg Richtung Mühlangerstraße. Da es an der schmalen Straße keinen Gehweg gibt, ging Gudrun H. auf dem Bankett. „Als meine Frau nach Hause kam, hat sie gesagt, dass sie ausgerutscht und hingefallen ist“, erinnert sich Manfred H. Anfangs nahm das Ehepaar den Sturz nicht so ernst. „Meine Frau ist ja gleich wieder aufgestanden und weitergegangen, hat das Auto aus der Werkstatt geholt und ist damit heimgefahren“, sagt der 83-Jährige.

Am Abend klagt Gudrun H. über Schwindel. Das Ehepaar ruft einen Arzt, der der 76-Jährigen eine Spritze gibt. Um zwei Uhr morgens wacht sie wegen starker Schmerzen auf, kommt in eine Klinik, wird noch in der Nacht notoperiert. „Die Ärzte haben festgestellt, dass meine Frau einen Milzriss und Einblutungen in den Bauch hat“, erzählt Manfred H. Drei Wochen lang liegt die 76-Jährige auf der Intensivstation im künstlichen Koma. Am 20. November stirbt sie.

Manfred H.: „Diese Straße ist in katastrophalem Zustand“

Gudrun H starb nach einem Sturz.

Manfred H. kann den Tod seiner Frau kaum begreifen. „Sie war immer gesund und fit“, sagt er. Wie genau der Unfall passierte, ist unklar, aber Manfred H. macht den Zustand der Straße dafür verantwortlich. Bilder, die der Rentner mit einem Freund nach dem Unfall aufgenommen hat, zeigen tiefe Schlaglöcher im Bankett am Pasinger Heuweg. „Immer wenn sich zwei Autos entgegenkommen, muss eines oder beide auf den Seitenstreifen ausweichen“, sagt der 83-Jährige. Das verursache Schäden. Manfred H. glaubt, dass seine Frau in ein Schlagloch getreten und gestolpert ist. Auch die Polizei geht bisher davon aus. 

„Diese Straße ist in katastrophalem Zustand“, sagt Manfred H. Die Siedlung sei gewachsen, der Verkehr auf dem Pasinger Heuweg mehr geworden. „Der Zustand des Heuwegs ist nicht mehr zeitgemäß, sie müsste viel breiter sein.“ Im November sei der Heuweg noch unebener gewesen, da die Lochhausener Straße gesperrt gewesen sei und viele Autofahrer über den Pasinger Heuweg ausgewichen seien. Einen komischen Zufall findet es der Witwer, dass ausgerechnet ein paar Tage nach dem Unfalltod seiner Frau ein Fahrzeug anrückte und die Schlaglöcher zuschüttete.

Man bedauere den Unfall sehr, sagt Dagmar Rümenapf vom städtischen Baureferat. Die Stadt überprüfe im Zuge der Verkehrssicherungspflicht laufend die Sicherheit aller öffentlichen Straßen und Wege. Die Straßen seien in Klassen eingeteilt und würden im Turnus von einer, drei, sechs oder zwölf Wochen kontrolliert.

Straße überprüft: Drei Monate vorher gab es keine Beanstandungen

Der Pasinger Heuweg wird einmal im Quartal überprüft. Am 24. August gab es laut Stadt keine Beanstandungen. Beim Kontrollgang am 16. November stellten die Mitarbeiter im unbefestigten Bankett Pfützen fest. Die Löcher wurden laut Baureferat am 18. November mit Kies verfüllt – also vor dem Tod von Gudrun H. „Das stand in keinem Zusammenhang mit dem bedauerlichen Unfall“, betont Rümenapf. Manfred H. behauptet dagegen, dass erst am 21. November verfüllt wurde – einen Tag nach dem Tod seiner Gattin.

Ein Ausbau des Pasinger Heuwegs ist laut Rümenapf nicht geplant. „Der Weg ist südlich der Auenbruggerstraße nur als Feld- und Waldweg gewidmet. Die für einen Ausbau mit Gehweg benötigten Grundstücke befinden sich überwiegend in Privatbesitz.“

Im Moment laufen die Ermittlungen. „Der Fall ist noch nicht abgeschlossen“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. „Wir versuchen, den Unfall aufzuklären.“ Ob die Stadt eine Schuld trifft? „Es ist noch unklar, ob es überhaupt jemanden gibt, den man für den tragischen Unfall verantwortlich machen kann“, sagt Anwältin Iris-Maria Jandel, die im Auftrag von Manfred H. die Aufklärung des Unfalls begleiten soll. Im Moment werde von allen Seiten ermittelt.

Manfred H. geht es darum, dass sich die Stadt des unzeitgemäßen Zustands der Straße bewusst wird. „Auf dem Weg sind so viele Fußgänger, Jogger und Radfahrer unterwegs. Da kann jederzeit wieder etwas Schlimmes passieren“. Deshalb ist es dem 83-Jährigen wichtig, dass die Stadt jetzt etwas unternimmt. „Dann wäre meine Frau wenigstens nicht ganz umsonst gestorben.“

Stefanie Wegele

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