Nachbar ist entsetzt

„Es ist ein Frevel“: Wirbel um Luxus-Villa in München - Wildes Gerücht um FC-Bayern-Star klärt sich auf

Haus an der Würm
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Bauarbeiten auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück an der Würm.

Der Abriss einer Luxus-Villa erhitzt die Gemüter der Nachbarn. Dass sich auf dem Grundstück nun ein Spieler des FC Bayern niederlassen wird, hat sich als Gerücht erwiesen.

München - Eine grüne Oase, in der Eisvögel fischen, Enten brüten und Frösche quaken: Direkt an der Würm in Obermenzing liegt das über 3000 Quadratmeter große Grundstück von Heinz Sielmann, der deutschen Naturfilmer-Legende. Viele Jahre lang lebte er hier, bis zu seinem Tod 2006. Nun aber ist es mit der Idylle schlagartig vorbei: Die Luxus-Villa des Naturschützers ist abgerissen worden.

Luxus-Villa in München abgerissen - Nachbar ist entsetzt: „Bringe es gar nicht übers Herz hinzuschauen“

Ein Kran überragt die Bäume des einst so magischen Gartens, Betonplatten stapeln sich, inmitten der Baustelle klafft eine große Grube. Für einen Nachbarn, der in direkter Nähe aufgewachsen ist, ein Graus: „Ich bringe es gar nicht übers Herz hinzuschauen. Es ist ein Frevel“, klagt er. „Hier wurde eine nicht wieder zu schließende Wunde ins Herz von Obermenzing gerissen!“

Heinz Sielmann vor seinem inzwischen abgerissenen Holzhaus.

Tatsächlich waren die Villa und der Garten mit den Seerosen-Teichen und grün verwachsenen Wegen nach dem Tod von Sielmanns Frau Inge 2019 in den Besitz der Heinz-Sielmann-Stiftung übergegangen, die der Naturschützer 1996 gegründet hatte. Denn das Ehepaar Sielmann hinterließ keine Erben, ihr einziger Sohn Stephan ist 1978 mit 24 Jahren in Kenia tödlich verunglückt.

München: Luxus-Villa zum Verkauf - wildes Gerücht um FC-Bayern-Star

Die Stiftung hatte im September des vergangenen Jahres angekündigt, die Villa verkaufen zu wollen. Rasch hatte sich ein Käufer gefunden. Und sofort gingen die wildesten Gerüchte in Obermenzing um: Ein Fußballspieler vom FC Bayern wolle sich dort eine Stadtvilla bauen.

In Wirklichkeit ist es ein Architekt aus München, der dort seine Traumvilla verwirklicht und auch selbst mit seiner Familie einziehen wird. Der Neubau werde auf genau derselben Fläche wie das Sielmann-Haus entstehen, verriet er unserer Zeitung. Das alte Gebäude sei marode und feucht gewesen und habe abgerissen werden müssen. „Der Garten bleibt so, auch die Bäume bleiben“, betont er. 

Natur-Idyll in München bald zerstört? Planungsreferat teilt Befürchtungen nicht

Wie Frieder Vogelsgesang, Vorsitzender des Bezirksausschusses Pasing-Obermenzing, berichtet, hatte der BA im Februar den Antrag für das Einfamilienhaus mit Garage eingesehen und dem Bauprojekt zugestimmt. Die Stadt München hat den Bauantrag am 8. April genehmigt. Die Sorgen der Nachbarschaft, dass dort ein Natur-Idyll zerstört werde, teilt Vogelsgesang nicht: Das Projekt füge sich in die Landschaft ein. Der Sprecher des Planungsreferats Ingo Trömmer erklärt: „Das Bauvorhaben wurde eng mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Es fanden dazu auch Ortstermine statt.“ Das Haus selbst, ein mit dunklem Holz verkleideter Bungalow, stand nicht unter Denkmalschutz. Der Abriss sei zulässig.

Die Heinz-Sielmann-Stiftung bestätigte am Montag: Das Einfamilienhaus wurde von uns im ersten Quartal dieses Jahres samt Grundstück veräußert.“ Angaben zur Kaufsumme wolle man nicht machen. Auch was künftig mit Sielmanns Grundstück passiert, sei nun nicht mehr Sache der Stiftung. Fest steht: Mit dem Erlös aus dem Hausverkauf soll Gutes entstehen: Das Geld soll „den Biotopverbünden in Bayern“ zugutekommen. Schon 2020 hatte die Heinz-Sielmann-Stiftung erörtert, dass damit Projekte unterstützt werden sollen, die die Artenvielfalt, etwa von Insekten und Vögeln, fördern. Die Verantwortlichen der Stiftung seien sicher, dass das Ehepaar Sielmann damit einverstanden gewesen wäre. In den Naturschutz zu investieren, das hätte sich Münchens großer Tierfreund von Herzen gewünscht.

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