Falkner jagt die Vögel in der DB-Halle

ER vertreibt die Tauben aus der Bahn-Werkstatt

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Wolfgang Schreyer bei seiner Hauptarbeit.

München - In der DB-Halle in Pasing werden Züge repariert. Doch Tauben stören die Arbeitsabläufe und die Technik - und werden nun gejagt. Wer ist der Mann, der die Tiere vertreibt und auch abknallt?

Was ist das für ein Mann, der Vögel in der Werkstatt der Deutschen Bahn in Pasing (tz berichtete) jagt? Ein Tierhasser? Mitnichten. Es ist der bekannte Münchner Berufsfalkner Wolfgang Schreyer, der seit Montag auf der Pirsch in der DB-Halle ist. „Ich bin ein großer Tierfreund“, sagt er zur tz. „Aber hier geht es um die Gesundheit der Bahn-Mitarbeiter.“

In dieser Halle der Bahn war Falkner Wolfgang Schreyer auf der Jagd.

Seit vielen Jahren erklärt der 57-Jährige Münchner Kindern den Wald und dessen Vogel-Bewohnern, etwa im Staatsforstrevier Berglwald in Oberschleißheim. Er begeistert mit Flugvorführungen unter anderem im Bergtierpark Blindham. Und er betreibt fünf sogenannte Taubenhäuser in München, die den umstrittenen Vögeln eine Heimat geben, um sie von anderen Orten wegzulocken. Diesmal aber hat er eine unangenehme Aufgabe zu lösen. Die laut Kreisverwaltungsreferat unerlässlich ist. „Die Bahn-Mitarbeiter haben in der Vergangenheit schon verstärkt gereinigt, verschiedene Stellen verstachelt und Müllbehälter verschlossen, die als Futterquelle dienen könnten“, erklärt Daniela Schlegl vom KVR. Aber all diese Maßnahmen hätten nicht ausgereicht. Deshalb schritt Falkner Schreyer gestern früh im Morgengrauen auf dem Gelände zur Tat. „Da waren über 1000 Tauben drin. Überall lag Kot, die Feinstaubbelastung in der Luft durch den Kot und Federn ist riesig.“ Das bekam der Falkner am eigenen Leib zu spüren. „Ich habe mehrere Schüsse mit der Schreckschusspistole abgegeben. Die aufgeschreckten Tiere haben die Luft so durcheinandergewirbelt, dass ich sofort hinausgehen musste …“

Schreyer betont, dass er vorrangig die Tiere vertreibt, nicht erschießt. „Das ist kein Massenmord. Aber man muss einige Tiere abschießen, damit die anderen Tauben lernen, dass sie wirklich abhauen sollen.“ Beim gestrigen Einsatz habe er zwei Tiere mit einer Kleinkaliber-Waffe getötet, „sodass die Tauben sofort tot sind.“ Er werde nun regelmäßig auf die Jagd gehen, bis bei den Vögeln ein Lerneffekt einsetzt und sie sich hoffentlich alle einen neuen Platz suchen. „Wann ich wieder hinfahre, weiß ich aber noch nicht. Ich führe einen Auftrag durch.“

Nina Bautz

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