Die Vorsitzenden des Vereins „1200 Jahre Menzing“ im Gespräch

„Menzing ist lebens- und liebenswert“

+
Vor der historischen Pfarrkirche St. Georg im Menzinger Dorfkern: Vorsitzender Romanus Scholz (re.) und sein Stellvertreter Frieder Vogelsgesang vom eigens gegründeten Verein „1200 Jahre Menzing“.

Einst kleine Dörfer am westlichen Rand der bayerischen Landeshauptstadt, heute äußerst begehrte Wohnlagen an der Würm: Menzing feiert Geburtstag. Wir sprachen mit den Vorsitzenden des Vereins „1200 Jahre Menzing“.

Ober- und Untermenzing begehen heuer ihr 1200-jähriges Jubiläum, obwohl die Geschichte dieser Ortschaften vermutlich noch viel älter ist. Heuer wird nun kräftig zusammen gefeiert, obwohl Obermenzing und Pasing als Bezirk zusammengehören und Untermenzing und Allach eine Einheit sind. Die Menzinger Festtage finden vom 13. bis 23. Juli im Festzelt an der Weinschenkstraße – also fast zwischen Ober- und Untermenzing – direkt am S-Bahnhof Untermenzing statt. Anlässlich des Festjahres hat sich im Vorfeld eigens der Verein „1200 Jahre Menzing“ gegründet, der einen bunten Reigen an Veranstaltungen und Mitmachaktionen das ganze Jahr über anbietet. Wir haben uns nun mit dem Vorsitzendem Romanus Scholz und seinem Stellvertreter Frieder Vogelsgesang von dem besagten Verein unterhalten.

1200 Jahre Menzing – das Festjahr hat schon längst begonnen, aber jetzt kommt die „heiße Phase“. Worauf freuen Sie sich jetzt besonders? 

Vogelsgesang: Wir haben das ganze Jahr hindurch attraktive Angebote ganz unterschiedlicher Organisatoren, die größte Herausforderung kommt allerdings auf uns im Juli zu. Nachdem zunächst Anfang Juli Carl Orffs Carmina Burana vor mehreren hundert Gästen auf dem Kirchplatz Leiden Christi Open Air aufgeführt werden wird, finden sodann vom 13. bis 23. Juli die Menzinger Festtage an der Weinschenkstraße statt. Neben verschiedenen Schaustellergeschäften werden wir am Bahnhof Untermenzing ein Festzelt für über 2000 Gäste errichten mit einem vorgelagerten Biergarten für weitere Gäste. In diesem Zelt findet ein sehr vielfältiges Programmangebot statt, das online auf www.1200-jahre-menzing.de abrufbar ist. Unser Dank geht an all die vielen Helfer, Organisatoren und Sponsoren, die ein derart großartiges Programm überhaupt erst möglich machen, damit unser Festjahr auch wirklich unvergessen bleibt.

Frage: Welchen Bezug haben Sie selber zu Menzing, das ja in zwei Teile – Ober- und Untermenzing – zerfällt? 

Vogelsgesang: Ich bin in Obermenzing geboren, hier aufgewachsen und seit Jahrzehnten auf unterschiedliche Weise im Münchner Westen aktiv. Vor 1200 Jahren wurde Menzing erstmals urkundlich erwähnt – und so haben sich auf meine Initiative hin Ober- und Untermenzinger zusammengefunden, um dieses Jubiläum gemeinsam für ein attraktives und kulturell anspruchsvolles Festjahr zu nutzen. Es ist erstaunlich, wieviel Potential in vielen unserer Vereine, Initiativen und Privatpersonen steckt, das heuer zur Geltung kommt. 

Wie würden Sie das heutige Menzing an sich charakterisieren? Gibt es den „Menzinger“ an sich? 

