Mann verlor ein Bein

Nach tragischem Unfall in Unterschleißheim: Bürger fürchten Sogwirkung am Pasinger Bahnhof

Mitte Mai hat ein Mann in Unterschleißheim sein Bein bei einem tragischen Unfall verloren: Er wurde von dem Sog eines vorbeifahrenden Zuges erfasst. Nun fürchten die Bürger ähnliche Szenen am Pasinger Bahnhof. 

München - Wie gefährlich ist die Sogwirkung von Zügen? Darüber machen sich Bürger in Pasing-Obermenzing große Sorgen, denn täglich donnern Schnellzüge durch den Pasinger Bahnhof. Da müsse es Lösungen geben, wurde nun auf der Bürgerversammlung in Obermenzing gefordert.

Wenn am Bahnsteig ein Schnellzug vorbeirauscht, kann schon mal ein Kinderwagen kippen oder ins Gleis gesogen werden. Diesen Schreck hat eine Frau in Rosenheim vor wenigen Wochen erlebt, die mit ihrem Kind an der Hand an einem Bahnsteig gewartet hatte. Der neben ihr stehende Kinderwagen wurde vom Sog eines Güterzugs erfasst, unter den Zug gezogen und völlig zerstört. Auch in Markt Schwaben und Karlstadt am Main (Unterfranken) hat es in den vergangenen Jahren ähnliche Vorfälle gegeben. In Unterschleißheim wurden Mitte Mai sogar zwei Männer vom Sog mitgerissen und schwer verletzt.

Damit dies nicht auch in Pasing passiere, müssten dort Lösungen für den Umgang mit Schnellzügen gefunden werden, forderte jetzt eine Obermenzingerin auf der Bürgerversammlung. Ihrem Antrag an die Stadtverwaltung stimmten die rund 100 Zuhörer mehrheitlich zu. Die Bürgerin selbst schlug vor, die Züge langsamer fahren zu lassen, oder deutlichere Signale vor der Durchfahrt zu geben.

Grundsätzlich gebe es für Bahnsteige, die ein Teil der Betriebsanlagen im täglichen Eisenbahnbetrieb seien, entsprechende „Spielregeln“, erklärte ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage unserer Zeitung. So sei die Aufforderung „Vorsicht an der Bahnsteigkante“ keine historische Redewendung, sondern gelte auch im modernen Bahnverkehr. Gemeinsam mit der Bundespolizei habe die Bahn eine Infokampagne entwickelt, die in den sozialen Medien gezeigt werde, so der Sprecher.

Zum Schutz der Reisenden schreibe die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) vor, dass es auf Bahnsteigen an Gleisen, auf denen Züge schneller als 160 Stundenkilometer fahren dürften, weiße Linien oder Schraffuren gebe. Sie markierten den Sicherheitsabstand, der bei Ein- und Ausfahrt der Züge einzuhalten sei. Zusätzlich gebe es dreieckige, gelb-rot-schwarze Warnschilder, die auf die weiße Sicherheitslinie hinwiesen. Die Deutsche Bahn gehe sogar über die EBO-Bestimmungen hinaus und hätte Linien und Warnschilder an allen Bahnsteigen angebracht, an denen Züge mit mehr als 80 Stundenkilometer unterwegs seien.

An größeren Bahnhöfen wie Pasing, dem viertgrößten Bahnhof in Bayern, warnen zudem Lautsprecherdurchsagen und Anzeigen auf den Anzeigen vor durchfahrenden Zügen. Laut EBO müssten Lautsprecher an Bahnsteigen angebracht werden, wenn dort mehr als Tempo 160 gefahren werden dürfe. „Allerdings wird Tempo 160 bei Durchfahrten im Bahnhof Pasing bei Weitem nicht erreicht“, sagte der Sprecher. Aufgrund der Weichenstraßen im Gleisvorfeld sei die Durchfahrtsgeschwindigkeit dort deutlich niedriger. 

Die wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Pasing – mein Viertel“.

Rubriklistenbild: © Sigi Jantz

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