Demo gegen Nazi-Treffpunkt

Der Marsch aufs "Braune Haus" von Obermenzing

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Streng bewacht: Demo vor dem Nazi-Haus.

München - Eine Demonstration dieser Größenordnung haben Pasing und Obermenzing noch nie erlebt. Nie zuvor stand dabei so viel Polit-Prominenz aus allen demokratischen Parteien in der ersten Reihe.

Unter dem Motto „München ist bunt“ marschierten am Samstag mehr als 1.000 Teilnehmer vom Pasinger Bahnhofsplatz zu dem berüchtigten „Braunen Haus“ in Obermenzing. Der Bungalow in der Carl-Hanser-Straße gilt als beliebter Treffpunkt der Münchner Neonazi-Szene.

Viel Polit-Prominenz beim Auftakt vor dem Pasinger Bahnhof, darunter Josef Schmid, Sabine Nallinger und Dieter Reiter.

Dem Aufruf von Siegfried Benker (Grüne) zwei Wochen vor der Kommunalwahl sind zahlreiche Stadträte von CSU, SPD, FDP undGrünen gefolgt. Ganz vorne mit dabei: die OB-Kandidaten Dieter Reiter (SPD), Josef Schmid (CSU) und Sabine Nallinger (Grüne). Der Bezirksausschussvorsitzende für Pasing-Obermenzing und SPD-Stadtrat Christian Müller sagte: „Wir wollen vor allem auch den Anwohnern zeigen, dass wir ihnen solidarisch zur Seite stehen, und sie nicht mit dem Nazizentrum allein lassen.“ Junge Leute, Familien mit Kindern, aber auch sehr viele Menschen, die den Weltkrieg erlebt hatten, schließen sich der Demo an. Auch ein Block teilweiser vermummter Autonomer, der sich durch Außentransparente von den anderen Demonstranten abgrenzt, marschiert mit durch die Wohngebiete im Münchner Westen – bewacht von starken Polizeikräften. Pasings Polizeichef Peter Löffelmann, der seine Beamten im Vorfeld nach verbotenen Gegenständen suchen ließ, behielt die Szenerie im Auge.

Hässliche Szene: Teilweise vermummte Autonome drängen Polizeibeamte gegen den Lautsprecher-Lkw.

Vor dem Nazi-Haus in der Carl-Hanser-Straße kommt es doch zu einer hässlichen Szene: Der „schwarze Block“ drängt zum Lautsprecher-Lkw, um den sich Polizeibeamte postiert haben. Diese werden in die Enge gedrängt und wüst angerempelt. Später wird ein 25-Jähriger vorläufig festgenommen, der ein Wahlplakat beschädigt. Im Getümmel setzt die Polizei Pfefferspray ein. Sonst verläuft alles friedlich. „Erfreulich ist, dass die Mehrzahl der Demonstranten aus dem Stadtviertel kommt“, so Siegfried Benker zur tz. „Sie haben Flagge gezeigt gegen die Neonazi-Umtriebe in ihrer Nachbarschaft.“ Reiter sieht ebenfalls ein starkes Zeichen: „München ist eine lebendige Stadt: weltoffen, tolerant und bunt. Und das soll auch so bleiben!“

tz-Stichwort: Braunes Haus

Schmiedeeiserne Tore, eine hohe Thujenhecke, vergitterte Fenster, Überwachungskameras: So präsentiert sich der Bungalow an der Carl-Hanser-Straße in Obermenzing von außen. Die betagte Vermieterin wusste 2012 nicht, dass sie drei bekannte Neonazis vor sich hatte. Darunter Vanessa Becker, die auf Platz 2 der ausländerfeindlichen BIA als Stadträtin kandidiert. Das Haus wurde schnell beliebter Treffpunkt von Neonazis, die hier „Kameradschaftsabende“ abhalten. Vorbestrafte Gewalttäter wie Martin Wiese geben sich hier die Klinke in die Hand.

Eberhard Unfried

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