Vogelsgesang: Grundsätzlich handelt es sich um ehemals eigenständige Orte, die auf eine deutlich längere Geschichte zurückblicken können als die Stadt München, an deren Stadtrand wir liegen. Strukturell handelt es sich um ein begehrtes Viertel mit viel Grün, um ein Wohngebiet mit dem viel zitierten Gartenstadtcharakter, das jedoch einem starken Druck ausgesetzt und in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. Vermutlich gibt es „den Menzinger an sich“ nicht, aber ich pflege die Bevölkerung bei einem ersten groben Versuch der Einteilung in zwei Gruppen zu unterscheiden: da sind zum einen die Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich für die Geschichte interessieren und aktiv in das Gemeindeleben einbringen und auf der anderen Seite jene, die hier zwar wohnhaft sind, aber an den örtlichen Strukturen wenig Interesse zeigen. Es würde uns vom Verein 1200 Jahre Menzing als Koordinatoren des Festjahres freuen, wenn wir auch möglichst viele aus der zweiten Gruppe für unser Menzing begeistern können. Menzing ist lebens- und liebenswert und hat nur Fortbestand, wenn sich möglichst viele für das Zusammenleben einbringen.

Wie hat sich die Struktur des Viertels über die Jahre verändert? 

Romanus Scholz: Problem Nummer eins ist die zunehmende (Nach-)verdichtung. Vogelsgesang: Bedingt durch diese Nachverdichtung ziehen immer mehr Bürger hinzu, die – wie zuvor bereits erwähnt – zum Teil an der örtlichen Gemeinschaft leider nur wenig Interesse zeigen, die allenfalls konsumieren, aber wenig beisteuern.

Welche baulichen Auswirkungen hat dies und wie sieht es mit dem einst dörflichen Charakter aus? 

Scholz: Die Verdichtung gefährdet den dörflichen Charakter und die Durchgrünung des Viertels. Frieder Vogelsgesang: Ein ganz erschreckendes und hochaktuelles Beispiel ist die aktuelle und massive Nachverdichtung am Betzenweg unmittelbar neben unserem historischen Obermenzinger Dorfkern mitten im Ensemble Obermenzing. Es ist mir ein Rätsel, wie so etwas genehmigt werden konnte. Schon die ersten Bauten konnten gegen den erklärten Willen der Bevölkerung und des örtlichen Bezirksausschusses nicht verhindert werden und nun folgt ein weiterer Sündenfall unmittelbar an der Würm.

Kulturell ist heuer besonders viel geboten; welches Angebot gibt es sonst über das Jahr? 

Vogelsgesang: Bei genauer Lektüre unseres Programmheftes werden im Menzinger Jahreskalender Kundige feststellen, dass viele Veranstaltungen auch in anderen Jahren stattfinden. Wir haben Sie der Vollständigkeit halber in das Programm aufgenommen, insbesondere wenn die Veranstalter einen konkreten Bezug zu 1200 Jahre Menzing hergestellt haben. Aber auch darüber hinaus finden zahlreiche weitere interessante Aktivitäten statt, die keinen Eingang ins Programm gefunden haben. Menzing hat ein reges Vereinsleben und bietet das ganze Jahr hindurch ein vielfältiges Angebot. Ich hoffe sehr, dass dies noch lange Jahre Bestand haben kann, denn leider klagen viele Vereine über fehlenden Nachwuchs. Hier sind unsere Neubürger dringend gefragt. 

Wenn Sie in die Zukunft schauen: Wie sieht nach Ihrer Wunschvorstellung das Menzing im Jahre 2030 aus?

Scholz: Dass das dörfliche Zentrum erhalten bleibt und weiterhin so lebendig strahlt, dass sich die Verdichtung in Grenzen halten kann, auch die Verdistraße wieder einen lebbaren Straßencharakter hat auch für Anwohner, Fußgänger und Radfahrer.

Vogelsgesang: Ein lebendiger Stadtteil ist immer auch Veränderungen unterworfen, Menzing darf jedoch kein austauschbarer Stadtteil Münchens werden, so wie jedes einzelne Stadtviertel Münchens seinen ihm eigenen Charakter bewahren soll und erkennbar bleiben muss. Für Menzing sind dies durchgrünte Wohngebiete mit Naherholungsflächen ums Eck sowie historisch wertvollen Kirchen und Bauwerken, die an der Würm gleichsam einer Perlenkette aufgereiht sind. Und wir haben durchaus noch Verbesserungspotential, wenn ich an Verdistraße, Pippinger Straße und Eversbuschstraße denke.

Bodo-Klaus Eidmann

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag

Kommentare